Meerrettichernte im Spreewald

26.11.2018

© Spreewaldverein

Schlagkräftige Technik kommt bei der Ernte zum Einsatz.

Seit Anfang November ist die Ernte des bekannten Spreewälder Meerrettichs im Gange. Geschäftsführer von Spreewälder Meerrettichanbau- und Verarbeitungsbetrieben und der Spreewaldverein beobachteten am 8. November auf einer Meerrettichfläche des Gemüsebaubetriebes „Spreewald“ im Lübbenauer Ortsteil Ragow gemeinsam mit Medienvertretern die Ernte des scharfen Gemüses. Gastgeber war Betriebsinhaber Marcel Mich. An seinem rund sieben Hektar großen Meerrettichfeld am Ponnischkaweg – der größten zusammenhängenden Meerrettich-Anbaufläche 2018 im Spreewald – wurde über die Herausforderungen der diesjährigen Ernte- und Verarbeitungssaison und die Ertragserwartungen diskutiert. Meerrettich wird bis zum Einsetzen der ersten Fröste auf zwei Drittel der Gesamtfläche geerntet, der Rest im Frühjahr des Folgejahres. 

 

Deutlich höhere Kosten

 

Meerrettich mag es warm und feucht. Der diesjährige zwar warme, aber viel zu trockene Sommer erforderte eine kontinuierliche künstliche Beregnung der Meerrettichkulturen. Zudem verteuerten sich die Kraftstoffe und notwendige Betriebsmittel. Wird dazu noch die Steigerung des Mindestlohnes berücksichtigt, verzeichnen die Landwirtschaftsbetriebe in diesem Jahr wesentlich höhere Produktionskosten gegenüber dem Vorjahr. In diesem Jahr wird im Spreewald auf knapp zehn Hektar Meerrettich angebaut. Das ist dem geringeren Bedarf der Verarbeiter geschuldet. Die dafür notwendigen Erntemengen im Spreewald sichern die Landwirtschaftsbetriebe per Vertragsanbau. Gegenüber dem Vorjahr hat sich damit die Anbaufläche um ein Drittel reduziert. Haupterzeuger ist der Gemüsebaubetrieb „Spreewald“, zweitgrößter Produzent der Gemüsebetrieb Dirk Richter in Klein Klessow. Hinzu kommen einige Kleinerzeuger mit Flächengrößen weit unter einem Hektar. Durchschnittlich liegt der Ertrag pro Hektar bei zehn bis zwölf Tonnen des Wurzelgemüses bei normalen Niederschlagsmengen. Nach den ersten Erntetagen prognostiziert Marcel Mich geringere Ernteerträge. Die extreme Trockenheit hat der Meerrettichkultur trotz Beregnung doch deutlich zugesetzt. Folge sind weniger stark entwickelte Hauptwurzelstöcke und die Ausbildung von mehr Nebenwurzeln. 

 

Gütesiegel der EU

 

Auch in der Schärfe stehen die frisch geernteten, geputzten und geriebenen Wurzeln denen des Vorjahres nach. Ein Gesamtertrag von knapp 100 Tonnen Meerrettichwurzeln in der Saison Herbst/Winter 2018/Frühjahr 2019 wäre bereits als Erfolg zu bewerten.

 

Neben Spreewälder Gurken und Beelitzer Spargel besitzt Spreewälder Meerrettich das EU-Gütesiegel „Geschützte Geographische Angabe“ (g.g.A.). Für die Verarbeiter besteht damit die Pflicht, bei der Veredlung überwiegend Meerrettich aus regionalem Anbau zu verwenden. In schlechteren Erntejahren wie diesem sind die Verarbeiter gezwungen, Rohware verstärkt von außerhalb der Region zu­zukaufen. Von der extremen ­Trockenheit war aber in diesem Jahr fast ganz Europa betroffen. Damit ist auch in anderen Regionen und Ländern nach Informa­tion des Spreewaldvereins mit ­Ertragsausfällen zu rechnen. Der frei auf dem Markt verfügbare Meerrettich als Rohware dürfte teurer werden.

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