Leere Ähren, wenig Stroh

16.08.2017

Fotos: Rudolf Kupfer, Wolfgang Herklotz

Bis in die späten Abendstunden waren die Mähdrescher wie hier in der Lausitz im Einsatz, um das Getreide an trockenen Tagen zu bergen. Im Havelluch (kleines Foto links oben) sind große Ausfälle zu verzeichnen und Felder nach wie vor nicht befahrbar. Grünlandflächen (kleines Foto links unten) stehen seit Wochen unter Wasser.

Das trockene Frühjahr verursachte auf den leichten Böden im Havelluch Schäden. Diese waren zwar befahrbar, brachten aber nur schlechte Erträge. „Das, was übrig geblieben ist, verfault nun.“ So kommentiert Axel Kees, Geschäftsführer der Agrar GmbH Kienberg, etwas zugespitzt die aktuelle Situation auf den Feldern des havelländischen Betriebes. In den vergangenen sechs Wochen sind hier bis zu 600 Liter pro Quadratmeter niedergegangen. Große Teile der  Luchböden stehen unter Wasser und werden auch in den kommenden  drei, vier Wochen nicht befahrbar sein. Unzählige Male ist der Mähdrescher beim Versuch steckengeblieben, das Getreide von den halbwegs trockenen Flächen zu ernten. Von der auf 140 ha angebauten Gerste konnte die Druschfrucht zwar auf 100 ha geborgen werden, doch der Ertrag liegt bei lediglich 35 dt/ha. Beim Roggen, auf 150 von 180 ha geerntet, stehen gar nur 20 bis 22 dt/ha zu Buche. Kaum besser sieht es beim Weizen aus, der zwischen 25 und 28 dt/ha einbrachte. Höhere Erträge sind hier mehr als fraglich, obwohl die Kultur noch auf 364 von insgesamt 400 ha steht. Die weiterhin wechselhafte Witterung wird kaum zur Entspannung der Situa­tion beitragen. Selbst der erste  Schnitt vom Grünland steht noch zu 70 % aus. „Das Heu lag auf rund 100  Hektar auf Schwad, doch dann kam der Regen“, berichtet Kees. „Wenigstens müssen wir uns um die Futterversorgung keine Gedanken machen, weil wir inzwischen die Milchproduktion aufgegeben gaben.“  Und auch der auf 250 ha angebaute Mais, der sich gut entwickelt hat und als Körnermais mehr Spielraum bei der Ernte bietet, lässt hoffen. Dennoch wird sich der Ausfall beim Getreide nicht kompensieren lassen. „Dieses Jahr fordert uns einiges ab. Wir werden es wuppen, aber sicherlich auch an unsere Rücklagen gehen und abwarten müssen, was an Hilfen vom Land angeboten wird“, meint Axel Kees.



Dahme-Spreewald:

Anfang Juli starteten die Mähdrescher der Märkischen Agrargenossenschaft Mittenwalde in die Gerste. Die nachfolgenden Niederschläge zwangen immer wieder zum Pausieren. Deshalb standen Mitte vergangener Woche die Druschfrüchte noch auf ca. 530 Hektar auf dem Feld, was etwa einem Fünftel der Anbaufläche entspricht. Der Betrieb wirtschaftet zwar auf meist sandigen Böden, doch auch die konnten das Wasser nicht mehr aufnehmen, berichtet Vorstandsvorsitzende Cornelia Brinkmann. „Bis Ende Juni hatten wir 100 Liter pro Quadratmeter, dann kamen noch mal 300 Liter hinzu.“ Die bisherigen Erträge bringen ein deutliches Minus gegenüber normalen Erntejahren zutage. „Im Schnitt ist es mehr als ein Drittel weniger“, so Brinkmann.


Hatten die Bestände unter der Trockenheit und den Kahlfrösten im Frühjahr gelitten, machte den Mittenwaldern dann die Nässe während des Blütenstadiums zu schaffen. Besonders der Roggen war betroffen, wies viele leere Ähren auf. Zu den Ausfällen auf dem Acker kommen noch immense Schäden auf dem Grünland. Nach wie vor stehen rund 45 ha Wiesen unter Wasser. Die Narbe ist inzwischen verfault, da kommt nur noch Mulchen infrage, so die Vorsitzende. Zwar kann das Milchvieh weiterhin mit eigenem Futter versorgt werden, doch das Stroh wird knapp.


Einbußen muss das Unternehmen auch bei den Kartoffeln hinnehmen, die auf 273 ha angebaut werden. Hier ist ein erheblicher Ausfall zu verzeichnen. „Das ist das dritte Jahr in Folge, wo uns die Ernte immense Sorgen bereitet. Aber dieses Jahr trifft es uns besonders hart“, betont Cornelia Brinkmann.   

   

Uckermark:

Die Region hat zwar auch Regen abbekommen, aber nicht so intensiv wie in anderen Regionen des Landes. „An zwei Tagen Ende Juli gingen insgesamt 100 Liter pro Quadratmeter nieder. Die restlichen Niederschläge fielen gut verteilt, sodass der Boden sie ohne größere Probleme aufnehmen konnte“, berichtet Wenke Möllhoff vom Familienbetrieb Pflanzenbau-Hof Fichtner GbR in Kleisthöhe. „Glücklicherweise regnete es erst nach der Gerstenernte, wo der Pflugacker dann nicht mehr befahrbar war.“


Rund drei Viertel der Felder sind Mitte August abgeerntet. Beim Weizen als der Hauptkultur stehen bislang 86 dt/ha zu Buche. Bei den frühen Sorten kam es zu niedrigeren Fallzahlen, und auch die Proteinwerte schwankten. „Aber wenn wir auf den noch zu dreschenden 260 Hektar ähnliche Ergebnisse erzielen, können wir sehr zufrieden sein.“ Dies gilt nicht für den Raps, von dem im Schnitt bislang nur 36 dt/ha geerntet wurden. Die Ölfrüchte waren von Infektionen betroffen und teilweise ins Lager gegangen. Negativ ausgewirkt hat sich das Verbot der neonikotinoiden Beizen, die Pflanzen konnten keine vitalen Wurzeln ausbilden. „Das war jetzt schon die zweite Rapsernte, die enttäuschte“, meint Wenke Möllhoff, „aber deshalb auf die für die Fruchtfolge so wichtige Kultur zu verzichten, kommt nicht infrage.“ Die Gerste konnte mit ähnlichen Ergebnissen wie der Weizen aufwarten.


Wenn das Wetter in den nächsten Tagen mitspielt, dürfte die Ernte der Druschfrüchte in dieser Woche abgeschlossen sein. „Damit liegen wir noch einigermaßen im Zeitplan.“ Zuversichtlich blickt die Landwirtin auch der Maisernte entgegen. Die Bestände haben sich außerordentlich gut entwickelt, obwohl der Mais erst Mitte Mai gedrillt worden war.



Oberspreewald-Lausitz:

Hier ist die Ernte vielerorts bei ansprechenden Erträgen nahezu eingebracht. Zwar sorgte auch hier die Witterung für Zwangspausen, aber nicht für solch gravierende  Einbußen wie im Norden und Westen des Landes. Noch vor dem großen Sturm am 21. Juni hatte die Agrargenossenschaft Großräschen die erste  Ernte in guter Qualität im Speicher. Es handelte sich um Schafschwingel, der auf 160 ha als Vermehrungskultur angebaut wird. Bei Wintergerste als der zweiten Kultur im Druschkalender konnten dann die Mähdrescher noch nicht wie geplant am 4. Juli starten, da selbst in der späten Mittagszeit noch 19 % Feuchte gemessen wurden. Bei den aktuell niedrigen Preisen von 12 bis 13 €/dt Getreide galt es, unter allen Umständen eine zusätzliche Trocknung zu ersparen, so Geschäftsführer Hans-Joachim Kupz. „Bei Vermehrungskulturen wie Lupinen und Erbsen ist eine  technische Trocknung wegen der zu erhaltenden Keimfähigkeit ohnehin nicht möglich.“ Deshalb setzten die Großräschener auf besseres Wetter und wurden belohnt. Lupinen und Erbsen, aber  auch weitere Vermehrungskulturen wie Gräser und Getreide sind in guter Qualität ins Lager gekommen.  


Per 13. August standen noch Weizen und Triticale auf 80 ha zum Drusch an. Ziel ist es, diesen zum 20. August abzuschließen. Für den Betrieb steht  keine Rekordernte in Aussicht, aber die Ergebnisse sind nach der Trockenheit im Mai  immer noch besser als erwartet. Beim Winterraps wurden im Schnitt 26 dt/ha geerntet.  Als problematisch erweist sich gegenwärtig der zweite Grünlandschnitt zur Heugewinnung.


Bereits am 7. August konnte die Agrargenossenschaft Frauendorf den Drusch auf rund 900 ha abschließen. Die Ertragsschwankungen sind allerdings in diesem Jahr sehr groß. Beim Winterraps, insgesamt auf 300 ha angebaut, brachten einige Schläge 50 dt/ha, andere an der Schwarzen Elster konnten wegen Vernässung nicht abgeerntet werden. Die Erträge beim Winterroggen lagen unter 40 dt/ha, die Körner hatten aber eine sehr gute Qualität, die Fallzahlen lagen über 200. Eine Besonderheit in diesem Jahr war, dass der Winterweizen eher seine Druschreife erreicht hatte als der Winterroggen.


Pech hatte Thomas Domin aus Peickwitz. Durch Hagelschlag am 28. Juni wurde seine gesamte Getreideanbaufläche von 30 ha geschädigt. Betroffen war auch Hafer auf sechs Hektar, den der Landwirt als Kraftfutter für die Rinder, Schweine und Gänse im Betrieb benötigt. Landwirt Axel Müller aus Schwarzbach konnte den Drusch auf insgesamt 100 ha bis auf zwei Hektar abschließen, weil die ebenfalls an der Schwarzen Elster liegenden Flächen stark vernässt sind. Der Winterhafer brachte einen nur unbefriedigenden Ertrag, dafür hat sich der am 22. Juni vom Hagel stark geschädigte Silomais teilweise wieder erholt.

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