Landnutzung auf Rote Liste?

08.06.2017

© Sabine Rübensaat

Im Gespräch: Dirk-Henner Wellershoff, Jens Schreinicke, Sebastian Schiller, Friedhelm Schmitz-Jersch und Lars Dettmann.

Die geschützten Tierarten wie Wolf und Biber sorgen mehr denn je für Zündstoff. Während sich Natur- und Umweltschützer über steigende Populationen freuen, beklagen Land- und Tierwirte immer größere Schäden. Dies gilt auch für die Fischer, denen der Beutezug der Kormorane schwer zu schaffen macht. Bei Karpfen geht die Verlustrate  bis zu 70 %. „Da bleibt kaum noch etwas übrig. Es gibt zwar eine Kormoranverordnung, doch die löst die Probleme nicht!“ Dies betonte Lars Dettmann vom Landesfisch­ereiverband Berlin-Brandenburg auf der BraLa-Podiumsdiskussion, zu der Landesbauernverband und Forum Natur Brandenburg Vertreter verschiedener Verbände eingeladen hatten. Moderiert wurde die Runde vom Rundfunkjournalist Sebastian Schiller.


Lassen sich die Fraßschäden des Fischräubers verhindern oder wenigstens minimieren, indem Netze aufgespannt werden? Dies hatte ein ökologisch wirtschaftender Teichwirt bei Hamburg eine Zeitlang versucht, musste dann aber aufgeben, weil der Aufwand zu groß war.  „Bei dem Gedanken, alles abdecken oder einzäunen zu müssen, stellen sich einem die Nackenhaare in den Himmel“, meinte Dr. Dirk-Henner Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes. Dabei sei der Kormoran noch leichter zu managen als der Biber. Dafür gebe es zwar auch eine Verordnung, so Wellershoff, doch das Verfahren sei äußerst kompliziert. „Die Gesetzgebung hinkt Jahre hinterher!“ Dem widersprach Friedhelm Schmitz-Jersch, Vorsitzender des  NABU Brandenburg. Er räumte zwar Probleme, darunter Personalmangel, ein, plädierte aber dafür, den Umgang mit den geschützten Tierarten als Lernprozess zu begreifen und auch die Vorteile zu sehen. „Der Biber beispielsweise sorgt dafür, das Wasser in der Landschaft zu halten.“ Rückendeckung bekam der Naturschützer von Zuhörerin Marlies Lott aus Möst bei Dessau. „Ich gehöre zu denen, die sich den Biber dringend zurückwünschen, weil er immer ein Freund der Landwirte war!“ Das wiederum konnte Jens Schreinicke, Mutterkuhhalter  aus dem Landkreis Potsdam-Mittelmark, so nicht stehen lassen. „Ein funktionierender Wasser- und Bodenverband kann viel besser für ein wirksames Stauregime sorgen. Denn es geht ja auch darum, überflüssiges Wasser abzuleiten. Ich warne vor Träumereien von einer Kulturlandschaft, wie sie vor Hunderten von Jahren mal existierte!“


Erwartungsgemäß kontrovers ging es in der zweistündigen Diskussion auch beim Thema Wolf zu. Während Naturschützer mit der Bestandsentwicklung noch unzufrieden sind, fordern Landnutzer Obergrenzen und ein entschiedenes Vorgehen gegen verhaltensauffällige Tiere. „Der Wolf muss lernen, mit uns zu leben, nicht umgekehrt!“ betonte Landesjagdverbandspräsident Wellershoff. Anderenfalls droht die Gefahr, dass Weidetierhalter aufgeben und die Landnutzung  tatsächlich auf die Rote Liste gerät, wie das zugespitzte Motto der Veranstaltung lautete. Diese vermittelte trotz vieler ungeklärter Fragen die Botschaft, dass der Dialog fortgeführt werden muss. Der jetzt vorgelegte Entwurf der Wolfsverordnung (siehe Kasten) fordert regelrecht dazu auf.

 

 

 

Wolfsverordnung
Entwurf zur Diskussion
Brandenburg betritt mit der Erarbeitung einer Wolfsverordnung zum Umgang mit Problem-wölfen bundesweit Neuland. Der am 30. Mai vor Verbandsvertretern aus Naturschutz, Landwirtschaft und Jagd vorgestellte erste Entwurf einer Wolfsverordnung soll sicherstellen, dass zukünftig die Verwaltungen auf der Ebene der Kommunen, der Kreise und des Landes rechtssicher und schnell auf kritische Situationen mit der streng geschützten Tierart Wolf reagieren können. So wird beschrieben, wie verhaltensauffällige Tiere zu vertreiben und gegebenenfalls zu betäuben sind. Auch der Abschuss als letzter Stufe ist geregelt, wenn sich Wölfe aggressiv gegenüber Menschen verhalten, sich auf weniger als 30 m annähern oder wiederholt Schutzvorrichtungen überwinden und Tiere reißen.
Derzeit sind bei Auftreten von Problemwölfen die Landkreise zuständig. Sie müssen Einzelfallentscheidungen nach einem aufwendigen Verfahren treffen. Mit der Verordnung soll dies vereinfacht werden, sodass schneller gehandelt werden kann. Die Verbände haben nun einen Monat Zeit, ihre Anregungen und Bedenken zu äußern.  Danach soll es noch einmal eine Phase einer umfangreichen Prüfung geben, ehe die Verordnung ­– abschließend bearbeitet – in Kraft treten wird. Bis dahin sind weiter die Landkreise für Ausnahmegenehmigungen nach dem Artenschutzrecht zuständig.
Der Landesbauernverband hat in einer ersten Stellungnahme den Verordnungsentwurf begrüßt.  „Es ist gut, dass jetzt etwas auf dem Tisch liegt, das alle Beteiligten gemeinsam diskutieren können“, sagt Landesbauernpräsident Henrik Wendorff. Allerdings sei man mit dem Entwurf allein noch nicht am Ziel einer Regelung, die sich in der täglichen Praxis unkompliziert umsetzen lasse. 

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr