Landeskontrollverband

16.03.2018

© Wolfgang Herklotz

Gespannt verfolgten rund 130 Mitglieder und Gäste die Versammlung des Landeskontrollverbandes in der Heimvolkshochschule. In den anschließenden Vorträgen ging es um das Management der besten Betriebe und um zusätzliche Kosten für Milch aus GVO-freier Fütterung.

Das Hoch der Milchpreise war nur von kurzer Dauer. Die vor allem im Jahr 2016 erlittenen Verluste sind noch nicht ausgeglichen, schon brechen die Preise wieder zusammen. „Wenn es nicht gelingt, Bedarf und Produktion anzupassen, geht das Sterben der Milcherzeuger weiter!“ Mit diesen drastischen Worten eröffnete Fred Schulze, Vorsitzender des Landeskontrollverbandes Berlin-Brandenburg e. V., die Generalversammlung des Verbandes in der Heimvolkshochschule am Seddiner See. Vor den rund 130 Mitgliedern und Gästen machte er auf ein weiteres Problem aufmerksam, das vielen Milcherzeugern Sorge bereitet: die neue Düngeverordnung. „Ohne Übergangsregelungen ist es einfach unmöglich, sie umzusetzen!“


Der außerordentlich schwierigen Situation zum Trotz gehören Brandenburgs Milcherzeuger nach wie vor zur Spitze in Deutschland. Die Jahresleistung der A+B-Kühe beträgt 9.477 kg, was eine weitere, leichte Zunahme zum Vorjahr bedeutet. Deutschlandweit lag die Leistung bei 8.541 Milch-kg. 2017 wurden im Land rund 1,24 Mio. t Milch erzeugt, wobei der Bestand an Milchkühen um 1.400 auf aktuell 151.000 Tiere zurückgegangen ist. Wie Dr. Manfred Hammel, Geschäftsführer des Landeskontrollverbandes, auf der Generalversammlung informierte, nutzten 372 Milcherzeuger mit durchschnittlich 137.979 A+B-Kühen 2016/17 das Angebot des LKV zur Milchleistungsprüfung. „Das waren rund zwölf Prozent weniger Erzeuger beziehungsweise sechs Prozent weniger milchleistungsgeprüfte Kühe als im Vorjahr. Die Prüfdichte sank auf knapp 92 Prozent.“ Der Fettgehalt ist mit 4,02 % konstant geblieben und lag auf dem Niveau der anderen ostdeutschen Bundesländer, während der Eiweißgehalt zum Vorjahr leicht zugenommen hat (3,42 %). Die produzierte Fett- und Eiweißmenge stieg ebenfalls, und zwar auf insgesamt 705 kg.


Der in Waldsieversdorf ansässige Landeskontrollverband zählt aktuell 913 Mitglieder. Neben der Milchleistungsprüfung, die vor allem auf die Merkmale Gesundheit und Robustheit ausgerichtet ist, gehören weitere Dienstleistungen zum Angebot, so die Milcherzeugerberatung, die Futter- und Boden­untersuchung, die Kennzeichnung und Registrierung von Rindern oder die Mastitisdiagnostik. Konsequenzen für den Verband hat nicht nur der Ausstieg von Betrieben aus der Milchproduktion, sondern auch die Tatsache, dass Großlabore preisgünstigere Untersuchungen anbieten.


„Trotz sinkender Einnahmen“, das versicherte Dr. Hammel auf der Generalversammlung, „wird es für 2018 keine Erhöhung der Gebühren und Beiträge geben!“ Stattdessen orientiere der LKV ­darauf, die Dienstleistungen für die Mitglieder zu erhalten und noch zu verbessern, indem auf mehr Effektivität und Kostensenkung geachtet werde. Vorgesehen ist eine enge Kooperation mit dem Landeskontrollverband von Sachsen-Anhalt. Manfred Hammel: „Dafür gibt es gute Gründe, so die bessere Auslastung der Labore und die Nutzung von Mengeneffekten beim Einkauf. Gleichzeitig erhalten wir unsere Neutralität und Unabhängigkeit, unsere Grundwerte, unsere Regionalität und die Akzeptanz der Behörden.“ Der Geschäftsührer informierte über die nächsten Schritte (siehe Bauernzeitung Heft 11/2018, Seite 20).


Staatssekretärin Carolin Schilde vom Potsdamer Agrar- und Umweltministerium würdigte das engagierte Wirken des Landeskon­trollverbandes. Den Milchmarkt mit seinen volatilen Preisen bezeichnete sie als „große Herausforderung“, die zur Folge habe, sich krisenfest zu machen. „Aber wie?“ Ansatzpunkte für eine Stabilisierung des Sektors liegen aus Sicht der Staatssekretärin in einer engen und schlagkräftigen Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette Milch. Zugleich gehe es darum, die Lieferbeziehungen zu modernisieren und das bestehende Sicherheitsnetz zu erhöhen. „Bereits heute können wir das mit unseren Fördermöglichkeiten wie der einzelbetrieblichen Investitionsrichtlinie oder der Richtlinie zur Marktstrukturverbesserung unterstützen. Ganz wesentlich für eine Zukunft der Milch­erzeugung wird sein, das Direktzahlungssystem in der kommenden EU-Förderperiode zielorientierter auszugestalten.“ Das Zwei-Säulen-System und eine starke Erste Säule sei nach wie vor ein wichtiger Faktor, um den Landwirten Einkommen zu sichern.


Die Staatssekretärin informierte darüber, dass landesweit rund 145 Milchviehhalter vom Milchmengenreduktionsprogramm profitierten, das vom Bund in der Phase der Milchkrise aufgelegt wurde. Gezahlt wurden 2,4 Mio. € an Beihilfe. Weiterhin nahmen 227 Brandenburger Betriebe die Milchsonderbeihilfe mit einem Umfang von rund 5,5 Mio. € in Anspruch. Neben dem Milchpreisverfall sei die Branche auch von den Wettextremen betroffen. Über die Richtlinie „Widrige Witterungsverhältnisse“ werden aktuell 20 Mio. € bereitgestellt, so Schilde weiter. Über 180 Betriebe haben daraufhin einen Antrag gestellt. Allerdings war zum Zeitpunkt der Generalversammlung am Seddiner See der Nachtragshaushalt im Landtag noch nicht beschlossen.

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