Landeskontrollverband: Nachhaltig und neutral

20.03.2014

© Wolfgang Herklotz

Kurzer Austausch am Rande der Generalversammlung zwischen Udo Folgart, Fred Schulze, Jörg Vogelsänger und Manfred Hammel (v. l.). Die geplanten Satzungsänderungen fanden Zustimmung.

Alle reden von Nachhaltigkeit, die Landwirte betreiben diese mit der Züchtung! Was kann es Nachhaltigeres geben als dafür zu sorgen, dass gute genetische Eigenschaften erhalten bleiben, weitergegeben und verbessert werden?“ Mit diesen Worten eröffnete Fred Schulze, der Vorsitzende des Landeskontrollver-
bandes Brandenburg e. V., die diesjährige Generalversammlung in Blankenfelde-Mahlow.   

Schulze wies vor den rund 200 Mitgliedern und Gästen darauf hin, dass die Datenerfassung  des Verbandes Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zuchtarbeit und das Management in den Betrieben schafft. „Nicht zu verstehen ist deshalb, dass Mitarbeiter in den Bundesministerien die Förderung unserer Leistungen beenden wollten.“ In sprichwörtlich letzter Sekunde und nur durch großen Einsatz sei es gelungen, diesen Fördergrundsatz zu erhalten.

Höchste Prüfdichte in Deutschland

Von den derzeit 161 000 Milchkühen im Land, deren Zahl seit zwei Jahren erfreulicherweise wieder steigt, sind 152 700 in die Milchleistungsprüfung einbezogen. „Das entspricht einer Prüfdichte von  95,1 %, die deutschlandweit den Spitzenwert darstellt“, informierte Dr. Manfred Hammel, Geschäftsführer des Landeskontrollverbandes.  Als Beweis für eine wirtschaftliche Milchproduktion führte er hohe Einzeltierleistungen an, die im Land bei durchschnittlich 9 152 kg je Kuh und Jahr liegen, aber auch eine hohe Nutzungsdauer (33,7 Monate), eine Lebensleistung (25 418 kg) sowie eine Lebenseffektivität (13,5 kg).

Dr. Hammel äußerte sich zuversichtlich, dass es mit dem neuen Fördergrundsatz „Gesundheit und Robustheit landwirtschaftlicher Nutztiere“ gelingen wird, die Primärdatenerfassung der Milchleistungsprüfung weiter zu entwickeln.   Im Mittelpunkt stehen dabei solche Parameter und Indikatoren wie Stoffwechselstabilität, Eutergesundheit, Fruchtbarkeit und Nutzungsdauer, aber auch Erstkalbealter und Zwischenkalbezeit. Kritisch setzte sich der Geschäftsführer mit Abgangsursachen für Milchrinder auseinander. Den größten Anteil haben Eutererkrankungen (20 %), Fruchtbarkeitsstörungen (15 bis 16 %) und Erkrankungen an Klauen und Gliedmaßen (14 %).  

„Die hiesigen Betriebe haben mit dem Landeskontrollverband einen leistungsstarken Partner an ihrer Seite.“ Das betonte Agrarminister Jörg Vogelsänger. Nach einer jahrelangen „Durststrecke“ hätten die Preise wieder angezogen und damit auch der Milchauszahlungspreis  für die Erzeuger. „Die Marktaussichten sind auch weiterhin sehr vielversprechend. Kurzum: Melken macht wieder Spaß!“ Angesichts der zum 31. März 2015 auslaufenden Milchquote sollten Erzeuger und Molkereien frei über ihre Produktionsmengen entscheiden, am besten gemeinsam. „Mit angepassten Strategien gilt es auf Marktrisiken zu reagieren“, so Vogelsänger.

Superabgabe droht

Im aktuellen Milchwirtschaftsjahr sind 450 000 bis 480 000 Tonnen Milch über die Quote hinaus produziert worden. Damit droht die Gefahr der Superabgabe,  erklärte LBV-Präsident Udo Folgart, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes. „Um das zu verhindern, fordert der DBV-Fachausschuss eine Anpassung des Fettkorrekturfaktors.“ Als positiv beurteilte Folgart die Marktchancen für Milch und Milchprodukte insbesondere im Osten und Südosten Europas sowie in Asien.  Dennoch wird auch in Zukunft eine Mengenregulierung benötigt, stellte Erhard Buchholz von der  Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft mbH fest. „Die Molkereien kommen jetzt schon an ihre Kapazitätsgrenzen.“

„Tierindividueller Einfluss auf die Fruchtbarkeit – Was macht eine fruchtbare Kuh aus?“ Dieser Frage ging Dr. Anke Römer vom Institut für Tierproduktion der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern nach. In einem weiteren Vortrag ging es um die Erweiterung der Mastitisdiagnostik durch den Einsatz der Realtime PCR, vorgestellt  von Dr. Ulrike Nebel vom Landeskontrollverband  e. V.

Zuvor hatten die Mitglieder Änderungen der LKV-Satzung zugestimmt. So soll die in Waldsieversdorf ansässige Einrichtung künftig den Namen „Landeskontrollverband Berlin-Brandenburg e.V.“ tragen. In die Satzung aufgenommen wurde der neue Fördergrundsatz „Gesundheit und Robustheit“ und der Begriff „Gemeinnützigkeit“ durch „Neutralität“ ersetzt.

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