Kreisbauernverband Havelland

30.03.2015

© Wolfgang Herklotz

Geehrt wurden Udo Folgart (M)., Erhard Lücke (2. v. l.) und Gerhard Stackebrandt (2. v. r.), hier mit Landrat Burkhard Schröder (r.) und LBV-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Scherfke.

Welche Rolle spielt die Landwirtschaft im Havelland?  Immerhin bewirtschaften die mehr als 230 Betriebe rund 90 000 Hektar. Seit wenigen Wochen liegt dem Kreisbauernverband eine rund 200 Seiten umfassende Landschaftsrahmenplanung für den Landkreis vor. Bis zum Monatsende gilt es dazu eine Stellungnahme abzugeben. „Dazu sind wir natürlich bereit und haben entsprechende Kontakte aufgenommen“, so Udo Folgart, der Vorsitzende des Kreisverbands. Er verwahrte sich jedoch dagegen, dass moderne Landwirtschaft als eine „Belastung für Natur und Umwelt“ angesehen werde. Zugleich sei die Leistung dieser Betriebe bei der ökologischen Entwicklung der havelländischen Kulturlandschaft „mehr als unterbelichtet“. Es könne nicht sein, dass mit ­einem so wichtigen Wirtschaftszweig so oberflächlich umgegangen werde. „Wir werden deshalb eine klar ablehnende Position zur Landschaftsrahmenplanung einnehmen“, kündigte Folgart vor den Teilnehmern des Verbandstages am Freitag vergangener Woche in Paaren im Glien an.

 

Kritische Worte fand der Verbandsvorsitzende auch für die in diesem Jahr so komplizierte Antragstellung auf Agrarförderung. „Nicht nur der Hickhack im Vorfeld zum Dauergrünland ist aus landwirtschaftlicher Sicht ein ökonomischer und ökologischer Unsinn.“  Die festgelegte Anbaudiversifizierung, der Erhalt des Dauergrünlandes und die geforderten ökologischen Vorrangflächen auf fünf Prozent des Ackers fehlerfrei umzusetzen werde eine „riesige Herausforderung“. In der Diskussion kamen weitere Probleme zur Sprache. Sven Ballmer aus Zachow machte auf die nach wie vor unbefriedigende Situation beim Betrieb der Schöpfwerke aufmerksam. „Solange die Finanzierung nicht geklärt ist, wird sich daran nichts ändern.“  Was es bedeutet, Grünlandflächen erst ab Mitte Juni nutzen zu dürfen, zeigte Uwe Bublitz aus Wachow auf. „Wer kann da noch ordentliches Futter produzieren?“

 

Gerhard Stackebrandt aus Hohennauen ging es um die immensen Schäden, die der unter Schutz stehende Biber im Landkreis anrichtet. Auf gewohnt zugespitzte Weise  resümierte Stackebrandt: „Aber wenn unsereins mal einen Ast absägt, gibt’s gleich ’ne Cross-Compliance-Kontrolle.“  Dass eine solch große Artenvielfalt im Havelland existiert, ist auch den Landwirten zu verdanken, erwiderte Dr. Henning Kellner, zuständiger Dezernent des Landkreises. „Aber zum Schutz des Bibers gibt es Regelungen von Land, Bund und EU, gegen die auch eine Kreisverwaltung nicht verstoßen kann.“

 

Mit dem Auslaufen  der Milchquotenregelung  zum Monatsende beschäftigte sich Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes. „Wir trauern der Quote nicht hinterher, denn sie hat uns nicht vor den Preisschwankungen des Marktes geschützt.“ Allerdings brauche es nun  „gewisse Sicherheitsnetze“ für Krisenzeiten, ohne dass sich die Politik weiter in die Markt- und Mengenregulierung einmische. Mehr denn je komme es auf ein enges Zusammenwirken in der Milchbranche und das Erschließen neuer Märkte an.  Rukwied forderte angesichts der Tatsache, dass Landwirte in der Öffentlichkeit als Tierquäler und Massentierhalter verunglimpft würden, eine neue gesellschaftliche Diskussion. Der Präsident sprach sich für eine „klare Kante“ gegen die  Novelle der Düngeverordnung aus, weil sie insbesondere tierhaltenden Betrieben schade.

 

Brandenburgs Landesregierung  wird sich weiter für eine flächendeckende Landbewirtschaftung  und die gleichwertige Behandlung der verschiedenen Betriebs- und Rechtsformen einsetzen. Dazu gehört, die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete zu gewähren, so Eduard Krassa, Abteilungsleiter im Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft. Er bezeichnete die Kofinanzierung  der EU-Mittel als gesichert, mit der Genehmigung der Förderung für den Ländlichen Raum sei im Mai zu rechnen. In der „finalen Phase“ befindet sich nach Krassas Worten die Abstimmung der Richtlinie für investive Förderung mit dem Finanzministerium. Auf die Antragsmisere für die Agrarförderung 2015 angesprochen, versicherte Krassa: „Wir arbeiten fleißig daran!“ 

 

Im Bericht des Vorstands hatte Udo Folgart angekündigt, nach 24 Jahren als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes diese Aufgabe nun in jüngere Hände zu legen. Es sei in mancher Situation alles andere als ein „Zuckerschlecken“ gewesen, für bäuerliche Interessen zu streiten.  „Aber ich blicke mit Stolz auf unser gemeinsames Wirken hier im Havelland zurück“, betonte er.  Gemeinsam mit Gerhard Stackebrandt, dem stellvertretenden Vorsitzenden, und Geschäftsführer Erhard Lücke wurde er auf der Versammlung verabschiedet. Landrat Dr. Burkhard Schröder würdigte die drei als engagierte Männer der ersten Stunde. „Sie haben die berufsständische Interessenvertretung  entscheidend mitgeprägt!“ Er bescheinigte Udo Folgart, viele Akzente in all der Zeit gesetzt zu haben. Großes Engagement und Herzblut hätten auch Stackebrandt und Lücke gezeigt, Letzterer gar die Bissigkeit eines Terriers, wenn es um die Sache ging. Sehr persönliche Worte fand Detlef Wacker für Udo Folgart, der immer ein offenes Ohr für große wie kleine Probleme  gehabt habe. „Selbst wenn es an die Grenze der Belastbarkeit ging, hat  Udo nie seine freundliche Ausstrahlung verloren.“

 

An der Spitze des neu gewählten Vorstands steht Dirk Peters. Seine Stellvertreter sind Thomas Richter und Detlef Wacker.

 

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