Kontinuität und Wechsel

22.03.2016

© Wolfgang Herklotz

Der neue Vorstand: Wolfgang Scherfke, Lars Schmidt, Heiko Terno, Henrik Wendorff, Jutta Quoos, Sven Deter und Ulrich Benedix (v. l.).

Am Vortage hatte es im Potsdamer Landtag eine Anhörung gegeben. Abgeordnete des Agrarauschusses beschäftigten sich mit den Forderungen  des Aktionsbündnisses Agrarwende. Es habe ihn sehr bewegt, bei der vierstündigen Aussprache dabei zu sein, berichtete Henrik Wendorff. „Ich frage mich, wo das schlechte Bild herkommt, das Verbraucher von der Landwirtschaft und insbesondere von der Tierhaltung haben. Und ob die Bäuerinnen und Bauern, die im Stall und auf dem Feld arbeiten, nicht mehr Respekt verdienen. Fragen über Fragen!“ Diese persönlichen Worte stellte der neu gewählte Präsident des Landesbauernverbandes an den Beginn seiner Rede auf dem 10. Landesbauerntag am Donnerstag vergangener Woche in Falkenberg/Elster. Jener setzte sich nicht nur mit dem Volksbegehren gegen Massentierhaltung, sondern weiteren aktuellen Problemen auseinander. Um Maßnahmen zur Existenzsicherung ging es dabei ebenso wie um eine stabile Finanzierung der Bildungsarbeit. Wie Wendorff versicherte, sei Brandenburgs Landwirtschaft gut aufgestellt, brauche jedoch  mehr Akzeptanz und bessere Rahmenbedingungen, um erfolgreich im Wettbewerb bestehen zu können. „Wir sind Unternehmer, haben aber ein Recht auf fairen Umgang und auf Chancen, uns am Markt zu beteiligen.“


Wendorff, Biolandwirt aus Wohrin, Märkisch-Oderland, für dessen Wahl rund 90 % der  208 Delegierten des Landesbauerntages stimmten, löste Udo Folgart ab, der 13 Jahre lang an der Spitze des Verbandes stand.

 

 

Ein fester Händedruck zum Abschied: Udo Folgart wünschte seinem Nachfolger Henrik Wendorff  viel Erfolg. Am Verbandstag nahmen mehr als 300 Delegierte und Gäste teil. Vor dem Tagungsgebäude in Falkenberg waren Schlepper mit Transparenten aufgezogen.

Fotos: Wolfgang Herklotz

 

 

Als Vizepräsidenten wurden Heiko Terno aus Kümmritz, Dahme-Spreewald, und Sven Deter aus Wulkow, Ostprinitz-Ruppin, gewählt. Neu im siebenköpfigen Vorstand sind Lars Schmidt aus Lietzow, Havelland, und Ulrich Benedix, Kranepuhl, Potsdam-Mittelmark.

 

 

Die LBV-Ehrennadel erhielten Heiko Terno, Lothar Müller und Frank Neczkiewicz, Reinhard Gottschalk wurde Ehrenmitglied (v. r.).

 

 

 

 

 

 

Auf die Anhörung im Landtag ging auch Agrarminister Jörg Vogelsänger ein. Er erinnerte daran, dass bereits fünf von sieben Forderungen des Volksbegehrens erfüllt sind. „Wir werden weiter in Tierwohl investieren. Aber eine Verbandsklage brauchen wir nicht!“  Der Entschließungsantrag des Landesbauerntages bestärke ihn angesichts der bevorstehenden Verhandlungen im Rahmen der Agrarministerkonferenz. Nötig sei zugleich eine stärkere Unterstützung aus Brüssel. Zustimmung  erntete der Minister auch für seine Prognose: „Brandenburg wird nicht zum Biogarten von Berlin werden, sondern ein Land mit starker Landwirtschaft bleiben!“


Es ist schwierig, in solch einer für die Landwirtschaft komplizierten Situation Mut zu machen. Aber der Deutsche Bauernverband unternimmt alles, um die Lage zu verbessern, versicherte Präsident Joachim Rukwied. „Wir können zwar nicht die Preise anheben, aber intensive Gespräche mit der Politik und dem Handel führen. Wertschätzung der Landwirtschaft muss sich auch in höherer Wertschöpfung niederschlagen.“ Rukwied forderte eine Normalisierung der Handelsbeziehungen mit Russland, ein wichtiger Punkt sei zudem die Vertragsgestaltung zwischen Landwirten und Molkereien. Der DBV-Präsident sprach sich zudem für weitere Liquiditätshilfen aus. „Das Geld, das an Brüssel gezahlt wurde, muss an die Höfe in Deutschland zurückfließen!“


In seiner Laudatio würdigte Ex-DBV-Präsident Gerd Sonnleitner das Engagement Udo Folgarts, der nun dem Landesbauernverband als Ehrenpräsident vorsteht. Mit Ausdauer, Zähigkeit und großer Menschenkenntnis, aber auch preußischer Disziplin habe Folgart auch als „Milchpräsident“ beim Deutschen Bauernverband für eine erfolgreiche berufsständische Interessenvertretung gesorgt. „Udo Folgart ist nicht nur ein begnadeter Netzwerker. Er hat zugleich die Fähigkeit, unterschiedliche Positionen zusammenzuführen!“

 

Verbandsforderungen
Liquidität sichern an erster Stelle


Die Marktsituation für viele Agrarprodukte ist gegenwärtig äußerst angespannt. Die niedrigen Erzeugerpreise stellen eine extreme Herausforderung für die Landwirtschaftsbetriebe und deren Liquidität dar. Sie sind nicht nur  existenzbedrohend, sondern existenzzerstörend. Deshalb verständigte sich der Landesbauerntag in Falkenberg auf ein Paket von aktuellen Maßnahmen. Hier die dringlichsten Forderungen:
1. Programm zur Existenzsicherung der landwirtschaftlichen Betriebe durch Liquiditätshilfen und Bürgschaften,
2. Beitragsentlastung bei der Sozialversicherung durch Zuschüsse,
3. Freibetrag für die Schuldentilgung,
4. Möglichkeit zur steuerfreien Riskoausgleichsrücklage,
5. Stundung von Pachtzahlungen und Grundsteuern,
6. zügige Auszahlung der Mittel für Agrarumweltleistungen und Investitionsförderung,
7. wirksame Initiativen zur Absatzförderung,
8. Einsatz von Exportkrediten und Bürgschaften zur Belebung des Absatzes und Beendigung der Handelssanktionen beziehungsweise des Russlandembargos,
9. Beendigung des Preisdumpings und Begrenzung der Marktmacht des Lebensmittel­einzelhandels,
10. neue Vertragsgestaltung  zwischen Molkereien und Milcherzeugern.

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