Knollen mit viel Kraut

31.08.2015

© Wolfgang Herklotz

Voller Einsatz: Ulf Hofferbert (l.) hatte den rund 80 Teilnehmern des Kartoffeltages eine Menge zu zeigen und zu erzählen.

Die Bedingungen für den Kartoffelanbau waren in diesem Jahr alles andere als optimal. In den Monaten Mai und Juni war es relativ kühl und trocken, was ein nur langsames Auflaufen der Bestände bewirkte. Durch die Hitze gab es kaum Zuwachs bei den Knollen, in den letzten regenreichen Tagen dafür umso mehr beim Kraut. Überdies muss jetzt mit starkem Pilzbefall gerechnet werden. Wie steht es um die Ertragserwartungen, wie um die Vermarktungschancen? Wie werden sich die Preise entwickeln? Diese Fragen stehen für die Anbauer derzeit ganz obenan. Antworten darauf erhofften sie sich vom jüngsten Kartoffeltag Mitte vergangener Woche in Oehna.


Dieser, veranstaltet von der Oehnaland Agrargesellschaft mbH, der EUROPLANT Pflanzenzucht GmbH und der Erzeugergemeinschaft Niederlausitzer Stärkekartoffel e. V., erfreut sich traditionell regen Zuspruchs. Mehr als 80 Teilnehmer hatten sich an dem großen Schlag zwischen Oehna und Rohrbeck eingefunden, um aktuelle Informationen zum Marktgeschehen und zur Kampagne ebenso zu bekommen wie Hinweise zur Ernte und zu neuen Stärke- sowie Speisesorten.
Der Kartoffelanbau ist in der EU auf rund 1,6 Millionen Hektar leicht zurückgegangen, analog dazu die Entwicklung in Deutschland, wo 242 000 Hektar unter Kultur stehen. Für die fünf wichtigen Anbauländer Großbritannien, Frankreich, Belgien, Niederlande und Deutschland wird mit einer Ernte von rund 25 Millionen Tonnen gerechnet. Das sind rund zwölf Prozent weniger als 2014/15, machte Ulf Hofferbert, Prokurist der in Lüneburg ansässigen EUROPLANT Pflanzenzucht GmbH, deutlich. „In Europa ist wesentlich mehr Ware in Verträgen gebunden worden und damit deutlich weniger für den Markt frei verfügbar.“ Grund dafür seien die schwachen Preise der Vorjahressaison und das Verlangen nach mehr Absicherung.


Bei der Ernte auf dem Versuchsfeld rechnet Hofferbert zurzeit mit einem durchschnittlichen Ertrag der Stärkekartoffeln von 433 Dezitonnen je Hektar bei einem Gehalt von 20,4 % Stärke. „Das entspricht etwa den Ergebnissen von 2012 und ist ein leicht unterdurchschnittlicher Ertrag aufgrund des fehlenden Julizuwachses.“ Lediglich bei den späten Sorten könne bei günstiger Witterung  noch mit  einem Zuwachs gerechnet werden. Die Anstrengungen sollten sich nun darauf konzentrieren, die Stärkekartoffeln gesund zu halten. „Beobachten Sie genau die Witterung und richten Sie weitere Fungizidmaßnahmen darauf aus. Seien Sie auf der Hut; wenn es nach den Regenfällen wieder zu einem Anstieg der Temperaturen kommen sollte, brauchen die Kartoffeln schnell wieder Wasser! Jetzt darf das Wachstum nicht mehr ins Stocken geraten. Bedenken Sie, dass es durch Zweitwachstum und Auskeimung im Damm Probleme bei der Lagerung geben könnte“, so Hofferbert. Er rechne nur mit einem weiteren leichten Rückgang der Preise für Speisekartoffeln auf 12 bis 15 Euro je Dezitonne, was durchaus erfreulich wäre!


Im Bereich der Erzeugergemeinschaft geht man in diesem Jahr von durchschnittlichen Erträgen, jedoch von guten bis sehr guten Stärkewerten aus, machte Bernd Thiele deutlich. „Das heißt, wir können mit einem guten Grundpreis rechnen.“ Als vorteilhaft erweise sich, dass ein Teil der Überlieferung aus dem Vorjahr auf die aktuelle Vertragserfüllung angerechnet werde. „Das nimmt den Druck von vielen unserer Betriebe.“ Die Erzeugergemeinschaft, der mehr als zwei Dutzend Anbauer aus Bran-denburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt angehören, ist Hauptlieferant für die Stärkefabrik in Golßen. „Das soll auch so bleiben“, unterstrich Thiele.


Während die Fabrik in Kyritz am 17. August mit der diesjährigen Verarbeitung begann, war der Saisonstart in Golßen Mitte dieser Woche. Der Stärkegehalt liege derzeit bei 19,1 %, bei einem Besatz von 3,7 %, informierte Holger Hanke von der Emslandstärke GmbH. Entgegen manchen Befürchtungen sei der Preis für Kartoffelstärke am Weltmarkt nicht durchgesackt. „Wir haben großes Interesse daran, den Anbau und die Verarbeitung von Stärkekartoffeln auszudehnen und wollen gerade in dieser Region weiter wachsen“, versicherte Hanke.

 

Botrytis bereitet Sorgen


Inzwischen sind Betriebe vor allem aus dem Bereich des Gemüseanbaus  neu hinzugekommen, die über eine Beregnung verfügen und die Produktion von Stärkeknollen für sich entdeckt haben. Dagegen gehört die in der Gemeinde Niedergörsdorf ansässige Oehnaland Agrargesellschaft zu den traditionellen Erzeugern und noch dazu zu den größten landesweit. Auf rund 574 Hektar werden hier Stärke- und Speisekartoffeln angebaut. Die Rodungen haben inzwischen begonnen, berichtete Eckhard Fuchs. „Mit der Qualität sind wir zufrieden. Allerdings haben wir massiv mit Botrytis zu tun.“ Bewährt habe sich, eine Kombination der Fungizide Signum und Shirlan zu spritzen. So manch praktische Erfahrung wurde dann auf dem Feld noch ausgetauscht, während Ergebnisse der Proberodungen und neue Sorten begutachtet werden konnten.

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