Kahlfraß durch Kiefernspinner

24.07.2014

© Sabine Rübensaat

Kiefernwald

Trotz einer vor einigen Monaten erfolgten, sicheren Prognose durch Waldschutzexperten des Landesbetriebs Forst Brandenburg sind beträchtliche Flächen in den Gebieten Lieberoser und Reicherskreuzer Heide durch Kiefernspinner kahl gefressen worden. Grund dafür ist eine Bestimmung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Danach ist es generell verboten, Pflanzenschutzmittel in Naturschutzgebieten einzusetzen. Diese Auflage bedeutet nicht nur wirtschaftliche Schäden für Waldbesitzer, sondern auch eine Entwaldung großer Flächen.

Wie das Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft weiter mitteilt, sind der immer noch hohe Anteil gleichaltriger Kiefernreinbestände, geringe Niederschläge und arme Sandböden die Hauptursachen für die regelmäßig wiederkehrenden Schädlingsinvasionen. Mit einem bewährten Monitoring erfasst deshalb der Landesbetrieb Forst Brandenburg die Schädlingsdichten und erstellt eine Prognose für die Gefährdung der Wälder. Ziel ist die Minimierung und teilflächengenaue Anwendung von Insekti­ziden zur Verhinderung groß­flächiger Waldverluste. Im Ergebnis der intensiven Überwachung von Nonne und Kiefernspinner war schon seit 2012 eine zunehmende Gefährdung für die Folgejahre vorausgesagt worden. Der Einsatz von Insektiziden aus der Luft ist dann oft die einzige Möglichkeit, um größere Schäden zu verhindern.

Eine Bekämpfung der Schadinsekten darf nur mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel erfolgen. Für die Zulassung oder Genehmigung ist das BVL zuständig. Der Genehmigungsbescheid, den das BVL für die diesjährige Befliegung erteilte, schloss die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in Naturschutzgebieten generell aus. Damit war es den Akteuren vor Ort nicht mehr möglich eine Abwägung zwischen dem Walderhalt und den eventuellen Auswirkungen des Pflanzenschutzmittels auf den Naturhaushalt vorzunehmen. So konnten in mehreren Naturschutzgebieten auf einer Fläche von insgesamt 1 400 Hektar trotz akuter Gefährdung des Waldes die Schadinsekten nicht bekämpft werden.

Tausende und Abertausende Raupen von Kiefernspinner sowie Nonne haben die Nadeln in den Baumkronen und auch der jungen Bäume gefressen und sind jetzt auf der Suche nach letztem Grün. Da beim Fraß des Kiefernspinners weder Nadeln, Knospen noch Maitriebe verschont werden, sind diese Wälder stark existenzgefährdet. Die Raupen des Kiefernspinners werden in benachbarte Kiefernbestände einwandern und sich im nächsten Jahr dort weitervermehren. Die Nonnenraupen fressen auch Nadeln und Blätter anderer Bäume und Sträucher, was in einem Kiefernreinbestand zu weiterer Strukturverarmung führt. Die Regeneration kahl gefressener Kiefern ist in hohem Maße von der Witterung im Sommer der nachfolgenden Jahre abhängig. Ein Dürresommer in diesem oder nächstem Jahr kann zum flächigen Absterben der Kiefern führen. Die überlebenden, aber geschwächten Bäume werden dann oft Opfer von holz- und rindenbrütenden Insekten.

Gegen die Kiefernschädlinge Nonne und Kiefernspinner wurden im Frühjahr vor allem in den südlichen Landesteilen auf 10 400 Hektar Pflanzenschutzmittel aus der Luft ausgebracht. Die Kontrollen zeigen, dass auf den behandelten Flächen ein Kahlfraß und damit auch ein Absterben der Bestände verhindert werden konnte.

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