Graue Räuber immer dreister

20.12.2016

© Sabine Rübensaat

Isegrim macht Beute: In diesem Jahr wurden bisher 174 Risse registriert.

Die Population der grauen Räuber wächst, und Brandenburgs Tierhalter leiden unter den Folgen: Weil die Anzahl der Wölfe jedes Jahr um 30 % wächst, müssen Halter immer häufiger gerissene Schafe oder Rinder hinnehmen. So wurden 2015 in Brandenburg insgesamt 97 von Wölfen angefallene Tiere erfasst. Im laufenden Jahr hat sich die Zahl mit bisher 174 registrierten Rissen fast verdoppelt. Vor diesem Hintergrund fordert der Landesbauernverband von der Landesregierung:
▪ vollständige Kostenübernahme für Schutz der Tiere,
▪ vollständige Kostenübernahme aller wolfsbedingten Schäden,
▪ klare, unbürokratische und rechtssichere Regelungen für den Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen.

 

Anblick nur schwer zu ertragen


„Wir Landwirte lieben unsere Tiere“, sagt der Präsident des Landesbauernverbandes, Henrik Wendorff, zu den Forderungen. „Der Anblick gerissener Schafe und Kühe ist nur schwer zu ertragen. Und wenn nur jeder zweite an die Landesverwaltung gemeldete Schadensfall überhaupt entschädigt wird, und dann auch nur zu 80 Prozent des Wertes, entzieht man uns Tierhaltern langsam aber sicher die Existenzgrundlage.“ Denn wer würde noch Kälber, Lämmer oder Fohlen großziehen wollen, wenn es nur für die Wölfe wäre, so Wendorff weiter.


Vor diesem Hintergrund sei die Kostenübernahme für Präventionsmaßnahmen wie Zäune und Herdenschutzhunde sowie Entschädigungen für Folgen aus Wolfs­attacken wie Herdenausbrüche, Verkalbungen und Wildunfälle ein wichtiges Zeichen in Richtung Landwirtschaft.


Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Potsdam-Mittelmark, Jens Schreinicke, ergänzt: „Durch die Wölfe ist nicht nur die Weidetierhaltung in Gefahr und damit die Pflege unserer Kulturlandschaft, sondern auch die in Brandenburg weit verbreitete Hobbytierhaltung, die bisher bei Prävention und Entschädigungen überhaupt nicht berücksichtigt wird.“ Für die Erhaltung vieler seltener Arten von beispielsweise Ziegen oder Schafen seien die Hobbytierhalter jedoch immens wichtig. Henrik Wendorff und Jens Schreinicke halten auf ihren Betrieben selber Weidetiere.


Für die Tierhalter in Brandenburg sind besonders Regeln für den Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen dringend erforderlich. „Wenn sich ein Wolf wiederholt Weidetieren nähert, sie gefährdet und sich dabei auch nicht von getroffenen Schutzvorkehrungen aufhalten lässt, dann muss es verbindliche Maßnahmen geben, die schnell und unbürokratisch zum Schutz ergriffen werden“, sagt Landesbauernpräsident Henrik Wendorff.

 

Weiterhin für einen sachlichen Dialog


Der Landesbauernverband begrüßt ausdrücklich die vom Minister für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg, Jörg Vogelsänger, angedachten Maßnahmen zum besseren Schutz der Weidetiere. So will der Minister im kommenden Jahr unter anderem das Budget für Entschädigungszahlungen aufstocken und den aktuellen Wolfsmanagementplan evaluieren lassen. „Wir sehen, dass Minister Vogelsänger an Lösungen für unsere Probleme arbeitet“, sagt Henrik Wendorff. „Wir werden uns gern weiter für einen sachlichen Dialog, der sich an Fakten orientiert und mit allen Betroffenen geführt wird, einsetzen.“ Der Landesbauernpräsident verbindet mit dem am 14. Dezember tagenden Wolfsplenum die Hoffnung, dass in den folgenden Diskussionen der sogenannte günstige Erhaltungszustand und die damit verbundene Populationsgröße offen thematisiert werden können.

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