Generalversammlung des Rinderzuchtverbandes Berlin-Brandenburg

17.04.2014

© Wolfgang Herklotz

Die Mitglieder stimmten Änderungen in Satzung und Zuchtbuchordnung zu.

Die Marktbedingungen zum Beginn des vergangenen Jahres waren alles andere als rosig. Kostendeckend Milch zu produzieren schien unmöglich, die Getreidepreise begannen zu bröckeln. Dafür machte es dann zum Jahresende endlich wieder Spaß, auf die Milchabrechnung zu schauen. „Inzwischen haben sich die Preise auch für Rindfleisch und für Absetzer erholt und die Bedingungen für den Zuchtviehhandel verbessert.“ Dies stellte Hellmuth Riestock, Vorstandsvorsitzender des Rinderzuchtverbandes Berlin-Brandenburg eG auf der Generalversammlung in Götz fest. In seinem Bericht zur Lage der Rinderproduktion wies er auf die positive Grundstimmung im Land hin, die sich in einer gestiegenen Investitionsbereitschaft widerspiegelt. „Leider sorgen die weiter gestiegenen Produktionskosten und Preise für Pacht sowie Bodenkauf  dafür, dass sich die Erzeugung von Milch und Fleisch verteuert.“ Kritisch setzte sich Riestock auch mit der Brüsseler Agrarreform auseinander. „Obwohl Fragen wie die des Greenings und der Mittelumschichtung noch offen sind, so steht doch jetzt schon fest, dass wir Tierproduzenten bestraft werden.“

Zur Überraschung der mehr als 100 Mitglieder und Gäste im Saal richtete der Vorstandsvorsitzende milde Worte an den anwesenden  Minister. „Wir fühlen uns mittlerweile im Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft gut aufgehoben, haben aber eine Bitte: Sorgen Sie dafür, dass nach den Wahlen der Bereich Veterinärwesen wieder der Landwirtschaft zugeordnet wird.“ Denn dieses Ressort ging mit dem Neuzuschnitt der Ministerien in den Zuständigkeitsbereich des Umwelt- und Verbraucherschutzministeriums. Darauf ging Minister Vogelsänger nicht ein, wohl aber auf das „Wunder von München“. Die deutschen Agrarminister hätten dort einen vernünftigen Kompromiss ohne Degression und Kappung erzielt, der zudem sichere, dass 85 % der bisherigen Fördermittel weiter für den Bereich Landwirtschaft und ländliche Entwicklung zur Verfügung stehen.  „Trotz öffentlicher Diskussion werden wir weiter Investitionen in die Tierproduktion fördern.“ Die aktuelle Debatte um das Tierwohl  sei eine Chance, um mit den Verbrauchern ins Gespräch zu kommen. Brandenburg biete gute Voraussetzungen für eine umweltverträgliche Produktion. „Investitionen in die moderne Tierhaltung sind immer auch Investitionen in das Tierwohl.“ Nach dem aktuellen Stand können im vierten Quartal wieder Anträge für die Investitionsförderrichtlinie gestellt werden.

Vogelsänger machte auf den niedrigen Viehbestand in Brandenburg aufmerksam, der mit 0,41 Großvieheinheiten pro Hektar nur knapp die Hälfte des bundesdeutschen Durchschnitts ausmache. Obwohl das Land mit 9 152 kg Milch je Kuh und Jahr die drittbeste Leistung aller Bundesländer erziele, liege der Selbstversorgungsgrad bei Milch für Brandenburg und Berlin  nur bei 70 %.  

Im Bericht des Vorstands des Rinderzuchtverbandes konnte  Bernd Adler  darauf verweisen, dass die Zahl der Mitglieder mit 772 stabil geblieben ist. Der Verband nahm an verschiedenen Zuchtveranstaltungen wie der DHV-Schau 2013 in Oldenburg erfolgreich teil und setzte beim „Blickpunkt Rind 2013“ mit den Nachzuchten von Lonar und Samburu wichtige Akzente. „Unsere RBB-Vererber Guarini, Suran und Lonar gehören zu den zehn meistverkauften Bullen in Deutschland“, berichtete Bernd Adler. Ein Beleg für erfolgreiche Zuchtarbeit ist auch die Tatsache, dass es mittlerweile fast 500 Milchkühe mit einer Leistung von 100 000 kg gibt und einige sogar auf die 150 000 kg zusteuern. Wie die Auswertung ergab, haben große Betriebe mit mehr als 500 Kühen die höheren Lebensleistungen. Die Stabilisierung der Herdbuchbestände, eine hohe Auslastung des  Vermarktungszentrums in Groß Kreutz sowie die Nachwuchssicherung bezeichnete Detlef Schulze vom Aufsichtsrat als Schwerpunkte für ein erfolgreiches Jahr 2014.

Sorgen bereitet den Züchtern nicht nur die neue Regelung im Tiergesundheitsgesetz, wonach die Betriebe im Seuchenfall  selbst für die Keulung und Entsorgung des Bestandes sorgen müssen. Strittige Punkte sind zugleich der Einsatz von Gentechnik und das Freihandelsabkommen. „Die Bundesregierung hat sich bei der jüngsten Abstimmung zur Gentechnik in Europa der Stimme enthalten. Das kommt einer Zustimmung gleich“, kritisierte Züchter Manfred Knaut aus Biesen und warnte zugleich davor, dass künftig hormonbelastetes Fleisch auf den Markt komme.

Nachdem die Mitglieder den Vorstand und Aufsichtsrat des Rinderzuchtverbandes entlastet hatten, stimmten sie über Änderungen in der Satzung sowie in den Zuchtbuchordnungen ab. Als Schwerpunkt der züchterischen Arbeit wird nun die Verbesserung der Gesundheit und Robustheit der Milch- und Zweinutzungs- sowie Fleischrinder bezeichnet. Zudem erstreckt sich der Zuständigkeitsbereich des Zuchtverbandes neben den  Bundesländern Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt (Altkreis Jessen) künftig auch auf die Republik Polen.  Am Nachmittag standen Vorträge zur genomischen Selektion bei Milchrindern und zu Arbeitsabläufen in Milchviehbetrieben auf dem Programm. Zuvor wurden erfolgreiche Zuchtbetriebe ausgezeichnet. Im Bereich Milchrindzucht waren das die Agrargenossenschaft „Fiener Bruch“ eG aus Rogäsen, die Jürgen und Manfred Dörries GbR aus Flatow und die Agrargenossenschaft Ranzig eG sowie der Landwirtschaftsbetrieb Dirk Berndt aus Schwedt (Fleischrindzucht).


Geehrt: Reinhard Schlieper, Bernd Gericke, Jürgen Dörries und Dirk Berndt nahmen die Glückwünsche von Hellmuth Riestock und Detlef Schulze (v. l.) entgegen.

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