Geflügelwirtschaft

05.10.2017

© Sabine Rübensaat

Im Herbst 2016 wurden die ersten Infektionen von Hausgeflügelbeständen mit dem AI-Virus bekannt. Das Geschehen zog sich bis in den April dieses Jahres hin und betraf nicht nur Geflügelhalter in Deutschland, sondern in ganz Europa.“ Das hob Anette Gensch, Vorsitzende des GWV Brandenburg, anlässlich der Mitgliederversammlung am 12. September in Seddin hervor. Die Erzeuger von Freilandeiern hätten aufgrund der extrem langen Aufstallungsphase Probleme bekommen, da sie ihre Eier nach Ablauf der Zwölf-Wochen-Frist als Bodenhaltungseier hätten vermarkten müssen. „Erwähnen möchte ich auch, dass die Umsetzung des aufgrund der Aviären Influenza verhängten Aufstallungsgebots vor allem für Gänsehalter schwierig war, denn sie verfügen zumeist nicht über ausreichende Stallkapazitäten“, führte Gensch weiter aus.


In dieser besonderen Situation habe sich gezeigt, wie wichtig es gewesen sei, die Position des Landestierarztes wieder zu besetzen. „In seiner ruhigen und bestimmten Art hat Dr. Stephan Nickisch, unser neuer Landestierarzt, die notwendigen Maßnahmen koordiniert und dafür Sorge getragen, dass die betroffenen Tierhalter die Entschädigungszahlungen zeitnah erhielten“, zeigte sich Gensch zufrieden und ergänzte, dass Nickisch auch dazu beigetragen habe, die Beitragsordnung der Tierseuchenkasse so zu modifizieren, dass alle Beteiligten damit leben könnten. Ziel sei es, die Geflügelkasse wieder auf das gesetzlich vorgeschriebene Niveau aufzufüllen, nachdem aufgrund der AI viel Geld entnommen worden sei.


Nachdem diese sorgenvolle Zeit vorüber gewesen sei, sei bei den Geflügelhaltern endlich wieder Ruhe eingekehrt. Bei den Eiererzeugern sei es Ende Juli damit jedoch schon wieder vorbei gewesen: „Fipronil ging durch alle Medien, eine ganze Branche wurde unverschuldet an den Pranger gestellt, und die Auslieferung von Eiern kam fast gänzlich zum Erliegen. Davon betroffen waren zum allergrößten Teil nachgewiesenermaßen unbelastete Eier.“ Wie Gensch betonte, sei der wirtschaftliche Schaden immens und hätte so nicht auftreten müssen. Legehennenhalter und Packstellen seien Opfer krimineller Machenschaften geworden und teilweise wie Täter behandelt worden, schildert die Vorsitzende die Auswirkungen auf die Branche.


Als nicht zu unterschätzende Aufgabe bezeichnete Gensch den Tierschutzplan Brandenburg, an dessen Erarbeitung sich viele Mitglieder aktiv beteiligen. „Ich danke allen Teilnehmern der diversen Gremien und Arbeitsgruppen, denn sie investieren hierfür viel Zeit und sehr viel Geduld.“

 

BraLa als Plattform für den Dialog


Einen besonderen Dank richtete die Vorsitzende an diejenigen Mitglieder und Sponsoren, die sich an der BraLa, der Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung in Paaren, beteiligt hätten. „Die BraLa ist eine wichtige Dialogplattform für uns. Wir haben viele Gespräche geführt und konnten bei manchem Verbraucher Wissenslücken schließen oder Vorurteile gegenüber der Geflügelhaltung abbauen.“ Der neugestaltete Messestand des Verbandes sei gut angekommen und werde auch in den nächsten Jahren wertvolle Dienste bei dieser Form der Öffentlichkeitsarbeit leisten.


Abschließend stellte Gensch eine besondere Unterstützung  für die Mitgliedsbetriebe in Aussicht: „Sie leisten jeden Tag hervorragende Arbeit. Damit Sie auch für künftige Herausforderungen gewappnet sind, wird der Verband ihre Schulungs- und Weiterbildungsaktivitäten unterstützen.“
Das Thema Aviäre Influenza griff auch Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft, in seinem Grußwort auf. „Wir sind noch nicht durch. Das Virus kommt nicht erst mit den Zugvögeln wieder nach Deutschland, sondern es ist schon hier. Zwar sind wild lebende Wasservögel die natürlichen Reservoire der AI-Viren, aber sie sind inzwischen beispielsweise auch bei Greifvögeln nachgewiesen worden.“ Deshalb gehe das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) von einer fortlaufenden Viruspräsenz in Wasservögeln und – in Form toter infizierter Vögel – in der Umwelt aus.

 

Mehr Augenmaß erforderlich


Wie Ripke hervorhob, habe die Branche das AI-Geschehen intensiv aufgearbeitet. Die Ergebnisse seien in ein Positionspapier eingeflossen. Damit seien konkrete Maßnahmen für eine noch effektivere Biosicherheit in  Geflügel haltenden Betrieben auf den Weg gebracht worden. An der Umsetzung der dort festgehaltenen Aspekte werde intensiv gearbeitet.


Als weiterhin wichtig erachtet Ripke in diesem Zusammenhang das Wildvogelmonitoring, dessen Ergebnisse eine Einschätzung des Infektionsdrucks erlaubten. Allerdings fordere die Geflügelwirtschaft hierbei, dass nicht um jeden infizierten Wildvogel eine Restriktionszone eingerichtet werde. Hier sei mehr Augenmaß erforderlich, damit den Betrieben ihre Arbeit nicht unnötig schwer gemacht werde.


Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts handelt es sich bei dem Geflügelpestgeschehen 2016/2017 um das bisher schwerste und am längsten andauernde in Europa. Insgesamt 29 europäische Staaten waren oder sind betroffen. Einen Rückblick auf das AI-Geschehen 2016/2017 in Brandenburg präsentierte Dr. Kerstin Albrecht vom Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit des Landes Brandenburg. „Von den elf Ausbrüchen in Brandenburg waren in sieben Fällen Enten- und in zwei Fällen Putenbetriebe betroffen. Hinzu kommen zwei Ausbrüche in Tierparks“, berichtete Albrecht. Sie sei bei den meisten Ausbrüchen vor Ort gewesen, und man habe versucht, die Eintragswege des Virus in die Bestände nachzuvollziehen.


Als Risikofaktoren benannte Albrecht u. a.
- verschmutzte Dungplatten oder -lager auf dem Betriebsgelände oder in der Nähe des Betriebs, alte Strohballen sowie Futterreste auf dem Betrieb, die Wildtiere und -vögel anziehen,

- defekte Zäune,

- Mitarbeiterfahrzeuge, wenn sie bis vor den Stall fahren,

- mit Stroh beladene Anhänger, die nicht abgedeckt sind, und nicht geschlossene Strohlager.

 

Biosicherheit ganz obenan


Bei der Überprüfung der Biosicherheit sei auch die Gasanlieferung mit einzubeziehen. Albrecht: „Die Gaslieferfahrzeuge fahren von Betrieb zu Betrieb, und die Mitarbeiter müssen ihre mitgebrachte Brandschutzkleidung tragen. Gerade solche Details sind zu bedenken, und wir müssen auch hierfür Lösungen im Sinne einer Verbesserung der Biosicherheit finden.“ Ebenfalls sicherzustellen sei, dass die Desinfektion der Fahrzeuge funktioniere. Das umfasse nicht nur die Auswahl geeigneter Desinfektionsmittel – Stichwort Kältefehler –, sondern auch die Funktionstüchtigkeit der Ausbringtechnik. Die Betriebsleiter müssten dafür sorgen, dass es mit der Desinfektion selbst bei Frost keine Probleme gebe.


„Binden Sie auch Nebengebäude und deren Umfeld in das Biosicherheitskonzept mit ein. Und prüfen Sie, ob die Ställe tatsächlich gegen das Eindringen von Schadnagern geschützt sind“, riet Albrecht außerdem. Was die Schadnagerbekämpfung angehe, müsse diese auch dann konsequent weitergeführt werden, wenn das damit beauftragte externe Unternehmen aus Gründen der Biosicherheit vorübergehend nicht auf den Betrieb kommen dürfe. „Denn „das Risiko eines Vireneintrags über Schadnager wird als mittel bis hoch eingeschätzt“, betonte Albrecht.

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