Geflügelpest: Stallpflicht trifft Direktvermarkter

24.11.2016

Stall © Thomas Bein

Karin Schlegel aus Klein Gottschow ist sauer. Die Stallpflicht für ihr Geflügel kommt für sie nicht wirklich überraschend, doch einen Sinn kann sie darin nicht erkennen. „Hier bei uns, mitten in der Prignitz, rasten keine Zugvögel. Das mag an der Elbe anders sein, da wäre eine Stallpflicht dann vielleicht auch sinnvoll. Doch hier mitten auf dem platten Land halte ich das für sehr fragwürdig“, sagt  Karin Schlegel.


Noch schnattern 170 Gänse auf ihrem Hof, zu dem 300 Enten, 100 Broiler und 200 Legehennen gehören – noch. Denn im Moment ist Hochbetrieb im Schlachtraum. „Wir versuchen, so viel Tiere wie möglich jetzt schon zu vermarkten. Aber das wird schwierig. Denn wer kann sich schon eine sechs Kilogramm schwere Gans einfach so ins Gefrierfach legen?“


Außerdem, so die Landwirtin, wollen die meisten Kunden ihre Gans frisch zum Weihnachtsfest. Übers Jahr sind bei ihr etwa 1 500 Tiere auf dem Hof. Sie legt Wert auf artgerechte Haltung im Freiland. Vor allem das Wassergeflügel, also die Enten und die Gänse, haben nach ihrer Einschätzung mit der Stallpflicht schwer zu kämpfen. Sie brauchen die Wiese, das Gras und die Bewegung.

 

Mit artgerechter Haltung nichts zu tun


„Im Stall gibt es  alle Hände voll zu tun,  um zu füttern, Wasser zu geben und den Stall wieder trocken zu bekommen. Mit artgerechter Haltung und dem, was ich meinen Kunden zusichere und vor allem auch was die Kunden mit Recht erwarten, hat das nichts mehr zu tun“, sagt Karin Schlegel, während sie weitere Enten aus der Rupfmaschine holt. Zumal man keinen Stall und kein Gehege, das nur als vorübergehender Notbehelf dient, so dicht bekomme, dass kein Spatz mehr hinein gelange.


Mit der Stallpflicht für das Geflügel wurde auch der Adventsmarkt auf dem Hof abgesagt. „Wir können in dieser Situation nicht so viele Leute auf den Hof lassen. Doch was mache ich jetzt mit den Gänsen, die bereits geschlachtet und zerlegt sind?“


Dabei wirkt die Tierhalterin nicht unbedingt hilflos, denn in den letzten Jahren wurden Überdachungen gebaut, um genau für diese Fälle gewappnet zu sein und die Tiere einsperren zu können. Dennoch ist die Landwirtin skeptisch.  „Es gab ja in Brandenburg noch nicht einen Fall der Vogelgrippe in diesem Jahr. Und selbst wenn mal einige Tiere sterben, dann ist das eben so, so was gab es in der Natur schon immer. Probleme damit haben doch nur die großen industriellen Betriebe, aber alle anderen und auch die vielen Kleintierhalter  und eben deren Tiere müssen darunter leiden. Karin Schlegel wünscht sich regionalere Lösungen und Auflagen, aber keine pauschal über das ganze Land verhängten Aufstallungsgebote, ohne Rücksicht auf die wirklichen Gegebenheiten vor Ort zu nehmen.

 

 

 

Auch Jäger sollten aufmerksam sein
Der Landesjagdverband Brandenburg e. V. bittet die Brandenburger Jäger um besondere Aufmerksamkeit bei ihren Reviergängen. Die akute Form der Geflügelpest äußert sich in Zeichen allgemeiner Schwäche, wie Apathie und einem stumpfen, struppigen Federkleid. Zudem leiden erkrankte Vögel an hohem Fieber, erschwerter Atmung mit geöffnetem Schnabel, Ödemen an Kopf, Hals, Kamm, Kehllappen, Beinen und Füßen. Häufig treten eine Blauverfärbung der Haut und der Schleimhäute sowie Durchfall und neurologische Störungen (sonderbare Haltung des Kopfes, Störungen der Motorik) auf. 
„Die Geflügelpest ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Jäger, die genannte Symptome beobachten oder mehrere verendete Wildvögel auffinden, informieren deshalb unbedingt die Veterinärbehörde. Verendetes oder sichtbar krankes Wild keinesfalls ohne Schutzhandschuhe berühren. Panik sollte jedoch unbedingt vermieden werden. Der Erreger H5N8 gilt für Menschen als ungefährlich.“, erklärt Dr. Petra Scheller, Tierseuchenexpertin und Präsidiumsmitglied des Verbandes.

 

 

 

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