Gefahr im Verzug

14.12.2016

© Wolfgang Herklotz

Kein Mann der Panikmache, aber mehr als beunruhigt: Landwirt Dorsten Höhne.

Immer häufiger wird der Fund von Wildvögeln gemeldet, die sich mit dem H5N8-Virus infiziert haben. Die Angst vor der Ausbreitung der Vogelgrippe geht landesweit um. Doch in Sorge sind nicht nur die Betriebe mit Geflügelhaltung.  „Wir müssen auch mit einem Ausbruch  anderer Seuchen wie der Afrikanischen Schweinepest rechnen. Die hat ja schon Polen erreicht und kann ganz schnell bei uns eingeschleppt werden, beispielsweise über den Wolf“, meint Dorsten Höhne von der Agrargenossenschaft Züllsdorf im Landkreis Elbe-Elster. Der stellvertretende Geschäftsführer und Vorsitzende des Kreisbauernverbandes  ist kein Mann der Panikmache. In dieser Situation gilt es nach seiner Einschätzung mehr denn je darauf zu achten, dass Betriebsfremden der Zugang zu Stallanlagen verwehrt und auf intakte Seuchenwannen  sowie weitere Sicherheitsmaßnahmen geachtet wird.


In der Genossenschaft, die eine umfangreiche Tierhaltung betreibt, ist das gang und gäbe, versichert Höhne. Zum Bestand gehören 350 Milchkühe  mit Nachzucht und 60 Mutterkühe der Tochtergesellschaft. Zudem betreiben die Züllsdorfer Bullen- und Schweinemast, Letztere in sechs Ställen mit insgesamt 3 800 Plätzen.  „Aber eine hundertprozentige Sicherheit gibt es trotz aller Vorsorge nicht. Und die Frage ist, was im Falle des Seuchenausbruchs dann passiert!“   

 

Gesellschaft kam nicht zum Einsatz


Laut Tiergesundheitsgesetz, seit dem 1. Mai 2014 bundesweit in Kraft, muss der Halter auf einen solchen Fall vorbereitet sein und eigenverantwortlich reagieren, um ein Übergreifen der Seuche zu verhindern. Aber es steht völlig außer Zweifel, dass dieser weder psychologisch noch technisch in der Lage ist, einen betroffenen Bestand zu keulen. Denn der kann aus Hunderten, ja Tausenden von Tieren bestehen. Deshalb ist es sinnvoll, sogenannte Stand-by-Verträge mit einem externen, professionellen Dienstleister abzuschließen. Es gibt Beispiele wie im Freistaat Thüringen, wo das Ministerium in Vorleistung gegangen ist und sich um diese Verträge gekümmert hat. Zugleich wurde  ein spezielles Ausführungsgesetz erlassen, um die Details zu regeln. Nicht so in Brandenburg. Hier  wurde zwar eine Tierseuchenvorsorge GmbH gegründet, um besagte Verträge mit einem oder mehreren Dienstleistern abzuschließen. Doch diese Gesellschaft kam nicht zum Zuge.


Sie wurde zwar mit einem Startkapital ausgerüstet, aufgebracht von mehreren Zuchtverbänden sowie von Landeskontrollverband  und Landesbauernverband. Doch die erhoffte Mitfinanzierung durch das Land blieb aus. So musste die Gesellschaft schließlich Insolvenz anmelden. Bis auf den heutigen Tag existieren noch keine Vorsorgeverträge für den Seuchenfall. „Das bedeutet im Klartext, dass der Betrieb sich selbst um alles kümmern muss“, erklärt Höhne. „Was problematisch werden kann, wenn auf die Schnelle ein geeigneter Dienstleister für die Bestandskeulung gefunden werden muss.  Ist dieser bereits per Vorvertrag gebunden, geht der natürlich vor.“   

 

Erklärungen mehr als unbefriedigend


Im Potsdamer Ministerium der  Justiz, zugleich zuständig für Europa und Verbraucherschutz, wird die Einschätzung geteilt, dass eine Einschleppung gefährlicher Tierseuchen jederzeit möglich ist. Deshalb werde das System der Vorsorge weiter entwickelt, so Pressesprecherin Maria Strauß. „Die gesetzliche Grundlage für die Schaffung einer Vorsorgelösung zur tierschutzgerechten Tötung von Tieren ist in Kraft getreten und wird von der Tierseuchenkasse ausgestaltet. Dazu ist der Wirtschaftsplan der Tierseuchenkasse ergänzt worden.“  Die Ausschreibung der notwendigen zusätzlichen Personalstelle zur Besetzung ab Jahresbeginn 2017 sei erfolgt, die Leistungsbeschreibung für die Ausschreibung von Vorsorgeverträgen werde erarbeitet. „Damit wurden beziehungsweise  werden die Grundlagen für den Abschluss von Verträgen mit qualifizierten Dienstleistern geschaffen, um so eine schnelle Beseitigung von Seuchenherden zu gewährleisten.“


Auf Nachfrage der BauernZeitung erklärte die Pressesprecherin, dass der konkrete Termin des Abschlusses von Vorsorgeverträgen vom Verlauf des Ausschreibungsverfahrens abhängig sei. „Zwischenzeitlich muss der Tierhalter eigenverantwortlich entsprechend qualifizierte Dienstleister beauftragen. Bei deren Auswahl sind die Veterinärämter der Landkreise behilflich“, teilte die Pressesprecherin weiter mit und verwies zugleich auf die Internetseite des Ministeriums, die zahlreiche Hinweise zu Biosicherheitsmaßnahmen enthalte, um die Tierhaltungen vor Tierseuchenerregern zu schützen.


Für Landwirt  Dorsten Höhne sind diese Erklärungen mehr als unbefriedigend. „Es ist schon so viel Zeit vergeudet worden und immer noch kein Termin in Sicht, wann das Problem der Vorsorgeverträge gelöst wird. Muss es erst zum Seuchenausbruch kommen, bis endlich was geschieht?“

 

 

 

Sperr- und Beobachtungsbezirke eingerichtet: Bislang gab es drei Fälle im Land mit amtlich bestätigter Geflügelpest. Während es sich bei der am 28. November in Sperenberg, Landkreis Teltow-Fläming,  gefundenen Wildgans und bei der am 2. Dezember in Werder, Landkreis Potsdam-Mittelmark, gefundenen Möwe um den Erreger H5N8 handelt, wurde am 2. Dezember in einem Geflügelbestand in Oberkrämer, Landkreis Oberhavel, die milde Form des Erregers H5N1 nachgewiesen. In allen Fällen wurde jeweils ein  > Sperr- und ein Beobachtungsbezirk rund um den Fundort eingerichtet. Hier gilt für sämtliche Geflügelhaltungen, dass innerhalb von 21 beziehungsweise 15 Tagen keine Tiere verbracht werden dürfen. Gewerbsmäßige Geflügelbestände im Sperrbezirk werden regelmäßig untersucht. Für sämtliche Geflügelhaltungen im Land gelten besondere Biosicherheitsmaßnahmen. So sind die Ställe gegen unbefugten Zutritt  zu sichern und Schutz- oder Einwegkleidung einzusetzen.

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