Futterknappheit

01.11.2018

© Rudolf Kupfer

Eine kleine Mutterkuhherde in der Flur Lindenau profitiert von der diesjährigen Eichelrekordernte. Die magere Futterration auf der Weide wird außer Heu und Stroh mit Eicheln ergänzt.

Die Dürre, die von Mai bis Oktober 2018 in der Lausitz andauerte, hat zu erheblichen Problemen bei der Versorgung der Nutztiere geführt. Auf ausgebrannten Weiden und Wiesen fanden und finden insbesondere Mutterkühe mit ihrem Nachwuchs, Schafe und Pferde kaum noch Grün. Heu- und Silagevorräte für den Winter mussten in diesem Jahr hier bereits im erheblichen Umfange so früh wie noch nie eingesetzt werden, damit die Tiere satt werden. Sogar Stroh dient gegenwärtig als Sättigungsbeilage. 

 

In den Hungerzeiten nach dem Zweiten Weltkrieg war der Einsatz von Futterstroh in der Viehwirtschaft gang und gebe. Anders hätten die relativ hohen Rinderbestände, die aufgebaut werden mussten, nicht versorgt werden können. Auf allen Bauernhöfen standen zu dieser Zeit Häckselmaschinen, die das Stroh zerkleinerten, um damit die Aufnahme durch die Nutztiere zu verbessern. 

 

Hohe Tierbestände und Futterknappheit in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts führten u.a. im damaligen Kreis Senftenberg zum Bau einer Gemeinschaftsanlage in Meuro für den Aufschluss von Stroh mit Natronlauge. In Peickwitz wurde zu dieser Zeit eine Strohpelletieranlage in Betrieb genommen. Diese ehemaligen Vorzeigeobjekte produzierten nur kurze Zeit, weil Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis standen.  Stroh wird heute mit moderner Technik nach wie vor in die Futterrationen eingemischt.

 

Zu allen Zeiten forderten Ernteausfälle wie 2018 die Landwirte und die gesamte Gesellschaft in besonderer Weise.  Die in diesem Jahr trotz Hitze in enormen Mengen herangewachsenen Eicheln sind ein seit Jahrhunderten bekanntes Futtermitteln, insbesondere für die Schweine. Da Hausschweine bei Kleinerzeugern in der Region bis auf Ausnahmen nicht mehr gehalten werden, gibt es hier kaum noch Bedarf. Fürstlich bedient die Eichelrekordernte allerdings die Wildtiere, insbesondere das Schwarzwild. Das ist ungewollt, aber nicht zu vermeiden. Erfahrungen aus vergangenen Jahrhunderten belegen, dass Eicheln auch in der Fütterung von Rindern und Pferden eingesetzt werden können. Allerdings ist dabei zu beachten, dass insbesondere Gerbsäure, die in den Früchten enthalten ist, Grenzen setzt. In futterarmen Jahren wie in diesem lohnt es sich besonders, Erkenntnisse aus der Vergangenheit zu nutzen, um Probleme der Gegenwart mit zu lösen. 

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