Frühjahrsseminare der Waldbauernschule

07.03.2017

© Archiv

Die Reihen dicht geschlossen stehen am Rande eines Prignitzdorfes unweit von Wittstock mannshohe Rotfichten. Die Fläche ist stabil eingezäunt, denn das Angebot ist ein wahres Leckerli für Reh und Co. Landwirt Lothar K. betreibt hier eine Weihnachtsbaumplantage. „Der Zaun ist ein Muss, ohne ihn würde das Wild aus dem umliegenden Wald die Anpflanzungen in kürzester Zeit unbrauchbar machen“, erklärt er. Besonders begehrt bei den Tieren ist der Terminaltrieb, der Laie kennt ihn eher als Baumspitze. Ihr Verlust beendet für den Baum nicht nur abrupt die Karriere als Weihnachtsbaum, sondern seine Überlebenschancen sind grundsätzlich beeinträchtigt. Die Einzäunung der Plantage ist ein kostspieliger Spaß, etwa sechs Euro pro laufenden Meter müssen dafür berappt werden.

 

Ein hartes Ringen


Was sich für eine Weihnachts­baum­anpflanzung noch lohnen mag, ist jedoch für die gemeine Waldwirtschaft ein zunehmendes Problem. „Es passiert immer wieder, dass der materielle Wert der zu schützenden Neupflanzungen niedriger ist als die Kosten für ihren Schutz“, sagt der Vorsitzende des Brandenburger Waldbauernverbands, Enno Rosenthal. Doch ohne Schutz geht es vielerorts nicht. Vor allem die gestiegenen Schalenwildpopulationen, insbesondere bei Reh- und Damwild, sorgen für Verdruss. Deren Appetit auf grüne Spitzen ist wesentlich mit dafür verantwortlich, dass in Brandenburgs Wäldern eine Verjüngung selbst bei Hauptbaumarten wie der Kiefer kaum noch stattfinden kann.


Mehrere Jahre debattierte deshalb der Landesbetrieb Forst mit den Lobbyisten der Waldbesitzer und der Jäger, wer von ihnen künftig für Schadensersatz durch Wildverbiss aufkommen muss und wie verbindliche Verfahrenswege aussehen sollen. „Es war ein hartes Ringen“, sagt Rosenthal, „die Interessen lagen sehr weit auseinander“. Doch Ende November vergangenen Jahres präsentierte der Landesbetrieb Forst beispielhaft für den Landeswald eine Wildschadenskonvention, die auch im Privat- und Körperschaftswald zur Bewertung bei Pflanzenschäden durch Wildtiere angewendet werden kann.
Vorbeugen viel besser


Die Waldbauernschule Brandenburg, eine bereits 2009 gegründete Initiative des Waldbauernverbands, hat sie deshalb als eines ihrer zentralen Themen auf den Stundenplan der diesjährigen Frühjahrsseminare gesetzt. „Wir wollen die Waldbesitzer dafür sensibilisieren, denn es geht nicht nur um einen Katalog zur Bewertung von Wildschäden, sondern natürlich auch um diverse Möglichkeiten zur Prophylaxe“, erklärt Rosenthal.


Brandenburgs Waldbesitzer sind darum eingeladen, eine der 23 Schulungen zwischen Perleberg und Spremberg zu besuchen. Der Auftakt erfolgte am 17. Februar in Drebkau, südlich von Cottbus, letzter Schulungstermin ist der 7./8. April in Hohenbocka, Treuenbrietzen, Beelitz, Beeskow und Gerswalde bei Templin. Für eine Teilnahme wird ein Unkostenbeitrag von 35 € erhoben, da das Projekt Waldbauernschule durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums und das Land Brandenburg gefördert wird. Die Lehrgänge finden immer am Freitagnachmittag ab 16 Uhr sowie sonnabends ab 8.30 Uhr statt, inklusive einer praxisnahen Exkursion in ein nahes Waldgebiet.


Alle Termine und die Schulungsorte sind im Internet zu finden unter:
www.waldbauernschule-brandenburg.de

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