Flächen im Rhinluch stehen unter Wasser

03.08.2017

© Wolfgang Herklotz

Das Wasser muss schnellstmöglich von den Feldern. Darin waren sich Carolin Schilde, Henrik Wendorff und Hellmuth Riestock einig. Doch die Situation bleibt weiter angespannt.

Jede Menge Wasser links und rechts vom Plattenweg. Der Raps ist arg geschädigt, und auch der Mais auf der gegenüberliegenden Seite dürfte sich kaum noch erholen. An eine Ernte ist in den nächsten Wochen ohnehin nicht zu denken. Hatten die kräftigen Niederschläge Ende Juni  schon den Landwirten im Rhinluch und in weiteren Regionen zu schaffen gemacht, setzte vor wenigen Tagen erneut Starkregen ein. Innerhalb von vier Wochen gingen hier pro Quadratmeter bis zu 300 Liter nieder. Der Boden war noch gesättigt und konnte die nachfolgenden Wassermassen nicht mehr aufnehmen.


Hellmuth Riestock von der Rhinmilch GmbH Fehrbellin macht aber nicht allein die extremen Niederschläge für die verheerende Situation auf dem Acker und dem Grünland verantwortlich. „Wenn die Elbe und die Havel normalen Wasserstand haben, wir hier aber regelrecht absaufen, ist das Problem letztendlich hausgemacht!“ Denn es sei wertvolle Zeit bei der Wasserregulierung  verschenkt worden. Dies betonte der Geschäftsführer bei einem Treffen am Freitag vergangener Woche in Fehrbellin. Er begrüßte dazu Carolin Schilde, Staatssekretärin im Potsdamer Agrar- und Umweltministerium, und Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes, sowie zahlreiche Landwirte aus der Region, die ebenfalls betroffen sind.  

 

Galle läuft über


Die nässebedingten Ernteausfälle bezifferte Riestock für das auf 4 000 ha wirtschaftende Unternehmen in den Landkreisen Ostprignitz-Ruppin und Havelland allein auf eine halbe Million Euro. Hinzu kämen Beschaffungskosten für die Versorgung der 5 000 Rinder, weil nicht mehr genug Anwelksilage und Stroh zur Verfügung stehen. Zudem sei fraglich, wann die Flächen wieder befahren werden können. „Es steht jetzt schon fest, dass die geplante Fruchtfolge nicht mehr einzuhalten ist. Wir werden unsere Flächen weder antrags- noch ordnungsgemäß bewirtschaften können und geraten so auch in Konflikt mit dem Kulap und dem Greening.“


Den meisten Verdruss bereitet aber Riestock und seinen Berufskollegen, dass nicht auf die extreme Situation reagiert wurde. Es hatte bereits am 10. Juli eine Zusammenkunft mit Vertretern des  Wasser- und Bodenverbandes gegeben. Dabei brachten die Landwirte zur Sprache, dass die nur einmal entkrauteten Gräben die Niederschläge nicht mehr aufnehmen können. Deshalb die Forderung, die Wehre zu öffnen und einen schnellen Abfluss in den Kleinen Havelländischen Hauptkanal zu ermöglichen. Darüber wurde auch das Umweltministerium informiert, doch nichts geschah, berichtete Björn Synakewicz, Landwirt aus Brunne. „Da läuft einem die Galle über!“


Erst zur Mitte vergangener Woche, als nach den jüngsten Niederschlägen noch mehr Acker- und Grünlandflächen überflutet wurden und auch über die Medien Alarmglocken geläutet wurden, kamen die geforderten Maßnahmen zum Einsatz. Seitdem ist zu beobachten, dass der Kanal Wasser zieht, doch das Problem damit noch längst nicht gelöst. „Es wurden drei Wochen verschenkt, und wir müssen es ausbaden“, machte Synakewicz seinem Ärger  Luft und erntete Zustimmung reihum.


„Wie kriegen wir schnellstmöglich das Wasser von den Feldern? Was ist zu tun, um die Schäden so gering wie möglich zu halten? Welche Hilfen können das Land und der Bund leisten?“ Diese drei Punkte stehen laut Staatssekretärin Schilde jetzt im Vordergrund.  Sie informierte, dass die Landwirtschaftsämter sich derzeit einen Überblick über das Ausmaß der Schäden verschaffen. Zugleich würden Gespräche mit dem Bund laufen, um einen Ausgleich zu sichern. Möglich sei dies über eine bereits notifizierte Richtlinie, die bei solch widrigen Witterungsverhältnissen greife. „Wir müssen dabei aber immer das EU-Beihilferecht im Blick haben“, betonte Schilde.

 

Ein Angebot


„Eine Schuldzuweisung in dieser schwierigen Situation hilft nicht weiter, aber wir sollten schon  die Zuständigkeit genau anschauen und überlegen, wie das Management der Gewässerbewirtschaftung zu verbessern ist.“ Dass dieses nicht funktioniert hat, stellte auch Kurt Augustin, für Wasser und Bodenschutz zuständiger Abteilungsleiter im Umweltministerium, nicht in Abrede. „Aber wer für die Gewässerunterhaltung zuständig ist, ist klar geregelt!“ Als problematisch erweist sich im Falle des Rhinluchs, dass hier zwei Wasser- und Bodenverbände agieren, nämlich die in  Fehrbellin und Rathenow ansässigen Verbände. Ganz offensichtlich gab und gibt es hier eine unterschiedliche Einschätzung der Lage, und auch die Abstimmung scheint nicht richtig zu funktionieren. Das ist besonders fatal, wenn man sich auf die Technik verlässt. Die Automatik des im Rathenower Verantwortungsbereichs liegenden Schöpfwerks war nicht angesprungen, sodass nur zwei von sieben Pumpen arbeiteten. So etwas darf sich nicht wiederholen. „In so einer Situation muss doch einer den Hut aufsetzen und eine Entscheidung fällen“, hieß es auf der Zusammenkunft in Fehrbellin.


Wie wichtig ein ordentliches Management ist, hat sich auch im Oderbruch gezeigt, gab  LBV-Präsident Hendrik Wendorff zu bedenken. „Wenn die Gräben nur einmal entkrautet werden, reicht das einfach nicht!“ Nach Rücksprache mit dem Wasser- und Bodenverband seiner Region machte Wendorff den Landwirten im Rhinluch ein Angebot: „Wir könnten kurzfristig leistungsfähige Pumpen bereitstellen für den Fall, dass eine ordnungsgemäße Vorflut gegeben ist!“ 

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr