Fläche wird wieder fruchtbar

29.09.2014

© Rudolf Kupfer

Für die Luzerneaussaat pflügte Alexander Pufe Ende August die Kippenflächen. Im Hintergrund ein Absetzer.

Dem Boden gilt es, die Fruchtbarkeit wiederzugeben. Diese Herausforderung steht schon so lange, wie die Braunkohle aus Tagebauen der Lausitz gefördert wird. Über viele Jahre wurde zu diesem Thema intensive Forschungsarbeit geleistet und werden mit enormem Aufwand Kippen rekultiviert. Diese gewaltigen Umbrüche und Veränderungen in der Landschaft hat Hans-Jürgen Schmager aus Senftenberg in seinem 2014 veröffentlichten Buch „Zur Sanierung der Abraumkippe im Tagebau Meuro“ umfassend dargestellt. Als Leiter der ehemaligen Abteilung Rekultivierung hat er diesen Prozess von 1986 bis 2000 begleitet und mitgestaltet.

Ein Buch zu diesem Thema hat Dr. Martin Schultze bisher noch nicht geschrieben.  Aber aktuell gehört der Geschäftsführer des Landwirtschaftsbetriebes Ressen-Lindchen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz zu denen, die sich in dieser Problematik gut auskennen und ihr Wissen einbringen. Im Auftrage von Vattenfall arbeiten die Landwirtschaftsbetriebe aus Ressen-Lindchen und aus Drebkau im Landkreis Spree-Neiße  bei der Rekultivierung der Kippen im Tagebau Welzow aktiv mit. Beide Unternehmen haben sich 2010 zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen.

Vor Ort bieten sich dem Betrachter imposante Bilder. In Sichtweite eines Absetzers, der neue Kippen aufschüttet, war Alexander Pufe aus Neupetershain im August sozusagen an der Tagebaukante mit einem Siebenscharpflug im Einsatz. Er bereitete das Saatbett für die Luzerne vor. Nach exakten Plänen werden die Böden mit erheblichen Mengen aufgekalkt, mit Mineraldünger versorgt und nachfolgend bestellt.

Im Erstanbau wird zunächst eine Testsaat von Winterroggen und -weizen ausgesät. Danach folgt Luzerne als Pionierpflanze auf solchen extremen Standorten. Ihre tiefgehenden Wurzeln bringen neues Leben in den Boden, denn diese Pflanze sammelt Stickstoff.

Die Kultur bleibt dann auch bei entsprechender Entwicklung vier Jahre hintereinander stehen. In diesem Jahr haben sich die Luzernebestände wetterbedingt schon sehr gut entwickelt, so die Einschätzung von Martin Schultze. Ein Großteil des Aufwuchses wird gemulcht und verbleibt auf der Fläche. Mit dieser organischen Substanz und den Bestellarbeiten kommt langsam das Leben in den Boden zurück. Die Ausscheidungen von Regenwürmern sind ein erster Beleg. Dass Lerchen, Hasen, Rebhühner, Rehe, Kraniche und sogar Schwarzstörche in diesem Gelände zu beobachten sind, freut Landwirte und Naturschützer gleichermaßen.

Auf über 400 ha ist hier in der unmittelbaren Nähe des Gutes Geisendorf die Rekultivierung im Gange. Um die Übersicht zu behalten, haben die Landwirte den neu entstandenen Schlägen Namen wie „Am Hühnerwasser“ oder „An der Furt“ gegeben. Die Maschinenführer wissen dadurch genau, wo sie zum Steine sammeln, zum Pflügen und zum Ernten hinfahren müssen. Inzwischen haben die Landwirte aus Drebkau und Ressen viel Erfahrung bei diesen Arbeiten unter teilweise  recht schwierigen Bedingungen gesammelt.

Der Abbau von Braunkohle hat einen hohen Preis. Einfacher ist es für die Landwirte, gewachsenen Boden zu nutzen. Andererseits sind sie stolz, den toten Boden nach dem Bergbau wieder fruchtbar zu machen und dem Naturkreislauf zurückgeben zu können.

Zu den vielen Visionen, die Martin Schultze hat, gehört, dass einmal Schafe in diesem Gebiet das gewachsene Futter mitnutzen. Unter den gegenwärtigen Bedingungen ist diese Vision leider wirtschaftlich nicht realisierbar. Zu den Wünschen der Bauern gehört auch, dass mindestens so viel landwirtschaftliche Nutzfläche zurückgegeben wird, wie der Bergbau in Anspruch genommen hat. Auch in dieser Frage gehen die Meinungen weit auseinander. Tragfähige Lösungen gemeinsam zu suchen ist ein Anspruch, den sich die Beteiligten auch zukünftig stellen müssen.

Rudolf Kupfer

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