Fischdiebstahl

26.07.2013

Auf Tour: Täglich kontrolliert Stefan Ramdohr die Reusen auf den Havelseen.

Fotos: Privat (2), Wolfgang Herklotz

 

Gegen fünf Uhr morgens beginnt der Arbeitstag für Stefan Ramdohr. Gemeinsam mit seinem Vater Hans-Joachim macht er das Boot startklar und wirft den Motor an. Die Route, auf der der Senior traditionell das Steuer führt,   geht vom Großen Zernsee bis zum Schlänitzsee bei Marquardt und zurück. Auf der rund fünfstündigen Tour kontrollieren die beiden ihre an verschiedenen Standorten aufgestellten Reusen. Nur wenig  später zappeln Aal, Zander & Co. im Behälter, doch für Vater und Sohn ist das kein Grund zur Euphorie. „Wir müssen immer damit rechnen, dass die Fischräuber wieder zuschlagen.“ Vor allem in den Spätsommer- und Herbstwochen steige die Zahl der Diebstähle kräftig an, berichtet Stefan Ramdohr.  Anzeichen dafür sind nicht nur leere, aufgeschnittene Reusen. Andere Fangbehälter enthalten zwar noch Fische, doch deren unfachmännisch verschlossene Öffnung weist dar­auf hin, dass auch hier Langfinger am Werk waren und einen Teil der Ausbeute mitgenommen haben. „Die Diebe werden immer dreister“, beklagt der Siebenunddreißigjährige.


 

 

So wie der Werderaner Fischer sind viele Berufskollegen hierzulande betroffen. Im Vorjahr stand ein Schaden von rund einer halben Million Euro zu Buche. Diese hochgerechnete Summe ergab sich aus einer Umfrage, die der Landesfischereiverband gestartet hatte. Danach meldeten 30 von 150 Fischereibetrieben rund 240 Fälle, wo Reusen geplündert oder komplett entwendet wurden. Vermutlich handelt es sich nicht nur um kriminelle Selbstversorger, sondern auch um solche, die das Diebesgut gezielt weiterverkaufen. Dies  meint  Lars Dettmann, Geschäftsführer des Fischereiverbandes. „Ganz offensichtlich glauben diese Leute, dass bei uns auf dem Wasser jetzt Anarchie herrscht.“ Denn die Ordnungshüter sind, bedingt durch die Polizeireform, längst nicht mehr so präsent wie zu früheren Zeiten. Ihre Zahl ging von 251 auf 205, also um rund ein Fünftel, zurück. Dabei blieb nach einer Information des Innenministeriums die Zahl der Standorte der Wasserschutzpolizei und ihrer Boote konstant. Dennoch macht sich der Personalabbau bemerkbar, auch wenn Dettmann den verbliebenen Wasserpolizisten durchaus bescheinigt, ihre Arbeit zuverlässig zu verrichten. „Die Signalwirkung ist aber negativ, wenn Brandenburg bei seinem Riesenanteil an  Wasserstraßen so deutlich auf die Bremse tritt.“


Dettmann erinnert sich an den Anfang der 90er Jahre, als er sich selbstständig gemacht hatte. Als es damals zu Diebstählen kam, hatte er sich mit mehreren Polizisten auf die Lauer gelegt, um die Langfinger dingfest zu machen. So etwas sei heute unvorstellbar. Daher sind viele Berufsfischer dazu übergegangen, Wachschutzfirmen zu engagieren. Doch der Aufwand dafür ist immens, betont Stefan Ramdohr, der den Betrieb vor zehn Jahren von seinem Vater übernommen hatte. Dies gelte auch für solche Vorsichtsmaßnahmen wie die elektronische Sicherung der Reusen. Andererseits ärgert es ihn aber, immer wieder Fischdiebstahl anzeigen zu müssen, ohne dass die  Täter gefasst werden. „Die Ermittlungen werden nach kurzer Zeit ergebnislos eingestellt. Ich habe einen ganzen Stapel solcher Mitteilungen.“


 


Zerstörte Reusen, umgefahrene Netzstangen: Fischer Stefan Ramdohr aus

Werder ärgert sich über die Rücksichtslosigkeit mancher „Freizeitkapitäne“.



 

Mit Sorge verfolgt er auch, wie sorglos manche „Freizeitkapitäne“ auf dem Wasser agieren. „Sie achten nicht auf die markierten Bereiche, sondern fahren wild drauflos und zerstören mitunter gar die Reusen.“ Dass man jetzt für Boote mit geringer PS-Zahl keinen Führerschein mehr benötige, mache die Situation gewiss nicht besser, im Gegenteil. Als positiv bewertet der Fischer hingegen, dass nach Jahren des Rückgangs nun wieder mehr Aale ins Netz gehen.  Die Besatzmaßnahmen zeigen einen ersten Erfolg. Der eigenhändig gefangene und geräucherte edle Fisch aus der Havel erfreut sich großer Nachfrage. Einmal pro Woche bietet Ramdohr seine Ware auf dem Markt an, die zumeist schon  in der Mittagszeit ausverkauft ist. „Ich habe die Hoffnung, dass sich letztendlich doch nur die ehrliche Arbeit auszahlt.“  Doch das kann keineswegs bedeuten, den Staat aus seiner Verantwortung zu entlassen, meint Lars Dettmann. „Deshalb erwarten wir, dass nicht noch mehr Personal bei der Wasserschutzpolizei abgebaut wird.“ So nötig auch die Strukturreform sei, so müsse nach Wegen gesucht werden, die Präsenz auf der Havel und den anderen Flüssen wieder zu erhöhen. „Unser Verband ist gern bereit, sich hier mit einzubringen.“

 

 

Wolfgang Herklotz, BauernZeitung

 

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