Erntestart: Gedämpfte Erwartungen

14.07.2016

© Wolfgang Herklotz

Trio vor Mähdrescher: Rukwied, Henrik Wendorff und Gerald Herzog (v. l.).

Deutlich früher als sonst begann in diesem Jahr der Drusch auf den Feldern rund um Rädigke und Niemegk im Landkreis Teltow-Fläming. Zum Anfang der vergangenen Woche war schon fast die Wintergerste vom Halm. Die hiesige Genossenschaft, die „Hoher Fläming eG Rädigke-Niemegk“, baut die Kultur auf 265 Hektar an„ Mit den bisherigen Ergebnissen ist Betriebsleiter Gerald Herzog durchaus zufrieden. „Der Ertrag liegt bei rund 70 Dezitonnen je Hektar, und auch die Qualität stimmt!“ Dabei haben die knapp 3 000 Hektar Ackerland, die bewirtschaftet werden, im Schnitt lediglich eine Bodenwertzahl zwischen 30 und 31.  

 

Kein Blumentopf zu gewinnen


Doch Herzog will den verheißungsvollen Erntestart nicht überbewerten. Denn noch steht das Gros des Getreides auf dem Halm, insbesondere der Roggen, der allein auf 1 128 Hektar  angebaut wird. Ob die Druschfrüchte den erhofften Ertrag bringen, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch jetzt schon, dass   die Erzeugerpreise auf einem sehr niedrigen Niveau tendieren. Im Vergleich zum Vorjahr liegen sie über alle Kulturen hinweg um 10 bis 15 % niedriger als zum Erntestart im Jahre 2014. „Beim Roggen sind es aktuell nur 10,50 Euro je Dezitonne. Damit kann man keinen Blumentopf gewinnen“, sagte Herzog auf dem Pressegespräch am 5. Juli mit den Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes und des Brandenburger Landesbauernverbandes, Joachim Rukwied und Henrik Wendorff, über das wir in der vorigen Ausgabe kurz informierten. Es machte deutlich, dass in diesem Jahr nur durchschnittliche Erträge zu erwarten sind. Wegen der niedrigen Preise für Getreide und Raps ist die wirtschaftliche Situation der Ackerbaubetriebe sehr angespannt, betonte Rukwied. „Zudem gibt es regional Ernteschäden durch Unwetter, Starkregen oder Hagel. Derzeit sind davon bundesweit fast 200 000 Hektar betroffen, rund dreimal so viel wie in anderen Jahren!“


In Brandenburg ist mit einem durchschnittlichen Ertrag von 52 dt/ha beim Getreide zu rechnen. Das sind fünf Prozent unter dem Durchschnitt  der letzten fünf Jahre, erklärte Wendorff. „Während das Frühjahr sehr trocken ausfiel, gab es dann Starkregen  im Juni, der sich negativ auf die Kornausbildung und  die Pflanzengesundheit auswirkte.“ Folgen sind vermehrter Zwiewuchs, Spätverunkrautung und ein sprunghafter Anstieg von Pilzkrankheiten. Der Landesbauernverband schätzt ein, dass insgesamt nur 2,5 Millionen Tonnen Getreide und 429 000 Tonnen Raps geerntet werden. Allerdings  ist auch der Anbauumfang beim Getreide um 3 000 Hektar auf rund 500 000 Hektar zurückgegangen. Stabil geblieben ist der Anbau von Ölsaaten. Auf 129 300 Hektar wird Raps angebaut.


Beim Pressegespräch ging es auch um den Einsatz des Wirkstoffs  Glyphosat, dessen Zulassung gerade bis Ende 2017 verlängert wurde. Herzog begrüßte diese Entscheidung und erinnerte, dass Glyphosat in Brandenburg eine wichtige Rolle für die konservierende Bodenbearbeitung spielt. „Auf die Vorerntesikkation ließe sich noch am ehesten verzichten, wenn der Wirkstoff nicht mehr eingesetzt werden darf. Aber wenn wir dann die Quecke wieder mechanisch bekämpfen sollen, wäre das fatal!“

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