Ernte

07.09.2013

© Wolfgang Herklotz

 

Erträge hoch, Preise tief

 

Großmutz ist ein Ortsteil der Großgemeinde Löwenberger Land  im Landkreis Oberhavel. Hier bewirtschaftet die ortsansässige Agrar GmbH rund 700 Hektar, zumeist Ackerland. Neben Marktfruchtanbau und Futterproduktion auf den überwiegend  schwach lehmigen Sandböden wird Rindermast betrieben. Die unstabile Wetterlage der letzten Wochen sorgte dafür, dass am 20. August noch etwa ein Zehntel der Ernte ausstand. Doch diese, da ist sich Geschäftsführer Erhard Hinz sicher, wird gut bis sehr gut ausfallen.  „Wir haben sogar Rekordergebnisse darunter, so  beim Raps mit 40 Doppelzentner je  Hektar und  beim Hafer sogar mit 60 Doppelzentnern.“  Weniger optimistisch bewertet der erfahrene Landwirt dagegen die Entwicklung der Erzeugerpreise. Diese sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen und haben nach den weltweit guten Ertragsaussichten seit dem Erntestart im Juli nochmals nachgegeben. „Wir waren gut beraten, Verträge für die aktuelle Ernte schon im Vorjahr abzuschließen“, so Hinz. Denn der Preisrückgang macht im Vergleich  zu 2012 im Mittel 30 % aus, beim Roggen als Brandenburgs Hauptkultur sogar 40 %. „Das ist der Wermutstropfen, der auf die diesjährige Ernte fällt“, bestätigte Landesbauernverbandspräsident Udo Folgart. „Während aktuell die Verbraucherpreise steigen, könne wir Landwirte von dieser Entwicklung nicht profitieren.“ 

 

 

 

Der Landesbauernverband hatte am vergangenen Dienstag zum traditionellen „Ernteabschlussgespräch“  am Feldesrand der Agrar GmbH Großmutz eingeladen. Zwar waren zu diesem Zeitpunkt noch vier bis fünf Druschtage nötig, um das auf rund 532 000 landesweit bestellte Getreide zu ernten. Dennoch geht die berufsständische Interessenvertretung davon aus, dass 2013 knapp drei Millionen Tonnen vom Feld geholt werden. Dies bedeutet ein Plus zum Vorjahr von etwa 30 Prozent. Ein noch besseres Ergebnis wird dem Raps bescheinigt, dessen Menge sich auf fast 500 000 Tonnen beläuft, mehr als 115 000 Tonnen im Vorjahr. Den Zuwachs führt LBV-Präsident Folgart nicht nur auf die gesteigerten Erträge vor allem bei Weizen und Gerste, sondern auch auf die Ausdehnung der Anbaufläche bei Getreide und Raps zurück. „Doch an die Rekordernte von 2004 kommen wir in diesem Jahr nicht heran.“ Die durchschnittliche Leistung liegt bei 56,3 dt/ha, 2004 waren es 58,3 dt/ha. „Dafür sind über alle Druschfrüchte hinweg gute Qualitäten zu verzeichnen.“

 

Wie der Landesbauernverband weiter informierte, liegt der Getreideertrag beim Ökolandbau im Durchschnitt bei zirka 22,4 dt/ha, wobei gegenwärtig aber erst 80 % der Fläche abgeerntet sind. Die Gesamtmenge dürfte sich auf rund

70 000 Tonnen Biogetreide belaufen, wovon der Großteil auf Roggen entfällt. Das meiste Ökogetreide bleibt laut LBV auf den Höfen und wird als Futter eingesetzt.

 

Weniger Positives war beim Erntegespräch über den Gartenbau zu berichten. Der kühle, nasse Mai, der den Landwirtschaftsbetrieben zugutekam, war für die Obst- und Gemüsebauern „blankes Gift“, erklärte Jörg Kirstein, Präsident des Landesgartenbauverbandes. „Beim Spargel steht eine um drei Prozent geringere Menge zum Vorjahr zu Buche, bei Erdbeeren und Süßkirschen bestenfalls ein durchschnittliches Ergebnis.“ Zu schaffen macht der Branche aber auch der Anstieg der ­Betriebskosten. Sorge bereitet zudem, dass innerhalb der EU ­keine einheitlichen Regeln herrschen. So können in den Nachbarländern Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die hierzulande verboten sind. „Vor allem müssen aber die Erzeugerpreise steigen, damit wir am Markt bleiben und erfolgreich agieren können“, so Kirstein. Er unterstützte die bereits von LBV-Präsident Folgart ­vorgetragene Forderung, in Deutschland endlich die Bedingungen für eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage zu schaffen. Dadurch könnten sich die Betriebe selbst gegen Ernteausfälle  absichern.

 

Schäden in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro hat das diesjährige Hochwasser angerichtet. Landesweit sind mehr als 300 Betriebe betroffen, die geschädigte Fläche macht rund 37 000 Hektar aus. „Das Hilfsprogramm steht, die Anträge auf Entschädigung können jetzt gestellt werden“, informierte Katrin Schneider, Staatssekretärin im Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft. Zurzeit werde noch eine weitere Richtlinie abgestimmt, um die Reparatur an Infrastrukturschäden zu finanzieren. Schneider zollte den diesjährigen Ernteergebnissen ihren vollen Respekt.

Derartige Erträge seien zu ihrer Studienzeit noch unvorstellbar gewesen, räumte sie ein. Angesichts der aktuellen Diskussion über die Reform der EU-Agrarpolitik betonte sie: „Ich bin froh, dass es in den ostdeutschen Ländern eine gemeinsame Sichtweise gibt, keine Umverteilung der Fördermittel von der Ersten in die Zweite Säule zuzulassen.“

 

Dem stimmte auch Beate Stuht, stellvertretende Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Oberhavel, zu. „Ich finde es aber dennoch bedenklich, dass wir uns immer mehr von der gemeinsamen Agrarpolitik für Europa entfernen.“ Als Beispiel führte sie Frankreich an, wo Landwirte nach wie vor Diesel zu günstigeren Konditionentanken, während die Berufskollegen in Deutschland zur Kasse gebeten werden.

 

Stuht berichtete, dass die diesjährige Ernte in ihrem Biobetrieb sehr extrem verlief. „In der ersten Woche hatten wir super Wetter, konnten den Großteil der Ernte einfahren, doch dann sorgte immer wieder Regen für Unterbrechung.“ Unterm Strich könne in diesem Jahr zwar ein Drittel mehr geerntet werden. „Doch das nützt uns wenig, wenn die Preise um 40 % zurückgehen.“   Kein Autohändler würde es hinnehmen, dass Fahrzeuge zu Dumpingpreisen verschleudert werden, sind sich Beate Stuht und Erhard Hinz einig. „Uns Land­wirten mutet man aber zu, dass Arbeit so schlecht honoriert wird.“

 

 

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