Eine entsetzliche Tat

29.01.2015

© dpa

Die Polizei sicherte den Tatort nach den tödlichen Schüssen weiträumig ab.

Der tragische Vorfall am Dienstag vergangener Woche sorgte für reichlich Schlagzeilen im Blätterwald. „Bauer erschießt Tierarzt“ lautete die eine, „Bauer läuft Amok“ die andere. Unfassbar, aber leider eine Tatsache ist, dass tödliche Schüsse auf einen Mitarbeiter des havelländischen Kreisveterinäramtes abgegeben wurden. Dieser war mit zwei Kolleginnen auf dem Hof eines 72-jährigen Landwirts in dem zu Nauen gehörenden Ort Klein Behnitz erschienen, um die dort gehaltenen Rinder abzutransportieren. Da die Versorgung der Tiere immer wieder Anlass für Beschwerden gab, hatte das Amt den Landwirt aufgefordert, die Herde zu verkleinern. Weil der dieser Auflage jedoch nicht folgte, sollten die 30 Kühe beziehungsweise Färsen wegen nicht artgerechter Haltung beschlagnahmt werden. Ließ der Klein Behnitzer die drei Mitarbeiter des Veterinäramtes zunächst noch aufs Grundstück, kam es darauf zu einem heftigen Wortwechsel, wie Augenzeugen berichteten. Schließlich tauchte der Landwirt mit einer Schrotflinte auf ...

Große Betroffenheit

Die entsetzliche Tat löste große Betroffenheit aus. Zumal der von den Schüssen schwer Verletzte qualvoll gestorben war, nachdem der Verursacher keinerlei Anzeichen machte, ihm zu helfen oder helfen zu lassen. Der 61-Jährige hinterlässt eine kranke Frau und drei erwachsene Kinder sowie zwei Enkelkinder. Zu denen, die ihn kennen und schätzen gelernt haben, gehört Schäfermeister Helmut Biermann aus Berge. „Er war sehr gewissenhaft, aber auch kollegial. Als Landwirt kannte er sich sehr gut aus, und wenn er auf etwas hinwies, hatte das Hand und Fuß. Er hinterlässt eine große Lücke.“ Was Biermanns Ehefrau Anja nur bestätigen kann. Denn der Ermordete war ein Arbeitskollege von ihr. „Ich kann es immer noch nicht fassen, was passiert ist.“

So geht es auch Peter Kaim. Der Landwirt aus Ribbeck hatte sowohl mit dem Mitarbeiter des Veterinäramtes als auch mit dem Berufskollegen aus Klein Behnitz zu tun. Für Letzteren habe er seit 2000 den alljährlichen Agrarantrag gestellt, weil dieser keinen Computer besaß. „Ich hatte einen gewissen Zugang zu ihm. Unser Team vom Havellandhof und die Nachbarn in Klein Behnitz haben alles versucht, um zu helfen.“

Die Probleme häuften sich, als der Klein Behnitzer im Juni vergangenen Jahres ins Krankenhaus musste. Die notdürftig versorgten Tiere liefen auf dem Hof herum, bis ein Auszubildender vom Havellandhof dann eine Weidekoppel einzäunte und sich um Tränkwasser für die Rinder kümmerte. Doch das war nur eine Lösung auf Zeit.

Vergeblicher Rat

Daraufhin machte Kaim den Vorschlag, die Tiere auf eine30 Hektar große Grünlandfläche des Havellandhofs umzusetzen. Das Angebot wurde angenommen. Von Juni bis Ende November weideten die Vierbeiner hier, der aus dem Krankenhaus wieder entlassene Besitzer kümmerte sich täglich darum, dass ausreichend Wasser zum Tränken vorhanden war. Doch dann holte er seine Tiere ab, um sie in Klein Behnitz wieder einzustallen. „Dabei hätten sie auch über Winter bei uns bleiben können. Aber das kam für ihn nicht infrage“, bedauert Kaim. „Er wollte trotz gesundheitlicher Probleme unbedingt eine Mutterkuhhaltung aufbauen. Ich habe ihm geraten, der Auflage des Veterinäramtes nachzukommen und den Tierbestand zu reduzieren. Leider vergebens.“

Nur unter Polizeischutz

Gegen den inhaftierten Landwirt wird inzwischen wegen Totschlags und unerlaubten Waffenbesitzes ermittelt. Seine Rinder, deren Versorgung abgesichert ist, sollen verkauft werden. Bislang hatte das Veterinäramt in Fällen, bei denen Tiere beschlagnahmt werden sollten, die Polizei informiert. Diese hielt sich bereit, ohne zum Einsatz zu kommen. Nach dem Vorfall in der vergangenen Woche trat nun eine neue Regelung in Kraft, erklärt Dr. Henning Kellner, Dezernent des Landkreises. „Der Landrat hat angeordnet, dass solche Aktionen bis auf Widerruf nur noch unter Polizeischutz stattfinden dürfen.“

Am Sonnabend dieser Woche soll eine Trauerfeier für den Mitarbeiter des Kreisveterinäramtes stattfinden, der auf tragische Weise ums Leben kam.

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