Ein negativer Rekord

17.10.2018

© Archiv

In Flammen standen dieses Jahr riesige Waldflächen in der Lieberoser Heide, aber auch am Rande von Treuenbrietzen und Jüterbog.

Der diesjährige Sommer wird mit bislang 471 Waldbränden vielen im Gedächtnis bleiben. Nur Anfang der 90-er Jahre und in den Jahren 2003 und 2005 mussten Brandenburgs Wälder, bezogen auf die Zahl der registrierten Fälle, mehr Brände verkraften. Aber: Die Schadensfläche mit einer Größe von 1.630 ha ist seit 1990 absolute negative Spitze. Besonders betroffen von der Trockenheit und den Bränden waren der Süden Brandenburgs und Potsdam-Mittelmark. Der forstliche Schaden wird mit zirka 11 Millionen Euro bewertet, da 700 ha in Totalreservaten auf ehemaligen Truppenübungsplätzen entstanden sind, wo kein Wirtschaftswald steht und keine Wiederaufforstungen erfolgen. 

 

Harte Hitzeperiode

 

Die Waldbrandüberwachungszentralen des Landesbetriebs Forst Brandenburg sind vom 1. März bis zum 30. September besetzt. Der vergangene Sommer bedeutete für die heimischen Wälder hinsichtlich Trockenheit und Sonneneinstrahlung eine Härteperiode, die so bisher noch nicht dagewesen war. Dabei muss in die Betrachtung die gesamte Vegetationsperiode, also die Zeit von April bis September, einbezogen werden. Demnach ergibt sich ein Niederschlagsdefizit gegenüber dem langjährigen Mittel von zirka 150 Millimetern. Die Durch­schnittstemperatur liegt 2018 mit 3,8 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel. Dies stellt einen absoluten Rekord seit Beginn der Wetteraufzeichnungen dar. 

 

„Weiße Flecken“

 

Das Waldbrandgeschehen 2018 führt dazu, dass auch der Landesbetrieb Forst Brandenburg seinen Waldbrandschutzplan auf den Prüfstand stellt, um zukünftig noch besser gerüstet zu sein. Hierbei fließen die Erkenntnisse aller an der Waldbrandbekämpfung beteiligten Akteure ein. So sollen 36 zusätzliche Stellen für die Waldprävention in den Oberförstereien eingerichtet und der Waldbrandschutzplan hinsichtlich „weißer Flecken“ bei Löschwasserentnahmestellen und Brand- sowie Katastrophenschutzwegen überprüft werden. Zudem gilt es, Waldbrandschutzkonzepte für die Lieberoser Heide und Jüterbog (Altes Lager) zu erarbeiten und vorrangig umzusetzen.

 

Speziell in der Lieberoser Heide war am vergangenen Sonntag erneut ein Feuer ausgebrochen, das sich auf fünf bis sechs Hektar ausdehnte. Löscharbeiten wurden durch Munitionsfunde auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz erschwert. Als außerordentlich wichtig wird eine bessere Abstimmung mit den Landkreisen angesehen, da einzelne Naturschutzbehörden den Bau von Wegen für den Brand- und Katastrophenschutz erschweren. 

 

Nicht zuletzt geht es bei dem Zehn-Punkte-Plan um eine gemeinsame Empfehlung des Agrar- und Umweltministeriums und des Innenministeriums für die Landkreise bezüglich der Waldbrandgefährdung durch landwirtschaftliche Bewirtschaftung.

 

Während im Offenland eine vollständige ungebremste Austrocknung des Oberbodens und damit ein Vertrocknen der Bodenvegetation beobachtet wurde, trat dieser Prozess im Wald verzögert ein. Waldökosysteme haben ein höheres Pufferungsvermögen als das Offenland. Ab Mitte August wurden jedoch mehr und mehr Trockenschäden in den Wäldern sichtbar.

 

Deutliche Symptome

 

Vertrocknete Anpflanzungen und Verjüngungen, Einrollen der Laubblätter und ein Abwerfen der Kiefernnadeln waren zu beobachten. Dies sind Stressreaktionen der Bäume. Der diesjährige Witterungsablauf macht noch stärkere Bemühungen um präventive Waldbaumaßnahmen erforderlich. Das betrifft besonders die weitere Anreicherung der Kiefernreinbestände mit Laubholz. Hier ist besonders die Naturverjüngung wichtig, da diese bei Trockenheit deutlich widerstandsfähiger ist als gepflanzte Bäume. Hierzu müssen die regional noch überhöhten Wildbestände reduziert werden. Weiterhin sind die Anlage von Waldinnenrändern, auch als Waldbrandriegel, und die Verbesserung der Waldbrandüberwachung sowie vermehrte Anstrengungen im vorbeugenden Waldbrandschutz erforderlich.

 

Bei Waldbränden können Eigentümer Zuschüsse gemäß Paragraf 21 des Landeswaldgesetzes beantragen. Zudem sind Zuwendungen aus Mitteln der Walderhaltungsabgabe (Paragraf (9 und der sogenannten Forstrichtlinie möglich, die jährlich 5,3 Mio. € an Landes- und EU-Mitteln bereithält.

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