Ein Jahr mit Folgen

26.10.2018

© Wolfgang Herklotz

Staubtrocken war vielerorts der Boden zur Herbstbestellung. Zum Keimen fehlte Wasser.

Trotz sonnigem Erntewetter war 2018 für Landwirte in Südbrandenburg kein gutes Jahr. Nach den Starkniederschlägen des Vorjahres macht ihnen nun die Dürre weiterhin zu schaffen. Der wetterbedingt frühe Erntebeginn brachte bei Drusch-, Grassilage- und Heuernte enttäuschende Ergebnisse. Nutztierhalter geraten zusehends in Bedrängnis.

 

Mangelware Heu und Grassilage: Nach dem ersten Schnitt im Frühjahr war es vielerorts mit der Heu- und Grassilagenernte auch schon wieder vorbei. Aufgrund des fehlenden Regens fiel für die Mehrheit der Landwirte der zweite Schnitt komplett aus. Auch Hoffnungen auf einen dritten oder gar vierten Schnitt erfüllten sich für viele nicht. Selbst feuchtere Standorte im Spreewald, die im Vorjahr noch unter Wasser standen, konnten kaum Entspannung bieten. „So viele Anfragen nach Heu und Grassilage hatten wir noch nie“, berichtet Carmen Lorenz, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Südbrandenburg. „Auf unserer Futterbörse war selbst Spreewaldheu in kürzester Zeit vergriffen. Vor allem für tierhaltende Betriebe ist die Futtersituation in diesem Jahr besonders angespannt.“ 

 

Getreide in Gefahr: Auch beim Getreide schien 2018 das Glück nicht auf der Seite der Bauern. Insgesamt lag der Ertrag im Schnitt 30 % niedriger als der langjährige Durchschnitt. Preissteigerungen infolge des knapperen Angebots konnten die niedrigeren Erträge nicht ausgleichen und spitzen die Lage für Nutztierhalter weiter zu. „Auf dem Markt sind kaum bezahlbare Grundfuttermittel wie Gras-, Maissilage und Heu zu bekommen. Viele Betriebe weichen auf Zukauffuttermittel aus, die jedoch ebenfalls knapp und teuer sind“, bestätigt Thorsten Mohr vom Landesbauernverband Brandenburg. „Deutliche Trockenheitsschäden bis hin zu Totalverlusten beim Mais haben in vielen Betrieben die letzten Hoffnungen auf erfreulichere Ernteergebnisse zerstört“, schildert Lorenz. Nicht zuletzt die hohe Brandgefahr gerade in der Erntezeit sei für Landwirte eine zusätzliche Belastungsprobe gewesen. „Bei dieser Witterung kann sich selbst ein kleiner Funkenschlag am Schneidwerk in kürzester Zeit zum Brandsatz entwickeln.“

 

Verhaltene Aussichten: Entscheidend für das Jahr 2018/2019 ist der weitere Witterungsverlauf. „Der Winter muss deutlich feucht werden, um die Bodenwasservorräte vollständig aufzufüllen“, so Pflanzenbaureferent Thorsten Mohr. „Kulturen wie Wintergetreide und Raps, die im Herbst in die ausgetrockneten Böden gedrillt werden müssen, benötigen zum Keimen ausreichend Wasser“, erklärt Carmen Lorenz. „Doch Regen ist weit und breit nicht in Sicht.“ Viele Rapsbestände seien deshalb nicht oder nur sehr lückenhaft aufgelaufen. Für die Ernte 2019 werde mit landes-, bundes- und europaweit deutlich weniger Raps gerechnet. 

 

Trotz nicht gerade idealer Voraussetzungen bleibt Lorenz Optimistin. „Das ist das Los unserer Landwirte: Sie arbeiten mit der Natur auch bei schwierigem Wetter. Jetzt  mobilisieren sie alle Reserven und machen das Beste daraus.“

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