Druschstart für die Gerste

06.07.2017

© Wolfgang Herklotz

Ein prüfender Blick von Manfred Stahr, Henrik Wendorff und Dorsten Höhne (v. l.) auf die Gerste.

Lediglich 25 Bodenpunkte im Schnitt weisen die Flächen rund um Bönitz im Landkreis Elbe-Elster auf. Noch dazu liegen sie im „Bermudadreieck“ zwischen Berlin, Dresden und Leipzig, wie Manfred Stahr, Geschäftsführer der Röderland GmbH, augenzwinkernd anmerkt. „Außer Landwirtschaft ist hier nichts los!“ Umso höher ist der Stellenwert des 1991 aus einer LPG hervorgegangenen Unternehmens mit seinen beiden Tochtergesellschaften. Es beschäftigt insgesamt 37 Mitarbeiter sowie drei Azubis und bewirtschaftet 1 600 ha, auf denen vor allem Getreide, Mais und Raps angebaut werden. Zudem werden 450 Milchkühe sowie 350 Mutterkühe mit eigener Nachzucht gehalten.


Auf einem Schlag am Rande des Dorfes erfolgte hier Anfang voriger Woche der offizielle Auftakt zur diesjährigen Getreideernte. Die Bestände, allen voran die Gerste, haben sich gut entwickelt, die Bönitzer rechnen mit einem durchschnittlichen  Ertrag von 50 bis 52 dt/ha. „Abgerechnet wird aber erst zum Schluss“, betonte Manfred Stahr. Mit Ernteausfällen wie im Vorjahr durch Hagelschlag müsse immer gerechnet werden. Wenige Tage zuvor hatte es in Bönitz ein Unwetter gegeben, dem das Dach der Lagerhalle  auf dem Betriebsgelände zum Opfer fiel. Zum Glück wurde niemand verletzt, und auch der neue Mähdrescher in der Halle kam mit ein paar Schrammen davon. Der Drusch konnte also wie geplant beginnen, zumal die Gerste trotz der Niederschläge kaum Lagerstellen aufwies. 


Die Region gehört zu den Frühdruschgebieten des Landes, informierte  Dorsten Höhne, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster. „Bei uns ist die Ernte meist schon in vollem Gange, wenn anderswo die Mähdrescher noch in Bereitschaft stehen. Aber auch wir sind auf jeden Doppelzentner Getreide, ja auf jedes Korn angewiesen!“


Doch laut Landesbauernverband muss in diesem Jahr mit Einbußen gerechnet werden, zumal die Anbaufläche für Getreide leicht gesunken ist. Diese liegt aktuell bei 487 000 ha, was einem Minus von 2,3 % entspricht. LBV-Präsident Henrik Wendorff geht davon aus, dass im konventionellen Landbau rund 2,45 Mio. t Getreide geerntet werden. „Das sind rund zehn Prozent weniger als im Vorjahr und mehr als sechs Prozent unter dem Durchschnittsnivau der vergangenen fünf Jahre!“


Die erwarteten Erträge der konventionellen Betriebe werden nach Einschätzung des Landesbauernverbandes unter dem Fünfjahresmittel liegen, während die ökologisch wirtschaftenden Unternehmen von einer Mengensteigerung um bis zu sechs Prozent zum Vorjahr ausgehen können. Eine gute Nachricht für sämtliche Landwirte dürfte sein, dass sich die Erzeugerpreise zumindest leicht erholt haben. In den vergangenen Wochen zeichnete sich ab, dass die Preise insbesondere für Roggen und Gerste     etwas höher liegen als für andere Kulturen. „Dennoch müssen wir konstatieren, dass die Steigerungen für uns noch nicht ausreichen, um auskömmlich zu leben, selbst wenn die Betriebsmittel wie Mineraldünger und Diesel zuletzt günstig waren“, betonte Wendorff. „Allerdings bestimmt der Weltmarkt die Preise, und dort stehen gute Ernteaussichten in allen Getreideanbauregionen steigenden Preisen entgegen.“


Bemerkenswert ist zudem, dass zum ersten Mal seit 1991 der  Winterweizen den Roggen als anbaustärkste Kultur Brandenburgs verdrängt hat. Er wächst auf rund 173 000 ha, was einem Plus von 4 000 ha  zum Vorjahr entspricht.  Dies liegt nicht nur an der günstigen Marktsituation, sondern auch an der Züchtung neuer Sorten, die für leichte Böden besser geegnet sind.


Erntekönigin Anne Schubert warb um Verständnis, dass in den kommenden Wochen wieder verstärkt Mähdrescher, Traktoren und Hänger auf den Straßen unterwegs sein werden. „Um die Ernte sicher zu bergen, ist viel Rücksicht und Kompromissbereitschaft erforderlich!“

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