"Die Kälber sind weg!"

13.07.2016

© Wolfgang Herklotz

Wann kommen die Diebe wieder? Diese Frage beschäftigt Daniel Schacht, hier mit Christiane Vollert (Bild oben rechts).

Nein, nicht schon wieder! Das war der erste Gedanke von Christiane Vollert, als sie gegen drei Uhr morgens vor dem Stall stand und sofort sah, dass da etwas nicht stimmte. Das Tor weit offen, der Radlader vom Typ Weidemann mitten im Silo „geparkt“ … Nein, so hatten die Kollegen ihren Arbeitsplatz garantiert nicht verlassen. Wenig später dann die traurige Gewissheit: In der Milchviehanlage war eingebrochen worden! Es fehlte der mobile Melkwagen, vor wenigen Wochen erst angeschafft. Offensichtlich hatten die Langfinger auch versucht, den Traktor abzuschleppen und dabei den Weidemann arg ramponiert. Die Reifen waren zerschlitzt, und die Kolbenstange war verbogen, wie sich später herausstellte. Dafür hatten die Einbrecher noch einiges mitgehen lassen: Milchpulver, diverse Zubehörteile und Mittel, die man für die Behandlung der Tiere so benötigt. War denn vor den Dieben nichts mehr sicher?


Während Christiane Vollert auf die sofort alarmierte Polizei wartete, kam ihre Kollegin, die inzwischen nach den Tieren schauen wollte, und überbrachte die nächste Hiobsbotschaft: „Die Kälber sind weg!“ Verwaist waren die kleinen Abteile, in denen der nahezu komplette Nachwuchs untergebracht worden war: 18 Tiere im Alter von zwei bis 14 Tagen. Lediglich ein Kälbchen, das sich an einer anderen Stelle im Stall befand, blieb vom Beutezug verschont. Ein schwacher Trost nur, zumal die in Dornswalde bei Baruth ansässige DAREZ Agrar GmbH im Landkreis Teltow-Fläming nun zum wiederholten Male von Dieben heimgesucht worden war. Diese ließen nicht nur einen Radlader und ein Milchtaxi sowie weitere Technik mitgehen, sondern im Vorjahr auch vier Paletten Maissaatgut im Wert von 10 000 Euro. „So was nimmt man doch nicht eben mal mit. Hier sind offensichtlich Profis am Werk, die gezielt und im Auftrag Sachen entwenden“, vermutet Daniel Schacht, der Geschäftsführer des Betriebes.

 

Jeder Ausfall schlägt zu Buche


Der 31-Jährige war geschockt, als er im Urlaub die Nachricht vom jüngsten Einbruch erhielt. „Nun werden sogar noch Tiere aus dem Stall geklaut. Das ist so dreist und hat uns gerade noch gefehlt!“ Denn der Betrieb, der rund 1 000 Hektar bewirtschaftet und neben Getreide und Stärkekartoffeln vor allem Futter für seine 310 Kühe anbaut, ist wie viele Milcherzeuger im Land von der Milchpreismisere stark betroffen. Lediglich 22 Cent erhalten die Landwirte aus Dornswalde pro Liter Milch, die sie an die Molkerei im sächsischen Leppersdorf liefern. Ein Verlustgeschäft ohne Aussicht auf baldige Besserung. Doch auszusteigen kommt nicht infrage. Vor drei Jahren erst hat der Betrieb in moderne Technik investiert und fünf  Melkroboter angeschafft. Damit konnte zwar das leidige Problem des fehlenden Melkernachwuchses angegangen werden. Doch der in den nächsten Jahren zu leistende Kapitaldienst ist immens. Da schlägt jeder finanzielle Ausfall negativ zu Buche. Der Verlust durch die rund 2 000 Euro teure Melkanlage und die gestohlenen Kälber, der sich je nach Marktlage zwischen 180 und 200 Euro je Tier bewegt, ist aber nur das eine. Weit mehr quält den Geschäftsführer, der Agrarwirtschaft in Dresden studiert hat und seit März vergangenen Jahres die Verantwortung für den Betrieb trägt, die  Frage: „Wann kommen die Diebe wieder?“

 

Tat darf nicht weiter Schule machen


Zwar hat die Polizei nach dem jüngsten Einbruch sofort Spuren gesichert und Ermittlungen aufgenommen, doch bisher keinerlei Hinweise auf die Täter bekommen. Es gab keine Zeugen, die irgendetwas von der dreisten Aktion mitbekommen haben. Fest steht nur, dass die Milchviehanlage am Rande von Dornswalde in den Nachtstunden vom 26. zum 27. Juni heimgesucht worden war. Durchaus denkbar, dass die Einbrecher die nahe gelegene Autobahn A 13 genutzt hatten, um schnell mit der Beute zu verschwinden. Und dass die Tat weiter Schule machen könnte.


Das aber will Geschäftsführer Schacht um jeden Fall verhindern. Einen Wachschutz mit der Sicherung der Anlage zu beauftragen sei zwar mit immensen Kosten verbunden. Eine mögliche Konsequenz bestehe auch darin, eine Kamera mit Bewegungsmelder im Inneren des Stalls zu installieren. „Wir lassen uns aber auf jeden Fall etwas einfallen“, versichert Schacht. „Die Diebe müssen wissen, dass sie nicht einfach wieder so hereinspazieren können.“  

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