Chance für Nachwuchs

02.07.2015

© Padraig Elsner

Beim Lehrlingstreffen in der Gemüsegärtnerei hatte Hanspeter Frucht (M.). viel zu erklären.

Junge Menschen scheinen sich vom Obst und Gemüseanbau abzuwenden. Im Jahr 2004 begannen noch 285 Lehrlinge in Brandenburg eine Ausbildung zum Gärtner. Zehn Jahre Später sind es nur noch 74. Dies geht aus einer Antwort von Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger auf eine parlamentarische Anfrage hervor. Darunter finden sich keine Obst und Gemüsebauern, die meisten lernen Garten und Landschaftsbau oder Zierpflanzengärtnerei.
Eine Alternative zu einem geprüften und gut ausgebildeten Gemüsebauer gibt es kaum. Aber es gibt alternative Wege dorthin. Einer davon ist die sogenannte Freie Ausbildung des Anbauverbandes Demeter. Um diese besser kennenzulernen,  besuchte ich ein Lehrlingstreffen bei der Gemüsegärtnerei Heimen und Frucht GbR in Libbeninchen. Die Freie Ausbildung dauert vier Jahre, nach den ersten zwei Jahren wechselt der  Lehrling in der Regel den Betrieb. So können die Schüler unterschiedliche Betriebsstrukturen und Schwerpunkte kennenlernen und diese miteinander vergleichen. Auch gilt es eine praktische Zwischenprüfung und eine Abschlussprüfung abzulegen, erklärt Hanspeter Frucht, Leiter des rund 13 ha großen Demeterbetriebs. Die Abschlussprüfung umfasst die theoretische Behandlung einer selbst gewählten Problemstellung. So können zum Beispiel Düngeversuche durchgeführt und ausgewertet werden. Die Ergebnisse werden dann in einem Abschlussbericht präsentiert. Theoretisches Wissen wird nicht in der Berufsschule vermittelt. Es obliegt dem Lehrling selbst, sich dieses Wissen anzueignen. Dafür wird er an einem Tag in der Woche von der Arbeit auf dem Hof freigestellt. Es ist nicht unüblich, dass während der Freien Ausbildung auch die staatlich anerkannte Prüfung zum Gärtner abgelegt wird, weiß Hanspeter Frucht, selbst Gärtnermeister mit 23 Jahren Berufserfahrung. Eine wichtige Rolle bei der Ausbildung spielen Seminare und Lehrlingstreffen. Hier wird in Vorträgen und Feldgängen theoretisches Wissen vermittelt.


Beim heute behandelten Thema  geht es um die Düngewirkung von Zwischenfrüchten wie Lupinen oder Kleegrass. Die Gemüsefelder von Hanspeter Frucht bieten dafür bestes Anschauungsmaterial. Nach einem Vortrag wird der Lupinenbestand betrachtet. Danach sind die Radieschen an der Reihe, welche nach dreijährigem Kleegrasanbau sehr gut im Ertrag stehen. Mit großem Interesse verfolgen die rund 15 Jugendlichen die Erläuterungen von Betriebsleiter Frucht zum richtigen Zeitpunkt des Einarbeitens der Zwischenfrucht, aber auch zur Vermarktung der ertragreichen Radieschen. Aufmerksam hören die jungen Leute zu. Schnell wird klar, warum die Freie Ausbildung keine Nachwuchssorgen hat. Es ist der Reiz der Gemeinschaft, in der die jungen Menschen ihre grüne Leidenschaft teilen können. Rund 60 Lehrlinge der Freien Ausbildung gibt es derzeit in Brandenburg, und immer mehr interessieren sich für die Gärtnerei. Warum gerade hier der Gemüseanbau so angesagt ist, kann sich Hanspeter Frucht nicht erklären. Doch für Lehrlinge in Gärtnereien sind in der Regel auch Praktika in Betrieben mit dem Schwerpunkt Viehhaltung vorgesehen.


Die jungen Menschen bringen das Interesse an der Landwirtschaft mit und wollen diese hautnah erleben und praktisch erlernen. So wie Theo Kaczmarczyk, der sein Studium an der Hochschule Eberswalde zugunsten der Freien Ausbildung aufgegeben hat.  Bewusst hat er Hörsaal gegen Gemüsebeet eingetauscht und schätzt besonders die praktische Arbeit während der Ausbildung. Für die Theorie nutzt er gerne die Hochschulbibliothek in Eberswalde. Dass er sich diese Lernzeit selbst einteilen kann, ist für ihn ein großer Vorteil.  Die Verbundenheit zur Natur und Landwirtschaft teilt er auch mit Florian Wohlfahrt, seit zwei Jahren in der Freien Ausbildung. Er gewann in den letzten zwei Jahren viel Selbstvertrauen, weil er auch anspruchsvolle praktische Aufgaben meistern konnte. Im Gespräch wird deutlich, dass er auf das von ihm Geleistete und Gelernte sehr stolz ist.


Die jungen Teilnehmer des Lehrlingstreffens zeigen, dass noch viel Interesse und Begeisterung für die Grünen Berufe in der neuen Generation steckt. Die Freie Ausbildung bietet eine gute Alternative für junge Menschen, die die ökologisch dynamische Landwirtschaft praktisch erlernen möchten. Jedoch sollte neben der Ausbildung eine staatlich anerkannte Prüfung abgelegt werden. Denn diese wird auf dem Arbeitsmarkt stets gefordert.

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