Bibers Bau sorgt für Verdruss

10.04.2017

© Wolfgang Herklotz

Unglaublich, dass ein possierliches Tier solch ein gewaltiges Bauwerk errichten kann. Denn es steht außer Zweifel, dass es der Biber war, der im Gamengrund bei Gielsdorf im Landkreis Märkisch-Oderland Zweige und teilweise dicke Äste kunstvoll zu einem massiven Damm aufgeschichtet hat. Dieser ist nicht nur fast ein Dutzend Meter breit, sondern auch einen guten Meter hoch. Dadurch wurde der sonst eher geruhsam dahin plätschernde  Graben aufgestaut – mit dem Ergebnis, dass seit Monaten eine beträchtliche Fläche in dem Waldstück unter Wasser steht. Dieses drückt auch auf die angrenzenden Wiesen, die mittlerweile stark vernässt sind.


Direkt davon  betroffen ist Landwirt Hans Kahns. Er hat die Flächen, alles in allem rund 35 ha, gepachtet, um hier Futter für seine Pferde zu produzieren. Die sensiblen, teilweise unter Naturschutz stehenden Flächen sind als Weide für die Lewitzer Schecken nicht geeignet, deshalb können die Wiesen nur abgemäht werden. Doch es ist derzeit undenkbar, den Aufwuchs in absehbarer Zeit zu ernten. Schon im Herbst vergangenen Jahres begannen die Probleme, betont Hans Kahns. „Es war unmöglich,  den zweiten Schnitt zu bergen.“ Mittlerweile belaufen sich die Verluste bei der Futterversorgung auf mehr als 3 000 €, berichtet der 70-Jährige.


Zwar habe er bereits im Spätherbst die Biberbeauftragten des Landes informiert, die dann gekommen waren, um den Damm zu fotografieren. „Aber das war es dann auch schon!“  Am 7. Februar dieses Jahres richtete seine Frau Manuela Görke-Kahns,  Betreiberin des Scheckengestüts Gielsdorf, ein Schreiben an die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt.  Darin stellte sie den Antrag, den Grabendurchfluss wieder herzustellen, um die Wiesenflächen weiterhin landwirtschaftlich nutzen zu können. Aber bis auf den heutigen Tag erhielten weder sie noch ihr Mann eine Antwort darauf.


Auf Nachfrage der BauernZeitung verwies Rainer Schinkel, Beigeordneter und Fachbereichsleiter I, darauf, dass es sich um ein laufendes Verfahren handele. „Im Vorfeld der Antragstellung wurde Herrn Kahns erläutert, dass eine Beseitigung des Biberdammes nur dann erfolgen kann, wenn durch den Stau des Wassers ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden verursacht wird. Den entsprechenden Nachweis muss der Antragsteller erbringen, doch das ist bisher nicht erfolgt.“


Wie der Beigeordnete weiter mitteilte, gab es im November vergangenen Jahres und Anfang 2017 eine Ortsbesichtigung der besagten Fläche. Dabei wurde festgestellt, dass Teile der Mähwiese vernässt sind und eine Bewirtschaftung nur erschwert möglich ist. Rainer Schinkel: „Nach Aktenlage der Unteren Naturschutzbehörde, also ohne den erwähnten Nachweis des Antragstellers, liegt jedoch kein erheblicher wirtschaftlicher Schaden vor, da nur Teilflächen des Betriebes in einem geringen Umfang betroffen sind.“ Zudem wären die Flächen in dem durch hohe Grundwasserstände betroffenen Gamengrund ohnehin regelmäßig feucht. Schinkel verteidigte den Biberdamm, weil dieser den Wasserrückhalt in der Landschaft sowie die Grundwasserneubildung unterstütze. In den letzten Jahren seien die Grundwasserstände und Wasserstände der aus diesem Gebiet gespeisten Seen und Fließgewässer erheblich gesunken. Selbst wenn der Schadensnachweis noch kurzfristig erfolge, so Schinkel, „könnte insoweit nur eine Ablehnung des Antrags er­folgen“.


Was Hans Kahns mit einem heftigen Kopfschütteln kommentiert.  „Da wiehert wieder einmal der Amtsschimmel. Im Klartext: Der Biber kann also weiter die Landschaft unter Wasser setzen, und unsereins bleibt auf den Kosten sitzen!“ Er würde zu gern wissen, wie die Herren von der Naturschutzbehörde reagieren, wenn mindestens dreitausend Euro in ihrer eigenen Brieftasche fehlen, sinniert der Landwirt.


Eigentlich sei ja der Schaden durch die Biberbeauftragten schon ausreichend dokumentiert  worden, erklärt Hans Kahns. Unabhängig davon werden er und seine Frau noch einmal genau auflisten, wie viele Flächen durch den Biberbau von Vernässung betroffen sind und in welcher Größenordnung deshalb Futter zugekauft werden muss. Viel wichtiger als ein Schadensausgleich  sei, den Grabendurchfluss wieder herzustellen und endlich zu reagieren. „Redet mit uns“, so die Botschaft der Gielsdorfer an die Naturschutzbehörde.

Themen: Biber, Bau, Damm, Gielsdorf

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr