Bestände unter Trockenstress

26.06.2018

© Wolfgang Herklotz

Der Drusch der Wintergerste steht bevor. Vielerorts sind die Bestände notreif.

Manfred Stahr, Landwirtschaftliche Unternehmensgesellschaft Röderland GmbH Bönitz, Landkreis Elbe-Elster:

Eigentlich sind wir ja Kummer gewohnt auf unseren sandigen Böden im „Bermudadreieck“ zwischen Berlin, Leipzig und Dresden. Doch die wochenlange Trockenheit hat uns dieses Jahr zugesetzt wie lange nicht. Die Niederschläge vor ein paar Tagen haben die Situation nicht verbessern können, zumal sie sehr unterschiedlich ausfielen. Der Weizen ist zu 80 % geschädigt, die Wintergerste stellenweise notreif, und auch unsere Hauptkultur, der Roggen, hat gelitten. Ob wir den noch als Brotgetreide vermarkten können, ist mehr als fraglich. Qualitäts- und Ertragseinbußen werden wir auch beim Raps hinnehmen müssen, das steht jetzt schon fest. Bei der Ölfrucht werden wir wohl nur zehn bis fünfzehn Doppelzentner vom Hektar ernten können. Wir können nur hoffen, dass von der angekündigten wechselhaften Witterung noch der Mais und die Sonnenblumen profitieren. Zum Glück haben wir Reserven, um unsere Kühe und die Biogasanlage zu versorgen. Dennoch haben wir uns entschieden, auf 80 beregneten Hektar zusätzlich Ackergras anzubauen, um wenigstens im September noch einen ordentlichen Schnitt einzufahren. Der erste war ja einigermaßen, der zweite aber schon eine Katastrophe. Eine Konsequenz nach den diesjährigen Wetterkapriolen muss sein, flexibler auf die Trockenheit reagieren zu können. Wir haben zwar schon 100 Hektar unter Beregnung, aber das reicht nicht. Den Anteil wollen wir mindestens verdoppeln.



Marianne Wille, Herdzuchtbetrieb Galloway vom Preussenhof in Heiligengrabe, Landkreis Ostprignitz-Ruppin:

Der Mai hat uns auf unseren sandigen Böden gerade mal 17 Liter pro Quadratmeter beschert, im Juni waren es bislang nur vier. Es waren Gewittergüsse, die nur wenig bewirkten. Die Sonne und der ständige Wind sorgten für zusätzlichen Stress. Um zu verhindern, dass der Grasaufwuchs auf unseren Wiesen und Weiden verbrennt, machen wir Heu ohne Ende. Kaum zu holen ist etwas von den anmoorigen Flächen, die im Winter unter Wasser standen. Die Nährstoffe wurden rausgeschwemmt, kein ergiebiges Futter also für unsere Galloways. Nur gut, dass wir noch über genügend Reserven verfügen. Richtig Sorgen mache ich mir aber um das Getreide, das bei uns auf rund 90 Hektar steht. Vor allem Roggen und Weizen haben unter der Trockenheit gelitten. Der Hafer stand anfangs noch ganz ordentlich, als er aber in die Kornfüllungsphase kam, fehlte das Wasser. Der Mais auf 50 Hektar ist ebenfalls gestresst, dreht schon die Blätter ein. Er könnte aber noch davon profitieren, wenn es in den nächsten Tagen endlich Regen gibt. Beim Getreide sind jedoch keine Wunder mehr zu erwarten. Wir werden mindestens ein Drittel des üblichen Ertrags einbüßen, vielleicht sogar die Hälfte. Das müssen wir hinnehmen, so weh es tut.

Thomas Domin, Familienbetrieb in Peickwitz, Landkreis Oberspreewald-Lausitz:

Ich hätte mir in den vergangenen Wochen natürlich auch mehr Regen gewünscht, obwohl meine Flächen noch einigermaßen was abgekriegt haben. Die Niederschlagsmengen sind in diesem Jahr regional extrem unterschiedlich verteilt. Am vergangenen Sonntag fielen hier elf Liter pro Quadratmeter, in Cottbus kam das Fünffache runter und setzte Keller unter Wasser. Problematisch wird es auf unseren grundwasserfernen Kippenflächen. Unter normalen Bedingungen ernte ich dort beim Roggen etwa 30 Dezitonnen pro Hektar, in diesem Jahr muss ich mit Ertragsverlusten bis zu 50 Prozent rechnen. Die stehen auch bei der Luzerne zu Buche, die ich vor zwei Wochen gemäht habe. Es war außerordentlich schwierig, den richtigen Schnittzeitpunkt abzupassen. Durch das zeitige Frühjahr ist die Luzerne sofort in die Blüte gegangen, der rasche Temperaturanstieg war alles andere als vorteilhaft. Dadurch entsteht eine Lücke bei der Futterversorgung meiner Rinder, die ich anderweitig schließen muss. Nicht ganz so gravierend sind die Ausfälle beim Hafer, der auf sechs Hektar steht und an mein Wassergeflügel verfüttert wird. Da hat der Silomais für die Biogasanlage schon einen ganz anderen Stellenwert. Doch bislang sehen die Pflanzen noch relativ gut aus. Wenn es in den nächsten Tagen Regen geben sollte, wird sich die Situation hoffentlich entspannen. Außerordentlich interessant dürfte es werden, die diesjährigen Erträge flächenbezogen auszuwerten. Seit drei Jahren arbeite ich mit Agrarholzstreifen im Rahmen eines Forschungsprojekts. Die Gehölze liefern nicht nur Biomasse, sondern schützen auch vor Wind und Erosion. Man kann davon ausgehen, dass auf den Flächen zwischen den Baumstreifen höhere Erträge erzielt werden. Je nach Lage binden die Gehölze das Wasser und reduzieren die Verdunstung. Wie sich das gerade in niederschlagsarmen Zeiten auswirkt, wird sich zeigen.

Sascha Philipp, Landgut Pretschen, Dahme-Spreewald:

Die Vorsommertrockenheit hat uns schon im Vorjahr zu schaffen gemacht, allerdings schlägt sie in diesem Jahr noch heftiger zu Buche. Im Mai fielen maximal zehn Liter pro Quadratmeter, im Juni waren es bisher 25 Liter. Die kamen in unserer Flur zum Glück nicht so sintflutartig herunter, sondern verteilt über drei Tage. Das Niederschlagsdefizit bleibt dennoch immens. Beim Winterroggen müssen wir mit Mindererträgen von etwa 30 Prozent rechnen, bei den Sommerungen sieht es nicht viel besser aus. Stark betroffen sind vor allem Buchweizen und Futtergemenge, die wir im Mai gesät haben und die jetzt erst langsam aufgehen. Andere Sommerkulturen wie Linsen werden wir beregnen, aber nur zu einem geringen Anteil. Wir können eine Fläche von rund 100 Hektar bewässern, auf der vor allem Feldgemüse wächst, und das hat nun mal Vorrang. Interessanterweise ist der Mais bisher noch gut mit der Trockenheit zurecht gekommen, zumindest auf den besseren Böden. Wir haben es jedoch zumeist mit leichten Sandböden zu tun. Das stellt unseren Ökobetrieb vor große Herausforderungen, in diesem Jahr ganz besonders.

Frank Groß, Agrargenossenschaft Ranzig, Landkreis Oder-Spree:

Sorgen machen uns vor allem die großen Einbußen bei der Futterproduktion in diesem Jahr. Wir werden wohl nur knapp die Hälfte von dem ernten können, was wir sonst von den Wiesen und Weiden holen. Der zweite Schnitt ist nahezu ausgefallen. Wir haben auf rund 200 Hektar planmäßig Feldfutter umgebrochen und dort Mais nachgedrillt, aber der hat unter der Trockenheit ebenfalls stark gelitten. Das Futter für unsere Milchkühe zu sichern, hat Vorrang. Deshalb haben wir reagiert und 80 Hektar Roggen in Ganzpflanzensilage umgewandelt. Diese Kultur ist jetzt so gut wie notreif, wir werden nächste Woche sicherlich mit dem Drusch beginnen. Mit rund 30 Prozent Einbußen müssen wir rechnen, mit 20 bis 25 Prozent beim Roggen. Auch beim Raps dürften die Erträge bescheiden ausfallen, weil gerade während der Kornfüllungsphase die Niederschläge fehlten. Doch die Ölfrucht berappelt sich oftmals wieder. Sie war mehr schlecht als recht über den Winter gekommen, ein Umbruch im Frühjahr kam dann aber doch nicht infrage.

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