Auftakt zu Winterschulungen

14.11.2016

© Wolfgang Herklotz

Im Podium: Hermann Onko Aeikens, Volker Bruns, Norbert Schmitz, Alfons Balmann, Eberhard Knobbe und Andreas Eisen (v. l.).

Welche Auswirkungen hat die Agrarkrise auf den Bodenmarkt? Ist es richtig, wenn der Staat regulierend eingreift, um einem weiteren Anstieg der Bodenpreise zu begegnen und ortansässigen Landwirten einen Zugang zu den Flächen zu ermöglichen? Darüber diskutierten Politiker, Wissenschaftler und Landwirte im Märkischen Ausstellungs- und Freizeitzentrum Paaren im Glien auf Einladung des Genossenschaftsverbandes. Die Veranstaltung diente als Auftakt für die diesjährige Winterschulung der Genossenschaften.  


Zweifellos ist der Boden mehr denn je ein Objekt der Begierde.  Es hat sich eine regelrechte  „Preisrallye um Ackerland“ ent­wickelt, wie René Rothe, Vorstandsmitglied des Genossenschaftsverbandes, einführend anmerkte. Landwirte konkurrieren immer stärker um eine immer geringer werdende Fläche, während der Boden zudem immer stärker als Geldanlage genutzt wird.  Dennoch folgen die Preise ökonomischen Rahmenbedingungen. Die Politik kann hier nur bedingt wirksam werden, so die Einschätzung von Professor Alfons Balmann, Direktor des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)  in Halle/Saale. „Die Realität ist äußerst komplex. Diskussionen folgen oft Partialinteressen, und die Gefahr ist groß, dass die Politik versagt.“


Wirtschaft und Politik, so Balmann weiter, sollten deshalb eigene Defizite aufgreifen. Dazu gehöre, die  Benachteiligung kleiner Bodeneigentümer beziehungsweise Verpächter zu korrigieren, ebenso Fehllenkungen wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Als wichtige Aufgabe bezeichnete es Balmann, die Kultur des Generationswechsels zu unterstützen.


„Für die Marktregulierung ist das Kartellamt zuständig, dafür brauchen wir die Politik nicht“, knüpfte Eberhard Knobbe an den Vortrag des Wissenschaftlers an. Der langjährige Vorstand der Harslebener Agrargenossenschaft eG, nunmehr im Ruhestand, erläuterte die Strategie des Betriebes in Sachsen-Anhalt zu Flächensicherung. Das Unternehmen bei Halberstedt bewirtschaftet rund 5 000 Hektar mit einer durchschnittlichen Ackerzahl von 80, die meisten Flächen sind langfristig gepachtet. „Die Pachtthematik ist sehr sensibel, da darf sich die Politik nicht einmischen“, betonte Knobbe. Die Genossenschaft lege großen Wert auf gute Beziehungen zu den rund 1 300 Verpächtern. Dazu gehören regelmäßige Hoffeste und die Unterstützung von Vereinen ebenso wie Pachtsonderzahlungen nach erfolgreichen Ernten. Entscheidend sei aber auch, die Flächen so zu bewirtschaften, dass sie in einem sehr guten Zustand bleiben. Versuchen der Landesregierung, über das Agrarstukturgesetz Einfluss zu nehmen, erteilte Knobbe eine entschiedene Abfuhr. „Das richtet sich gegen Betriebe wie den unseren, weil wir dadurch enteignet würden.“


Dem widersprach Dr. Hermann  Onko Aeikens, langjähriger Agrarminister in Sachsen-Anhalt. Der jetzige Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium wies darauf hin, dass die vorgesehene Gesetzesregelung lediglich darauf abziele, Lücken im Grundstückverkehrsgesetz zu schließen und das Bodenrecht weiterzuentwickeln. Es gehe darum, hiesigen Landwirten den Zugang zum Boden zu erleichtern, ihn für Investoren von außerhalb aber zu erschweren. „Mit Enteignung hat das nichts zu tun“, versicherte Aeikens  beim Podiumsgespräch am Nachmittag.


Für eine Regulierung des Bodenmarktes sprach sich auch Volker Bruns, Geschäftsführer der Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern, aus. „Es geht darum, eine ungesunde Konzentration an Eigentum zu verhindern. „Unser Auftrag ist es, die Agrarstruktur im Land zu verbessern, und genau das tun wir.“ Weil es in Brandenburg keine Landgesellschaft gibt, die Boden für hiesige Landwirte vorhält, will die Volks- und Raiffeisenbank hier ein Gemeinschaftsprojekt auf den Weg bringen. Geplant ist die Gründung einer von der Bank finanzierten Bodengenossenschaft, die Land erwirbt und langfristig an hiesige Betriebe verpachtet, informierte  Norbert Schmitz von der VR-Bank Fläming eG Luckenwalde. „Die Pacht erfolgt zu ortsüblichen Preisen, nach zwölf Jahren besteht die Option zum Kauf.“


Nach einer intensiven, teils kontroversen Diskussion wies Dr. Andreas Eisen, Bereichsleiter beim Genossenschaftsverband, auf die wichtige Rolle der Genossenschaften hin. Eine Ungleichbehandlung gefährde den ländlichen Raum. „Gewachsene Strukturen, Mehrfamilienbetriebe und Eigentümerrechte dürfen nicht  vernachlässigt werden!“

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