Attacken auf das Damwild

25.03.2015

© Sabine Rübensaat

Damwildkälber bei Wolfsattacken getötet.

Das Gut Hirschaue mit seinem rund 185 Hektar großen Wildgatter ist längst über die Grenzen Brandenburgs bekannt.   Hier werden  mehr als 1 000 Dam- und Rotwildtiere, aber auch Mufflons und Sattelschweine gehalten. Der nach Prinzipien des Ökolandbaus wirtschaftende Betrieb in Birkholz betreibt eine erfolgreiche Direktvermarktung. Anfang März machten die Mitarbeiter jedoch eine schreckliche Entdeckung. Sie fanden im Gatter acht getötete sowie sieben schwer verletzte Damwildkälber vor, die eingeschläfert werden mussten. Der Wolf, daran gab es keine Zweifel, hatte zugeschlagen. Wenige Nächte später gab es eine erneute Attacke Isegrims, der ein weiteres Kalb zum Opfer fiel. Zugleich meldete die Agrargenossenschaft Pfaffendorf Verluste bei ihrer Wildtierhaltung.

In beiden Gattern wurden Genetikproben sichergestellt und an das Forschungsinstitut Senckenberg überwiesen, um Wölfe zweifelsfrei als Verursacher zu identifizieren. Das Landesumweltamt sagte zu, nach Eingang der Ergebnisse die Anträge auf Entschädigung kurzfristig zu bearbeiten. Dabei ist der monetäre Schaden noch überschaubar, obwohl es schwierig werden dürfte, gleichwertigen Ersatz an Biokälbern zu bekommen, betont Henrik Staar vom Gut Hirschaue. „Wir haben schließlich  vertragliche Verpflichtungen mit dem Naturkosthandel, denen wir nachkommen müssen.“ Das viel größere Problem bestehe  jedoch darin, einen noch wirksameren Schutz des Dam- und Rotwildes hinzubekommen. „Dafür werden wir viel Geld in die Hand nehmen müssen. Bisher ist unklar, in welchem Umfang wir dabei auf Fördermittel zurückgreifen können.“

Das Wildgatter ist derzeit  durch einen zwei Meter hohen Außenzaun auf elf Kilometer Länge gesichert, den der Wolf untergraben hatte. Um das zu verhindern, müsste der Zaun noch  einen 50 cm tief im Boden eingelassenen Schutzstreifen erhalten. Dies ist aber kurzfristig nicht zu realisieren. Als Sofortmaßnahme wurde ein Teil des Geheges in Birkholz im Innenbereich mit einem Elektrozaun versehen. In den kommenden Wochen und Monaten soll  eine bodennahe Strom führende Litze das Gehege komplett vor Wolfsübergriffen schützen.   Für die Finanzierung des wolfssicheren Zaunes können die Landwirte laut Agrarministerium Anträge nach der Richtlinie „Natürliches Erbe“ stellen. Diese soll nach Genehmigung durch die Europäische Kommission in diesem Jahr wieder in Kraft gesetzt werden. In dem Falle werden besagte Zäune unter dem Stichwort „Investition zur Schaffung von Akzeptanz für geschützte Tierarten“ zu 100 % gefördert.
 
Doch das kann dauern, meint Henrik Staar. „Und bis dahin hat der Wolf schon wieder neuen Schaden in der Wildtierhaltung angerichtet, wenn wir keine wirksamen Gegenmaßnahmen ergreifen.“ Im Zeitraum 2000 bis Februar 2015 wurden in 126 Fällen Wolfsübergriffe auf Nutztierbestände nachgewiesen. Insgesamt 484 Nutztiere, vor allem Schafe, waren betroffen.


Für alle interessierten Tierhalter im Landkreis Oder-Spree wird es im Anschluss an die Schulung zum Agrarförderantrag 2015 am 2. April ab 11 Uhr im Schützenhaus Beeskow  eine Informationsveranstaltung des Landesamtes für Umwelt geben.

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