Attacke auf die Deichpfleger

11.09.2015

© Sabine Rübensaat

Kein Einzelfall: Ein ganzes Wolfsrudel ist über die Schafe bei Forst hergefallen und hat kaum noch etwas übrig gelassen.

Nach Kormoran, Fischotter und Biber setzt nun auch der Wolf dem Teichwirt Christoph Junghanns zu. In der Nacht vom 2. zum 3. September haben Wölfe des Teichland-Rudels in der Teichwirtschaft Eulo bei Forst vier Schafe gerissen. Eine kleine Herde von insgesamt zehn Schafen grast seit Jahren zwischen den Teichen. Die „biologischen Rasenmäher“ halten die Vegetation auf den Teichdämmen kurz und sichern deren Standfestigkeit. Diese sanfte Grünpflege hilft, Kosten der Teichpflege zu senken.


Bislang gab es in den Teichen nur Probleme mit gefräßigen Fischliebhabern wie Kormoran, Silberreiher und Fischotter. In den letzten Jahren kam der Biber hinzu, dessen Grabungen in den Teichdämmen zu Dammbrüchen führen können und ständig repariert werden müssen. „Dass uns jetzt auch noch Wölfe zusetzen, bringt das Fass zum Überlaufen!“, so Christoph Junghanns.

 

Bittere Ironie des Schicksals


Gemeinsam mit Sohn Benjamin verbringt er täglich Stunden damit, Kormoranschwärme möglichst schnell von den Teichen zu vertreiben und so ihren ­Fischertrag zu schützen. Zugleich müssen sie ständig nach vom Biber verursachten Schadstellen in den Teichdämmen suchen und diese umgehend  beseitigen. Jetzt sollen sie nach den Empfehlungen von Mitarbeitern des zuständigen Landesamtes zusätzlich in bessere Zäune und ein stärkeres Weidezaungerät investieren.


„Wir kommen kaum noch zu unserer eigentlichen Arbeit in den Teichanlagen, und unter dem Strich stellen die Schäden durch geschützte Arten bzw. die Maßnahmen zu deren ­Eindämmung die Rentabilität der Teichbewirtschaftung infrage“, sagt Christoph Junghanns. „Wir versuchen hier, im Einklang mit der Natur und so ­ökologisch wie möglich Fische zu pro­duzieren. Auch ohne Kor­moran, Biber, Wolf & Co. ist das schon schwer genug. Dass uns das ausgerechnet streng geschützte Tierarten Stück für Stück unmöglich machen, ist bittere Ironie des Schicksals“.


Teichwirt Junghanns fordert mehr Unterstützung für jene Bewirtschafter, die geschützten Arten Lebensräume bieten und zugleich von diesen geschädigt werden. Zudem müsse der Schutzstatus nicht mehr gefährdeter Arten wie Kormoran, Biber und Wolf hinterfragt und angepasst werden, um deren Anzahl und damit die von ihnen verursachten Schäden auf ein vertretbares Maß regulieren zu können.


Diese Auffassung unterstützt auch das vor wenigen Wochen gegründete Forum Natur Brandenburg. Dieser Verband repräsentiert etwa 100 000 Mitglieder, die in rund 6 000 Betrieben und Vereinen, darunter der Landesfischereiverband,  über eine Million Hektar Grundeigentum zwischen Prignitz und Lausitz bewirtschaften.

 

Strafe folgt nun auf dem Fuße


„Die Politik lässt die Teichwirte beim Biber wie beim Wolf im Stich“, erklärte Vorstandsmitglied und Geschäftsführer ­Gregor Beyer. Nachdem die Landnutzer in Brandenburg jüngst erst die Verweigerungshaltung von Bundesumweltministerin Hendricks in Sachen Biber zur Kenntnis nehmen mussten, ­folge nun mit den Wolfsrissen bei Forst die Strafe auf dem ­Fuße. „Es hätte keines besseren Beweises für die Notwendigkeit bedurft, dass der Schutzstatus des Wolfes unbedingt verändert werden muss“, so Beyer.

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