Ambrosia: Aufklärung ist das A und O

10.10.2014

© Peter Becker

Ambrosiapflanze

Ein Dutzend Interessierter fand sich zu einer Gesprächsrunde im Vetschauer Weißstorchzentrum ein, unter ihnen Landwirte und Kleingärtner, aber auch Vertreter von Verwaltungen. Aus Drebkau war Margitta Jurk angereist, die von ihren Erfahrungen im Kampf gegen die Pflanze Ambrosia berichten konnte. Auf dem Dach der Verwaltung ist inzwischen eine Pollenfalle aufgebaut worden, die schon Spitzenwerte von 2 000 Pollen je Kubikmeter Luft gemessen hat. „Wenn man bedenkt, dass schon acht bis zehn Pollenkörner ausreichen, um allergische Reaktionen hervorzurufen, wird das ganze Ausmaß deutlich“, warf sie in die Diskussion ein.

Allen war klar, dass gegen die invasive Ausbreitung sofort und unverzüglich etwas getan werden muss. Unklarheit herrschte ein wenig über das WIE. Thomas Goebel, Vorsitzender des Bauernverbandes Südbrandenburg: „Zuerst muss die gesamte Bevölkerung sensibilisiert werden. Wenn die Pflanze breiten Kreisen bekannt ist, wird es auch Erfolge in der Bekämpfung geben“, gab er sich sicher. Jeder, der die Pflanze sieht, sollte sie seiner Auffassung nach auch sofort ausreißen. „Möglichst vor der Blüte und komplett. Zur Sicherheit sollte aber mit Handschuhen gearbeitet werden.“

Die Versammlungsteilnehmer waren sich einig darüber, dass niemand an den Pranger gestellt werden darf, wenn er nicht gerade schuldhaft zur Massenausbreitung beigetragen hat. Hilfreich bei der Aufklärung können Plakataktionen, Postwurfsendungen und öffentliche Mitteilungen sein. Gerade Landwirte fühlen sich immer mehr in die Enge gedrängt: „Die Pflanze wird zum wirtschaftlichen Problem, wenn wir ohne Unterstützung zusätzlich Flächen umbrechen müssen. Eine Traktorenstunde kostet bis zu 70 Euro! Und wer kauft uns noch was ab, wenn wir mit Ambrosia befallene Kulturen haben?“, warf der Radduscher Landwirt Fritz Buchan in die Runde ein. Es wurde auch deutlich, dass an den gesetzlichen Regelungen gearbeitet werden muss. „Wir dürfen nicht bis an den Feldrand mit unseren Spritzmitteln gehen, denn das würde die Artenvielfalt am Straßenrand zerstören. Hier muss wenigstens auf den befallenen Flächen eine gesetzlich sanktionierte Ausnahmeregelung getroffen werden“, so Thomas Goebel, der auch Geschäftsführer der Göritzer Agrar GmbH ist. Biologisch betriebene Landwirtschaften sind da noch schlechter dran: Sie dürfen überhaupt keine Spritzmittel einsetzen.

Dieser Umstand hat schon zur Aufgabe erster Betriebe in der Niederlausitz geführt. Bei Benjamin Raschke, Landesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen, erzeugte dieser Fakt Kopfschütteln: „Wir wollen immer mehr biologisch produzierte Lebensmittel und müssen immer mehr davon abrücken – so etwas darf nicht zugelassen werden“, betonte der Politiker, der bisher noch nicht viel über Ambrosia erfahren hatte. „Diese Veranstaltung hier  hat mir die Augen geöffnet – es besteht dringender Handlungsbedarf. Man müsste einen Nationalen Aktionstag ins Leben rufen, um die Pflanzen auszureißen“, war seine erste Reaktion. Damit war wieder der Kreis geschlossen, denn ausreißen kann man nur, was bekannt ist. Aufklärung ist nun das Gebot der ersten Stunde, Bekämpfung das der zweiten – im Idealfall beides gleichzeitig. Die Runde lobte das (freiwillige) Vorgehen  der Vetschauer Stadtverwaltung, die zwei Ambrosiascouts zur Bestandserfassung ins Stadtgebiet geschickt hat. Ausreißen dürfen sie aber nichts, das verbietet ihnen ihr Auftraggeber. „Bei uns geht das, die dürfen auf öffentlichen Flächen auch gleichzeitig Ambrosiapflanzen entfernen“, ergänzte Margitta Jurk aus Drebkau. Das Beispiel steht für unterschiedliche Herangehensweisen ebenso wie für die Dringlichkeit einheitlicher Regelungen.

 

Peter Becker

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