Agrarstudenten aus Frankreich zu Besuch

10.04.2014

© Wolfgang Herklotz

Die Studenten interessierten sich für Silage, den Anbau von Wick-Roggen und die Energieerzeugung im Falkenthaler Rinderhof.

Warum ist der Betrieb auf ökologischen Landbau umgestiegen? Gibt es dafür in Brandenburg eine spezielle Förderung? Was passiert, wenn diese eines Tages wegfällt? Die jungen Leute, Agrarstudenten aus Frankreich, wollten es ganz genau wissen. Schließlich bietet sich nicht  jeden Tag die Gelegenheit, einen ostdeutschen Landwirtschaftsbetrieb kennenzulernen. Noch dazu einen wie die Agrar GmbH Grüneberg, die mit fast 800 Hektar für französische Verhältnisse schon eine riesige Fläche bewirtschaftet. Und überdies von einer Frau geführt wird.

Geduldig beantwortete Beate Stuht die Fragen ihrer wissbegierigen Besucher. Die diplomierte Landwirtin konnte gelegentlich auch ein paar Begriffe auf Französisch aus der Schulzeit in den 80er Jahren beisteuern. Einige der Gäste  wie Samuel Weigel aus dem Elsass wiederum hatten einen Großteil der deutschen Erläuterungen schon vorher aufgenommen, bevor Betreuerin Monica Christaller sie übersetzte.  Die Verständigung funktionierte in jeder Hinsicht, zumal die jungen Leute aus Frankreich einen Bonus gegenüber manch anderen Studenten haben: Sie absolvieren in der Einrichtung namens Tecomah eine duale Ausbildung, bei der sich Vorlesungen und Seminare für mehrere Wochen mit der praktischen Arbeit im Betrieb abwechseln.

Das Grüneberger Unternehmen bewirtschaftet mit seinen 15 Mitarbeitern rund 770 Hektar auf meist sandigen Böden und produziert jährlich rund 1,3 Millionen kg Milch, berichtete die Geschäftsführerin ihren Gästen. „Vor fünf Jahren haben wir uns entschlossen, auf den Ökolandbau umzusteigen, weil wir etwas für den Umweltschutz tun wollten“, so Beate Stuht. Zwar zahle die Husumer Molkerei einen guten Preis für die Milch, derzeit 46 bis 47 Cent je Liter. Aber wenn das Land die Förderung von 150 Euro pro Hektar einstelle, gerate das  Unternehmen in schwieriges Fahrwasser, so die Geschäftsführerin. Denn naturgemäß  sei das ökologische Wirtschaften mit einem höheren Aufwand verbunden. Immerhin ist es gelungen, die Wiederkäuer mit selbst erzeugtem Futter zu versorgen und damit Kosten zu sparen. Den rund 210 Milchkühen wird Mais- und Grassilage vorgelegt,  die Rationen werden durch Roggen und Lupine ergänzt. Neben der Milchproduktion und dem Ackerbau ist die Jungrinderaufzucht ein weiteres Standbein.

Gibt es die Absicht, die Nutzfläche zu vergrößern? Wie sind hier die Kaufpreise?, wollten die jungen Franzosen wissen und waren überrascht von der Antwort. „Den Hektar gibt es schon für fünftausend Euro? Da muss  man bei uns schon viel mehr hinlegen.“ Beate Stuht versicherte, dass die 15 Gesellschafter  durchaus die Absicht haben, Fläche dazuzukaufen und eventuell auch eine kleine Biogasanlage in  Betrieb zu nehmen. „Wir wollen aber unbedingt vermeiden, dass sich landwirtschaftsfremde Investoren einkaufen.“ Denn es sei hinlänglich bekannt, wie diese vorgingen. „Erst gehen die Kühe weg und dann die Mitarbeiter nach Hause. Das wollen wir nicht!“ Ein Rundgang durch die Milchviehanlage schloss sich an, bei dem die Agrarstudenten ausgiebig die Silage prüften. Zugleich erkundigten sie sich, wie das Futter verteilt wird. „Hier ist modernere, leistungsstärkere  Technik im Einsatz“, stellte Juliette Coorevits fest und konstatierte mit Blick auf die in den 50er Jahren errichtete Anlage:  „Dafür haben wir bei uns neuere Gebäude.“ Überrascht registrierte die aus einem kleinen Milchviehbetrieb nördlich von Paris stammende junge Frau, dass die Grüneberger eine durchschnittliche Leistung von 7 000 kg Milch pro Kuh und Jahr  erzielen. „Das sind ja zweitausend Kilogramm mehr als auf unserem Betrieb, der ebenfalls ökologisch wirtschaftet“. Aufmerksam notierte Juliette (links neben Samuel Weigel) ihre  Beobachtungen, während Samuel sich vor allem für den Anbauplan in Grüneberg interessierte. Auf diesem stehen neben Getreide  und Silomais auch Kleegras und Luzerne sowie Lupine.  „Hier gibt es eine größere Biodiversität als bei uns“, urteilte er anerkennend.

Am Nachmittag besuchten die jungen Leute die Falkenthaler Rinderhof GmbH. Diese bewirtschaftet rund 1 300 Hektar und hat sich nicht nur der Haltung von 1 000 Rindern, sondern auch den neuen Energien verschrieben. Am Anfang stand der Bau einer Windkraftanlage, dann ging die Biogasanlage in Betrieb, und vor drei Jahren wurde auf 10 000 Quadratmetern Stalldachfläche eine Photovoltaikanlage installiert. „Dank des Energieeinspeisegesetzes haben wir für 20 Jahre eine Vergütung, mit der wir exakt kalkulieren können“, berichtete Geschäftsführer Reinhard Stuht. Der größte Aufwand sei natürlich mit der Biogasanlage verbunden. „Die Betonkuh will 365 Tage im Jahr gepflegt und gestreichelt werden“, erklärte Stuht mit einem Schmunzeln. Dafür könnten aber jährlich 4,5 Millionen Kilowattstunden  Strom erzeugt und mit der Abwärme Hallen und Büroräume versorgt werden, was dem jährlichen Heizbedarf von 130 Häusern entspricht. Überdies würden 15 000 Kubikmeter vergorene Gülle wieder dem Stoffkreislauf zurückgeführt. „Wir konnten dadurch unseren Düngerzukauf um 45 Prozent reduzieren“, versicherte Stuht.

Besteht aber nicht die Gefahr, dass durch  Biogasanlagen die traditionelle Tierhaltung verdrängt werde?, wollten die jungen Franzosen wissen. Was Reinhard Stuht verneinte. „Diese Anlagen funktionieren wie ein Überdruckventil. Das haben wir auch am Beispiel des Roggens gemerkt. Nach dem ursprünglichen Tief sind jetzt die Preise ordentlich angezogen und machen den Anbau wieder interessant.“

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