Agrarantragstellung

20.04.2017

© Sabine Rübensaat

Schnelles Internet ist auf dem flachen Land vielerorts noch Mangelware. Doch trotz bekannter Probleme bei der digitalen Infrastruktur ist die Agrarantragstellung für Landwirte in diesem Jahr erstmalig nur noch online möglich. Der Bauernverband Südbrandenburg warnt vor Engpässen und technischen Tücken.


Die neue Web-basierte Software bereitet Landwirten Kopfzerbrechen, denn ab dem laufenden Jahr können sie Agrarförderanträge nur noch online stellen. „Immer wieder haben wir angemahnt, das ohnehin schon komplizierte Antragsverfahren zu vereinfachen. Doch statt es nutzerfreundlicher zu gestalten, ist es offenbar noch komplizierter geworden“, kritisiert Heike Lehmann, Referentin für Bildung und Agrarsoziales beim Bauernverband Südbrandenburg. „Auch bei uns in der Landwirtschaft schreitet die Digitalisierung voran. Aber gerade in strukturschwachen Regionen ist die Umstellung auf eine reine Onlineantragstellung ein Schritt, der gut vorbereitet sein muss“, so Lehmann. „Dazu gehört, dass man zuerst die notwendigen technischen Voraussetzungen vor Ort schafft und nicht das Pferd von hinten aufzäumt“, erläutert sie.


Doch nicht nur langsame Internetverbindungen können zum Problem werden. Frank Neczkiewicz, Geschäftsführer der Landwirtschafts-GmbH Finsterwalde, hat sich bereits frühzeitig mit der neuen Software befasst. „Für gerade einmal sechs Ackerschläge habe ich drei Stunden am Computer gesessen“, berichtet er. „Bei unserer Betriebsgröße kann das schnell zum Geduldsspiel werden.“ Lange Wartezeiten, in denen die Software arbeite, aber nichts passiere, seien zudem die Regel. „Allein das Hoch- und Runterfahren des Programms kann bis zu zehn Minuten dauern“, bemängelt er. Wichtige Updates würden erst nach und nach aufgespielt. „Wenn ich Pech habe, kann ich dann teilweise wieder von vorne anfangen. Das ist zusätzliche Zeit, die ich als Landwirt eigentlich gar nicht habe“, so Neczkiewicz.


 „Die Frist ist knapp bemessen und der Antrag selbst für erfahrene Landwirte kompliziert“, bestätigt auch Heike Lehmann. Sie befürchtet, dass Betriebe den zusätzlichen Aufwand unterschätzen und am Ende mit ihren Anträgen in Zeitnot geraten  könnten. „Die Handhabung des Programms ist neu und birgt Tücken. Die Möglichkeiten der Landwirtschaftsämter, hier Hilfestellung zu leisten, sind hingegen begrenzt. Deshalb haben wir zusätzliche Computerschulungen organisiert“, so Lehmann. Währenddessen rückt das Ende der regulären Antragsfrist näher. „Die Zeit läuft“, warnt Lehmann. „Wer bis zum 15. Mai seinen Antrag nicht über das Internet eingereicht hat, muss mit deutlichen Einbußen rechnen.“

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