Ab in den Stall!

04.12.2014

© Sabine Rübensaat

Stallpflicht für das Federvieh

Die Hiobsbotschaft in der vergangenen Woche brachte so manchen Geflügelhalter in Bedrängnis.  Denn von heute auf morgen  die Stallpflicht umsetzen kann ja nur, wer auch über  den entsprechenden Platz für das Federvieh verfügt.  Ganz abgesehen davon, dass das  Einstallen für die Tiere mit Stress verbunden ist, der zu Gewichtseinbußen führen kann.  All das hätte auch für die Agrargenossenschaft Bendelin zum Problem werden können. Der Prignitzer Betrieb hält jährlich bis zu 5 000 Gänse im Freiland. Doch kurz bevor der Erlass zur Tierseuchenbekämpfung veröffentlicht wurde, waren die restlichen 2 300 Tiere an den Neuseddiner Schlachthof  geliefert worden. „Glück gehabt“, kommentiert Karsten Krüger mit knappen Worten. „Wir hätten sonst  unseren Aufzuchtstall  reaktivieren müssen, um die Gänse  unterzubringen. Doch das Provisorium wäre mit viel Aufwand und hohen Kosten verbunden gewesen.“

Kein Damoklesschwert

Dennoch bleibt die Situation weiterhin sehr ernst, nachdem bei einer auf der Insel Rügen erlegten Krickente das hochpathogene Influenza-A-Virus des Subtyps H5N8 nachgewiesen worden war. Weil das Friedrich-Loeffler-Institut das Risiko einer Übertragung des Erregers durch Wildvögel auf Hausgeflügelbestände als hoch einschätzte,  wurde die Stallpflicht für Geflügel ausgeweitet.  Sie gilt jetzt nicht nur für die Prignitz und die Uckermark, sondern auch für die Landkreise Ostprignitz-Ruppin, Havelland und in Teilen auch für die weiteren Landkreise, ausgenommen lediglich Potsdam-Mittelmark. Den allgemeinen Erlass zur Tierseuchenbekämpfung veröffentlichte der Landestierarzt am 25. November. Welche Maßnahmen umzusetzen sind, entscheiden jedoch die  Amtstierärzte vor Ort. Unter das sogenannte Aufstallungsgebot fallen Gänse, Enten, Puten und Hühner, die im Radius von einem Kilometer rund um die Einstandsgebiete von Wildvögeln gehalten werden. Betroffen sind auch Betriebe im 3-km-Radius, die mindestens 20 000 Tiere je Quadratkilometer halten.  Der Erlass sieht zudem Beschränkungen für Geflügelausstellungen und Märkte vor.  Darüber hinaus soll das Wildvogelmonitoring in den Landkreisen und kreisfreien Städten verstärkt werden.

Landestierarzt Dr. Klaus Reimer appellierte an die Geflügelhalter, die angeordneten Maßnahmen umzusetzen. „Es gilt vor allem, die Futterstellen so abzusichern, dass kein Kontakt zu Wildvögeln möglich ist.“ Gerade weil das Risiko noch nicht exakt eingeschätzt werden könne, sei Vorsicht geboten. Wer sich der Anordnung widersetzt, muss mit einem drastischen Bußgeld rechnen. Wie Reimer anmerkte, können die Amtstierärzte jedoch Ausnahmeregelungen treffen, sollte ein Ein­stallen der Tiere objektiv unmöglich sein. „Wir gehen doch nicht mit dem Damoklesschwert durch die Bestände.“  

Im Falle einer Erkrankung ist unbedingt der Amtstierarzt hinzuzuziehen und die Anzeigepflicht zu beachten. Darauf hat der jetzt auch für den Verbraucherschutz zuständige Justizminister Helmut Markov verwiesen. „Wo Bürger ein vermehrtes Wildvogelsterben beobachten, sollten sie die zuständigen Veterinärämter benachrichtigen.“      

Schlimmes verhindern

Als „Tierquälerei und Marktbereinigung zulasten der Freilandhalter“ hat der Bauernbund Brandenburg die in Teilen des Landes verhängte Stallpflicht für Geflügel kritisiert. Es sei zwar anzuerkennen, dass die Veterinärverwaltung diesmal offensiv einer gesundheitlichen Gefährdung der Verbraucher durch die Vogelgrippe widerspreche. Aus fachlicher Sicht sei die Stallpflicht jedoch „genauso unnötig und unpraktikabel wie vor neun Jahren“, sagte Bauernbund-Vorstand Marcus Schilka, Landwirt aus Guhrow im Spreewald: „Die Vogelgrippe, wenn sie denn auftritt, lässt sich mit normalen Methoden der Seuchenbekämpfung wie Tötung betroffener Bestände und Handelsverbote im Umkreis eindämmen.“ Die Stallpflicht sollte umgehend zurückgenommen werden (siehe auch Seite 3).

Da ist der Landesbauernverband ganz anderer Ansicht. „Angesichts der aktuellen Bedrohungslage halten wir die Anordnung für gerechtfertigt und moderat“, erklärte LBV-Referent Matthias Schannwell. Natürlich wisse er, was das Umsetzen der Stallpflicht für die Geflügelhalter bedeute und könne ihre Sorgen verstehen. „Aber es geht darum, Schlimmeres zu verhindern.“ Wird der  H5N8-Erreger im Bestand nachgewiesen, hat das fatale Folgen. Vor wenigen Wochen erst mussten mehr als 32 000 Tiere nach dem Ausbruch der Asiatischen Geflügelpest in einer Mastputenhaltung in Vorpommern-Greifswald getötet und entsorgt werden.

Schannwell informierte in diesem Zusammenhang über die Bildung der Brandenburgischen Tierseuchenvorsorgegesellschaft mbH. Diese werde nach der notariellen Eintragung Mitte Dezember zu Anfang nächsten Jahres an den Start gehen und Stand-by-Verträge mit Dienstleistern abschließen, um bei einem Seuchenausbruch schnell reagieren zu können.  Die Finanzierung erfolgt über die Tierseuchenkasse, Gesellschafter sind der Landesbauernverband und der Landeskontrollverband sowie der Rinder-, Schweinezucht- und Geflügelwirtschaftsverband. „Wir reagieren damit auf die veränderte Gesetzeslage, die eine stärkere Vorsorge im Seuchenfall fordert“, resümierte Schannwell.

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