4. Wolfsplenum

05.05.2017

© Wolfgang Herklotz

Den Unmut der Weidetierhalter brachte Frank Michelchen aus dem Spreewald zum Ausdruck (im Bild links stehend).

Fast schien es, als wäre die Veranstaltung vorzeitig zu Ende. Kaum eine Stunde nach Eröffnung des mittlerweile 4. Wolfsplenums in Potsdam machte sich laut Entrüstung breit. Es war Dirk-Henner Wellershoff, Päsident des Landesjagdverbandes Brandenburg, der in wenigen Worten zum Ausdruck brachte, was viele Praktiker im Saal empfanden: „Ich habe den Eindruck, dass wir hier angemeiert werden!“ Anlass war eine Präsentation von mehr als zwei Dutzend Power-Point-Folien, die für reichlich Zündstoff sorgten. Von Mitarbeitern des Umweltministeriums zusammengestellt, gaben sie stark komprimiert die Positionen der am Plenum beteiligten Verbände zu den einzelnen Themen wieder. Dabei ging es vom günstigen Erhaltungszustand und der Populationszugehörig­-keit der in Brandenburg ansässigen Wölfe über Prävention und Schadensausgleich bis zum Umgang mit verhaltens­auffälligen Tieren.


Auf vehemente Kritik stieß nicht nur, dass bestimmte Positionen und Forderungen  der Verbände vernachlässigt, andere dafür falsch wiedergegeben wurden. Weit größer noch war der Ärger über die damit verbundene Kommentierung und der daraus abgeleitete Vorschlag aus Sicht des Umweltministeriums. „Änderungen im Wolfsmanagementplan nicht erforderlich“, war immer wieder auf den Folien zu lesen.


„Das ist unseriös“, betonte Christoph Rechberg vom Verband  der Familienbetriebe Land und Forst Brandenburg und wollte wissen, ob anerkannte Wildbiologen an der Bewertung mitgewirkt hätten. Der Hinweis von Agrarstaatssekretärin Carolin Schilde. dass es sich bei der Vorlage der Ministeriumsmitarbeiter um eine Diskussionsgrundlage handele, konnte die Verstimmung nicht wettmachen. So kann man sich doch nicht auf eine vernünftige Debatte vorbereiten, erwiderte Rechberg. Sein Vorschlag: „Stellen Sie uns die Unterlagen zur Verfügung, damit wie sie in Ruhe durcharbeiten können, und in drei Wochen treffen wir uns wieder!“ Was nach Abbruch der Veranstaltung klang, fand dann doch nicht statt. Zwar wurden sämtliche Folien im Schnelldurchgang vorgestellt, allerdings mit dem Hinweis, dass sie im Anschluss durch aktuelle Hinweise ergänzt und dann zur gründlichen Einsicht bereitgestellt werden. „Das hätte schon längst passiert sein können“, meinte Frank Michelchen, Ökolandwirt aus dem  Spreewald und Mitglied des Bauernbunds. „Die Verbände haben bis Ende Januar ihre Stellungnahme bereits abgegeben, wir haben deshalb Zeit verloren. Aber wichtig war dennoch, dass wir auf dem Plenum noch einmal eines deutlich machen konnten: Die Existenz von uns Weidehaltern steht auf dem Spiel, wenn wir nicht zu einer vernünftigen Regelung für den Umgang mit dem Wolf kommen!“


So sieht es auch Jens Schreinicke, Mutterkuhhalter aus Potsdam-Mittelmark und Vorsitzender  des Kreisbauernverbandes, „Wir sind hier zum vierten Mal  zusammengekommen und keinen Schritt weiter!“ Wie Schreinicke  am Beispiel mehrerer Landwirtschaftsbetriebe in den Belziger Landschaftswiesen nachwies, kommt es trotz Prävention und Schadensausgleich zu großen wirtschaftlichen Belastungen, die zum Ausstieg aus der Mutterkuhhaltung führen. „Wir sind eine dicht besiedelte Kulturlandschaft und kein Yukon wie in Kanada, wo sich Raubtiere ungehindert ausbreiten können.“


Der Landesbauernverband übte nach dem Wolfsplenum Kritik an dessen unprofessioneller Vorbereitung. Präsident Henrik Wendorff äußerte Unverständnis dafür, dass sich das Agrarministerium ein „derartiges Armutszeugnis“ leiste. „Es ist besonders enttäuschend, wenn man bedenkt, wie viel ehrenamtliche Arbeit der Verbände in der Vorbereitung steckte.“ Bei der unbedingt notwendigen Wiederholung des Wolfsplenums müsse eine detaillierte, sachliche Diskussion möglich sein. Der Bauernbund Brandenburg hat die Landesregierung  erneut aufgefordert, eine Verordnung zu erlassen, die den Abschuss von Wölfen ermögliche, die sich menschlichen Siedlungen oder Weidetieren auf weniger als 1 000  m nähern. Die einzig wirksame Maßnahme zum Schutz von Weidetieren sei es, dem ursprünglich scheuen Wolf wieder Respekt  beizubringen, meinte Bauernbundvorstand Marcus Schilka. „Wir brauchen auch keine Experimente mehr mit Gummigeschossen und Lebendfallen, sondern einen Minister, der entscheidet!“ Der Landesjagdverband Brandenburg fordert eine Initiative des Landes, um den Schutzstatus des Wolfes herabzustufen.

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