18. Düngetag in Prenzlau: Festes Forum für Austausch

10.02.2014

© Stefan Adam

Gefragter Gesprächspartner in Prenzlau war Prof. Gerhard Breitschuh (r.) aus Jena.

Auf dem 18. Brandenburger Düngetag diskutierten in Prenzlau etwa 200 Landwirte, Umweltschützer und Wissenschaftler zukünftige Anforderungen an ihre Arbeit. Erstmals waren auch polnische Landwirte vertreten. Mit einer Schweigeminute gedachten die Teilnehmer des Nestors der deutschen Pflanzenernährung und Ehrenvorsitzenden des Vereins zur Förderung einer umweltschonenden Düngung, Professor Dr. Bergmann, der im vergangenen Jahr verstorben war. 

„Der Düngetag hat sich zu einer Fachtagung entwickelt, die deutschlandweit große Resonanz und Beachtung findet.“ Mit diesen Worten begrüßte Landrat Dietmar Schulze die Teilnehmer. Klimawandel und Energiewende sind Schlagwörter, die uns alle in den letzten Jahren in fast allen Bereichen des Lebens begleiten und vor große Herausforderungen stellen.

Die Energiestrategie 2030 des Landes Brandenburg sieht vor, den Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch von 17 % im Jahre 2011 auf 32 % bis 2030 zu steigern und dabei zu einem guten Drittel aus Biomasse bereitzustellen. Ende 2013 arbeiteten insgesamt 27 Biogasanlagen im Landkreis Uckermark mit einer Gesamtleistung von mehr als 20 000 kW sowie die VERBIO Ethanol Schwedt GmbH & Co. KG und VERBIO Diesel Schwedt GmbH & Co. KG, betonte Schulze. Da in allen 27 Biogasanlagen ausschließlich Produkte aus landwirtschaftlicher Erzeugung vergoren werden, kann der Gärrest als Wirtschaftsdünger abgegeben und verwendet werden. „Insgesamt fallen jährlich etwa 680 000 Tonnen Gärreste an“, so der Landrat. „Diese stellen einen sehr wertvollen Dünger dar, da sie einen hohen Nährstoffgehalt, insbesondere an Phosphor, Kalium, Magnesium und Kalzium, aufweisen und der Stickstoff in der Biomasse in Form von gut verwertbarem Ammoniak vorliegt.“ Die Keimbelastung sei dabei meist wesentlich geringer als bei der Nutzung von unfermentierter Gülle.

Henrik Wendorff, Vizepräsident des Landesbauernverbandes, unterstrich, dass in Brandenburg derzeit etwa 320 Biogasanlagen betrieben werden, davon etwa die Hälfte im landwirtschaftlichen Besitz. „Bioenergie gehört mittlerweile untrennbar zur Landwirtschaft“, so Wendorff. Und jeder größere Tierhalter sollte seine Gülle mithilfe einer Biogasanlage „veredeln“. Denn genau dort wird der schädliche Ammoniak zu Methan umgewandelt und kann verstromt oder als Erdgas ins Gasnetz eingespeist werden. „Die übrig bleibenden Gärsubstrate stellen einen nährstoffreichen organischen Flüssigdünger für unsere Feldkulturen da. Sie sind kein Abfall, wie oft behauptet“, sagte Wendorff. Richtig eingesetzt können sie den Einsatz von Mineraldünger reduzieren helfen und zum Humusaufbau beitragen.

Klare Worte fand der Vizepräsident zur Agrarpolitik und machte dabei den Standpunkt des Bauernverbandes deutlich: „Schaut man sich den Koalitionsvertrag unserer neuen Bundesregierung zum Thema erneuerbare Energien/Biomasse an, steht da das Wort Vermaisung. Für Brandenburg kann ich nur sagen, dass Mais im Land auf durchschnittlich 16 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche steht, nicht auf 80 % oder 90 %. Und mehr als die Hälfte wird zur Fütterung genutzt. Aber sicher gibt es auch Ausnahmen! Meist handelt es sich dabei um nichtlandwirtschaftliche Anlagen, die Großindustriellen gehören. Aber genau diese bringen eine ganze Branche in Verruf!“, betonte Wendorff.

In der ersten Fassung des Koalitionsvertrages sollte Biomasse nur noch aus Abfall und Reststoffen erzeugt werden dürfen. Energiepflanzen wie Mais, GPS-Getreide, Sudangras, Hirse, Wildkräuter und Gräser sollten nicht mehr in Biogasanlagen vergärt werden. Ein Affront gegen unsere Agrarforschung zu Energiepflanzen. Mit keinem Wort wurde anerkannt, dass Biogasanlagen heute 30 % effektiver arbeiten als vor zehn Jahren. Moderne Anlagen benötigen heute 30 % weniger Fläche, um die gleiche Energiemenge zu erzeugen wie vor zehn Jahren.

„Diskutiert werden derzeit verschärfte Ausbringungs- und Einarbeitungsvorschriften für organische Düngemittel, neue Anrechnungsfaktoren für organische Dünger, verlängerte Sperrfristen usw., um Nitratüberhänge im Boden und damit verbundene Nitratausträge ins Grundwasser weitgehend zu vermeiden. Welche Folgen nur eine Einschränkung bei der Ausbringung von organischen Düngern mit sich brächte, ist jetzt schon klar, nämlich eine Ausweitung der Lagerkapazitäten (auf sechs Monate). Wir wissen alle, was das kosten würde“, so Wendorff.


Garant statt Gefahr

„Der Ertragszuwachs in der Landwirtschaft lässt sich nicht ins Unendliche steigern, sie stagniert zurzeit auf hohem Niveau“, sagte Prof. Gerhard Breitschuh (Jena). Bioenergie sei deshalb eine sinnvolle Erweiterung des landwirtschaftlichen Produktionsfeldes und notwendiger denn je. Photosyntheseleistung wird dabei in der Biomasse gespeichert und diese wird dadurch grundlastfähig.

Zwangsstilllegung war ein Motor für die Bioenergieentwicklung und politisch zur Überschussbewältigung motiviert, sagte Breitschuh. Der Landwirt hat die Hauptaufgabe, hochwertige Lebensmittel bereitzustellen. Dennoch werden in Deutschland ca. 2,6 Millionen Hektar für den Anbau von Energie- und Industrierohstoffen genutzt. Produktive und umweltverträgliche Landwirtschaft ist keine Gefahr, sondern Garant für den Erhalt der Kulturlandschaft, erklärte der Wissenschaftler. „Wachstum muss aus der höheren Verwertung der landwirtschaftlichen Produktion generiert werden.“ Gesetzliche Regelungen seien hier unverzichtbar.

„Während beim Einsatz der mineralischen Düngemittel im Produktionsprozess kontinuierlich Analysen durchgeführt und bei der Auslieferung mitgeteilt werden, ist der Nährstoffgehalt der in den Betrieben erzeugten Gärprodukte sehr stark von den Inhaltsstoffen der eingesetzten Grundmaterialien abhängig“, stellte Professor Günter Kühn (Berlin) fest. Nicht immer sind die tagaktuellen Nährstoffgehalte der Gärprodukte verfügbar. Daher muss auf regelmäßig gezogene und untersuchte Proben geachtet werden, um betriebseigene Werte zu ermitteln, die zur Berechnung herangezogen werden können. Dadurch wird es immer besser möglich, den Einsatz der Gärprodukte zu optimieren, sagte Kühn.

Professor Martin Körschens aus Bad Lauchstädt stellte in Prenzlau klar, dass der Klimawandel keinen Einfluss auf die Humusversorgung der Böden hat. Klimatisch bedingte Veränderungen sind hier erst nach Jahrzehnten nachzuweisen und setzten Dauerfeldversuche voraus. Mehr als 80 Prozent der Ackerböden in Deutschland sind nach vorliegenden Untersuchungen gut bis sehr gut mit Humus versorgt. „Es gibt bisher keinen wissenschaftlich begründeten Nachweis, dass die angestiegenen Temperaturen eine Verringerung des Humusgehaltes von Ackerböden bewirkt haben“, so Körschens.


Netzwerk steht

Vereinsvorsitzender Wolfgang Lichtenberg unterstrich die bisherige erfolgreiche Vereinsarbeit mit Zahlen und Fakten. Der Verein zur Förderung einer umweltschonenden Düngung hat etwa 300 Mitglieder, davon über 85 % Agrarbetriebe, und zählt zu den mitgliederstärksten Verbänden im Land. Mehr als 250 landwirtschaftliche Unternehmen mit über 230 000 Hektar Fläche sind die Basis dafür. Das entspricht fast 20 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Landes Brandenburg.

Als einen Schwerpunkt seiner Arbeit hat er sich besonders der Wiederaufnahme der komplexen Pflanzenanalyse gewidmet. Es wurde ein Netzwerk in allen Landkreisen installiert, welches so in Deutschland einmalig ist.

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