16. Brandenburger Nutztierforum

31.03.2015

© Fritz Fleege

In den ersten Lebensmonaten sollten die Kälber intensiv aufgezogen werden und auf Tageszunahmen von 800 bis 900 g kommen.

In den letzten Jahren wurde viel in die Milchviehhaltung investiert, was für die Jungtieraufzucht weniger zutrifft. In vielen Betrieben ist sie immer noch das fünfte Rad am Wagen. Darauf machte Dr. Matthias Platen von der Landwirtschaftlichen Beratung der Agrarverbände Brandenburg GmbH (LAB) zur Eröffnung des 16. Brandenburger Nutztierforums aufmerksam. Auf der Tagung in Bronkow standen aktuelle Erkenntnisse  rund um die Kälber- und Jungrinderaufzucht im Mittelpunkt des Interesses.

 

Ergebnisse eines Mehrländerprojektes (Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen) stellte Dr. Bernd Losand aus Dummerstorf vor. Das langfristige Projekt zum Thema „Verbesserung der Gesundheit, Fruchtbarkeit und Nutzungsdauer von Holsteinkühen durch optimale Intensität der Jungrinderaufzucht“ sollte klären, welche Färsen für welche Produktionsbedingungen positiv im Sinne einer hohen Lebenseffektivität sind, also für lange nutzbare, gesunde und leistungsfähige Kühe. Das Fazit: Ein ungestörtes und intensives Wachstum im ersten Lebensjahr steht nicht im Widerspruch zu hohen Erstlaktationsleistungen.  Im weiteren Wachstumsverlauf hatte dagegen eine sehr hohe Fütterungsintensität negativen Einfluss auf die Erstlaktationsleistung.

 

Die Färsenaufzucht ist mit hohen Kosten verbunden. Darauf machte Jana Harms aus  Dummerstorf aufmerksam. So betrugen sie 2012/2013 in Mecklenburg-Vorpommern je Tier 1 756 Euro. Diese Kosten können sich erst in der produktiven Phase der Tiere amortisieren. Das gelingt aber nur, wenn die Kühe mit einer entsprechenden Leistung lange genug genutzt werden können. Als Kennzahlen für eine erfolgreiche Jungrinderaufzucht nannte die Expertin Verlustraten vom zweiten bis 14. Lebenstag unter vier Prozent, vom 15. bis 182. Lebenstag unter drei Prozent und vom siebten Lebensmonat bis zur Kalbung unter ein Prozent.

 

Die meisten Probleme bei Kälbern bereiten Durchfallerkrankungen in den ersten 14 Lebenstagen. Ansätze zur Bekämpfung stellte Dr. Bernd Fischer aus Iden vor. Er riet, die Infektionsquellen zu ermitteln und die -wege zu unterbrechen. So ist das Rein-Raus-Prinzip im Abkalbe- und Kälberbereich strikt einzuhalten. Unmittelbar nach Verbringung des Kalbes in eine Box oder in ein Iglu ist möglichst frisches, gehaltvolles Kolostrum körperwarm zu tränken. Nach jeder Belegung sind Iglus, Boxen und Gitter am separaten Waschplatz mit Hochdruck zu reinigen und nach dem Abtrocknen mit DLG-gelisteten Mitteln zu desinfizieren.

 

Wie die Planung und der Bau von Kälberhaltungssystemen aussehen sollte, darüber informierten Dr. Matthias Platen (LAB) und Dr. Steffen Gündel, Landplan GmbH. Sie unterliegen in Vorbereitung und Umsetzung dem gleichen Aufwand wie die Planung und der Bau von Milchviehanlagen. Aufgrund des Einflusses der Käl-beraufzucht auf die spätere Milchleistung der Kuh und des bisherigen inakzeptablen Verlustgeschehens ist der Aufwand gerechtfertigt. Grundlage jeder Planung sind die Ansprüche des Kalbes an Haltung, Klima und Nahrung. Neben diesen Ansprüchen muss noch eine nahezu unüberschaubare Flut von Gesetzen, Verordnungen und Regelwerken berücksichtigt werden. Aufgrund der Komplexität sollten dazu spezialisierte Berater bzw. Planer einbezogen werden.

 

Während das Herdenmanagement im Bereich Milchkühe schon umfassend betrieben wird, steckt das für die Aufzucht noch in den Kinderschuhen. Darauf machte Dr. Ilka Steinhöfel aus Köllitsch aufmerksam. Als Schwerpunkte der Herdenüberwachung und -führung nannte die Spezialistin Tierverluste, Tiergesundheit und Wachstum. So sollten die Tierverluste vom ersten bis 56. Lebenstag unter fünf Prozent und die Erkrankungsrate vom ersten bis 56. Lebenstag unter 35 % liegen. Die Kälber sollten in den ersten 56 Lebenstagen täglich 800 bis 900 g, dann bis zum Ende des dritten Lebensmonats 700 bis 900 g und vom vierten bis zur Konzeption mit etwa 16 Lebensmonaten 700 bis 800 g zunehmen. Während der Trächtigkeit bis zur Kalbung reichen Tageszunahmen von 600 bis 700 g aus. Bei einem Erstkalbealter von 24 Monaten bringen die Färsen dann 600 kg auf die Waage. In der Kälber- und Jungrinderaufzucht ist also erst zu powern und dann zu bremsen.  

 

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