Die Leitkuh der Herde hat die größten Hörner. (c) Silvia Kölbel

Hochlandrinder: Haltung mit minimalem Aufwand

Die gut organisierte Hochlandrinderzucht von Thomas Spinnler ermöglicht es dem Nebenerwerbler aus dem sächsischen Vogtland, die täglichen Arbeiten in der Herde zeitsparend zu erledigen.

Von Silvia Kölbel

Für das Kontrollieren seiner 21 Schottischen Hochlandrinder benötigt Thomas Spinnler täglich etwa zehn Minuten – vorausgesetzt, es gibt keine besonderen Vorkommnisse. Der Nebenerwerbslandwirt wirtschaftet in Thiergarten, einem Ortsteil von Plauen im Vogtland (Sachsen). Seine Tierhaltung auf 19 ha Grünland mit acht Weiden und einem wetterfesten Unterstand für die Futteraufnahme ist gut organisiert und zugleich „pflegeleicht“.

Das fängt bereits beim verwendeten Holz für die Zaunanlage an. Vor 30 Jahren kaufte Spinnlers Vater Rolf als Wiedereinrichter Insultimber-Holz: „Das ist ein aus Australien stammendes Holz mit isolierender Wirkung. Wir brauchen keine Isolatoren“, erklärt Thomas Spinnler. Dieses Weidezaunmaterial sei zwar preisintensiv, zahle sich aber über die Jahre aus.

Thomas Spinnler
Die Abstandhalter schlägt Thomas Spinnler nicht in die Erde. (c) Silvia Kölbel

Anbieter gewähren zehn Jahre Garantie auf das Material, das weder mit Holzschutzmittel behandelt noch imprägniert ist. „Es handelt sich um ein reines Naturprodukt.“ Bei Spinnlers hält der Zaun inzwischen 30 Jahre. Ersetzt werden lediglich Latten, die bei Rangeleien der Tiere oder durch Fahrzeuge beschädigt wurden.

Das Zaunsystem weist weitere Besonderheiten auf, sagt Spinnler: „Nur alle 25 Meter ist ein Pfahl fest in der Erde verankert. Die übrigen Latten fungieren als Abstandhalter und berühren nur den Boden.“ Den Weidedraht hält ein Splint, der direkt im Holz befestigt ist. Zwei Drähte reichen aus. 7.000 Volt Spannung liegen an allen Stellen des Zaunes an. Diese kontrolliert Spinnler mittels elektronischer Zaunüberwachung. Sie meldet ihm jeden Spannungsabfall. Mit Elektronik hat er auch in seinem Berufsleben viel zu tun. Spinnler vertreibt Kassensysteme.

Heu als Zufutter

Das Füttern der Tiere erfolgt ebenfalls mit minimalem Aufwand. Hinter den Fressgittern am festen Unterstand liegen bis zu fünf Rundballen Heu. Den Ballen in der Raufe auf der Weide sichert seit Kurzen ein Heunetz, auch Futtersparnetz genannt, vor Fressverlusten. „Seit ich die Netze verwende, habe ich höchstens noch zehn Prozent Verlust. Das war vorher deutlich mehr“, so der Landwirt.

Die Netze haben einen weiteren Vorteil: „Die Tiere sind länger mit Fressen beschäftigt und verdauen besser.“ Im Sommer bringt eine in der Erde liegende Leitung Wasser zu allen Weiden. Im Winter gibt es Frischwasser nur an der beheizbaren Tränke am Unterstand. Da die reine Kontrollarbeit unkompliziert ist, kann sie auch der inzwischen 80-jährige Firmengründer Rolf Spinnler übernehmen.

„Unser Start sorgte für große mediale Aufmerksamkeit“

Am festen Unterstand finden sich ein Treibgang und Fixiergitter zum Separieren weiblicher Tiere für die Klauenpflege aller drei bis vier Jahre. „Die Bullen laufen sich das Horn auf natürliche Weise ab.“ Tierarztbehandlungen und regelmäßigen Blutentnahmen sind so ebenfalls unkompliziert möglich.

Rolf Spinnler legte mit seinem Tierkauf 1991 die Grundlage dieser ersten Hochlandrinderzucht im Vogtland und ganz Sachsen. „Unser Start sorgte damals für große mediale Aufmerksamkeit“, erinnert sich Thomas Spinnler. Vor 20 Jahren übernahm er den Betrieb vom Vater. Der hatte sich seine Flächen nach der politischen Wende rückübertragen lassen und weitere zugepachtet. „Die 19 Hektar waren Acker. Wir haben sie in Grünland umgewandelt, Wege angelegt, Bäume und Hecken gepflanzt“, sagt Thomas Spinnler.

Heute nutzen auch Reiter und Spaziergänger die Wege zwischen den Weiden gern, nicht zuletzt der Rinder wegen, die es sommers wie winters dort zu sehen gibt. Spinnlers haben sich bewusst für Schottische Hochlandrinder und nicht für Galloways entschieden – der beeindruckenden Hörner wegen, die nur diese Rasse aufweist. 1,3–1,5 m Spannweite haben die Hörner, mit denen die Tiere sehr bedacht und geschickt umgehen. „Sie verstehen es, problemlos in die Fressgitter einzufädeln“, sagt Spinnler. Er beschreibt seine Tiere als ruhig und gelassen. Unfälle mit den Hörnern habe es bisher keine gegeben. Zu ihrer Bezugsperson verhalten sich die Rinder zutraulich, aber trotzdem vorsichtig. „Je mehr man sich mit ihnen beschäftigt, desto handzahmer werden sie. Bei mir spielt das aber keine so große Rolle. Ich lasse die Rinder weitestgehend natürlich aufwachsen“, erklärt der Landwirt.

Unterwolle zum Filzen

Heulager
Hinter Fressgittern steht den Rindern ganzjährig Heu am festen Unterstand zur Verfügung. (c) Silvia Kölbel

Neben den Hörnern beeindruckt das lange zottige Fell. Um den Tieren das Abstoßen abgestorbener Wolle zu erleichtern, hängte der Tierhalter Kuhbürsten auf, die die Rinder gern nutzen. Die sich darin sammelnde Wolle übergibt Spinnler an ein soziales Projekt, wo sie beim Filzen Verwendung findet.

Obwohl es bei dieser extensiv gehaltenen Rasse problemlos möglich wäre, den Bullen ganzjährig in der Herde mitlaufen zu lassen, überlässt der Züchter die Zeit des Abkalbens nicht dem Zufall. „Der Bulle kommt Ende Juni, Anfang Juli in die Herde, sodass die Kühe im Frühjahr kalben“.

Die weiblichen Jungtiere behält der Landwirt entweder für die eigene Herde oder er verkauft sie, während die jungen Bullen in einer Herde gemeinsam bis zur Schlachtreife heranwachsen. Im Alter von drei bis fünf Jahren lässt Spinnler die Jungbullen schlachten. 350–400 kg beträgt das Ausschlachtgewicht. Auf die Menge komme es bei dieser Rasse gar nicht an, sondern auf die Fleischqualität. „Das Fleisch der Hochlandrinder ist dunkelrot und fein marmoriert“, beschreibt er die besonderen Eigenschaften, die Kunden zu schätzen wissen.

Etwa zwei bis drei Mal im Winterhalbjahr schlachten Spinnlers. Sie verbinden dieses Ereignis normalerweise mit einem kleinen Hoffest, was zuletzt aber nicht möglich war. „Wir versuchen es so einzurichten, dass jeder Kunde einmal im Jahr die Möglichkeit hat, ein Fleischpaket zu bestellen“, so Spinnler. Darin sei von allem etwas, auch Kochfleisch und Knochen. Nur Rostbeaf und Lende werden extra vermarktet. Zusätzlich gibt es noch Jagdwurst und Leberkäse im Glas sowie frische Bratwurst und Salami.

Diese Art der Direktvermarktung hat den Vorteil, dass das Tier komplett verwertet wird. Daneben liebäugelt der Rinderhalter mit dem Konzept der Marktschwärmer, die es seit vorigem Jahr auch im Vogtland gibt. „Ich habe von Anfang an die Initiatoren unterstützt, weil ich die Idee gut finde“, erklärt der Direktvermarkter. Bei den Marktschwärmern kaufen und bezahlen die Kunden online. Bei einem Gastgeber holen sie die bestellten Produkte ab und treffen dabei auch den Erzeuger. „Im Moment habe ich nur leider gar nicht so viele Tiere zum Schlachten, um die Marktschwärmer auch zu beliefern“, so Spinnler weiter. Eine Vergrößerung seiner Herde plant er deswegen aber nicht. Anzahl der Tiere und Flächengröße seien gut aufeinander abgestimmt. Die 19 ha Fläche dienen auch der Heuernte. Diese übernimmt Spinnler teilweise selbst. „Nur das Pressen lasse ich in Lohnarbeit erledigen.“

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