Nutzhanf bietet als Pflanze eine Viefalt an Verwertungsmöglichkeiten - auch bei der Pferdefütterung. (c) Sabine Rübensaat

Cannabis fürs Pferd?

Sie erobern nicht nur die Supermarktregale, sondern sind auch im Futtertrog immer häufiger zu finden: Hanfprodukte. Wie man sie bei der Pferdefütterung optimal einsetzt und was unbedingt beachtet werden muss.

Von Sven und Peggy Morell, Pferde-Fachjournalisten

Hanf (Cannabis sativa) haftet gemeinhin ein zweifelhafter Ruf an. Kein Wunder, sind die Pflanzen doch Grundlage für Rauschmittel wie Marihuana oder Haschisch. In Hanf stecken über 60 verschiedene Cannabinoide, darunter Delta-9-Tetrahydrocannabinol (kurz THC), das für die berauschende Wirkung verantwortlich ist. Dem Cannabidiol (CBD) werden unter anderem angstlösende und entzündungshemmende Wirkungen zugeschrieben, es wirkt aber nicht berauschend.

Hanf ist allerdings nicht gleich Hanf: Es wird unterschieden zwischen Sorten mit hohem THC-Gehalt und solchen mit sehr niedrigem THC-Gehalt (Faserhanf). Neben dem Herstellen von Textilien, Papier, ökologischen Dämmstoffen oder Einstreu dient Faserhanf als Ergänzung des Speiseplans sowohl für Zwei- als auch Vierbeiner, darunter Pferde.

Hanfprodukte fürs Pferd: Große Produktvielfalt

Hersteller von Hanfprodukten haben daher seit geraumer Zeit auch Pferdebesitzer als Zielgruppe im Visier. Hier ein Überblick, wie sich Hanf in der Pferdefütterung verwenden lässt:


Hanfprodukte als Pferdefutter
Hanf lässt sich vielfältig bei der Pferdefütterung verwenden (c) IMAGO/ Frank Sorge
  • Die braunen bis schwarzgrauen, kleinen, runden Hanfsamen sind ganz oder geschrotet sowie mit oder ohne Schale erhältlich. Hanfsaat kostet um die 6 €/kg.
  • Hanföl entsteht durch Pressen der Samen. In der Regel wird es kaltgepresst angeboten, wodurch die Inhaltsstoffe weitgehend erhalten bleiben. Hanföl weist einen hohen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren auf und ist zudem ein guter Energielieferant. Mit etwa 20 €/l ist Hanföl deutlich teurer als z. B. das in der Pferdefütterung oft verwendete Leinöl.
  • Beim Ölpressen bleibt sogenannter Hanfpresskuchen als Rückstand zurück. Er besteht aus den dabei verbleibenden Feststoffen und dem nicht ausgepressten Ölanteil. Hanfpresskuchen ist entweder pur erhältlich oder steckt in Pellets oder Leckerlies. Er punktet laut Hersteller durch wertvolle Aminosäuren. Die Kosten variieren je nach Produkt zwischen 4 bis 10 €/kg.
  • Hanfschrot entsteht beim Schälen der Hanfsaat. Laut Hersteller ist es besonders bekömmlich und somit auch für alte oder rekonvaleszente Pferde geeignet. Hanfschrot kostet etwa 5 €/kg.
  • Hanfblattpulver besteht aus gemahlenen Blättern. Der Gehalt an Kalzium und Eisen soll sehr hoch sein, ebenso an Antioxidantien. Es ist ab gut 30 €/kg erhältlich.

Was bewirkt Hanf?

Mitunter stecken Hanfprodukte auch in Kräutermischungen oder Mineralfuttermitteln. Oft werden dem neuen, sogenannten Superfood wertvolle Eigenschaften zugesprochen. Der hohe Anteil an ungesättigten Fettsäuren wie Omega-6 und Omega-3, hochwertigen Proteinen, essenziellen Aminosäuren sowie Vitaminen und Mineralstoffen sollen etwa Fell und Haut verbessern, das Hufwachstum anregen, die Immunabwehr stärken, den Magen-Darm-Trakt unterstützen, Arthrose lindern, bei Stoffwechselproblemen positiv wirken und vieles mehr.

Wichtig ist das langsame Anfüttern von Hanf: Mit einer geringen Menge beginnen und schrittweise bis zur Empfehlung der Hersteller steigern. Meist raten diese zu einer kurmäßigen Fütterung, etwa während des Fellwechsels.

Was darf in den Trog?

Beim Füttern an Pferde ist dennoch Vorsicht geboten. Laut Verbraucherzentrale könnten Hanfsamen, die eigentlich THC-frei sind, „bei der Ernte mit THC-reichen Pflanzenteilen (Blüten, Blätter oder Stängel) in Berührung kommen. Dadurch kann sich THC durchaus in messbaren Mengen in kommerziell erhältlichen Hanfsamen und daraus hergestellten Lebensmitteln finden.“ Das Füttern von Hanfprodukten an Turnierpferde ist daher problematisch, denn mit den heutzutage sehr sensitiven Tests lassen sich schon kleinste Mengen bei Dopingkontrollen nachweisen.

Skepsis zu CBD-Ölen

Auch CBD-Öle landen immer häufiger im Pferdetrog. Sie sollen entkrampfend, entzündungshemmend und angstlösend wirken – und das angeblich ohne psychoaktiven Effekt. Oft werden CBD-Öle sogar mit dem Zusatz „THC-frei“ beworben. Manche Experten sind da skeptisch. So warnt etwa das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe davor, dass der THC-Gehalt in CBD-Ölen oft zu hoch ist. Deren Bewerbung mit dem Werbeslogan „THC-frei“ stelle demnach eine erhebliche Täuschung dar.

Auch Dr. Henrike Lagershausen, Abteilung Veterinärmedizin und Tierschutz der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), hegt Bedenken: „Die wissenschaftliche Grundlage ist sehr dünn beziehungsweise beim Pferd nicht vorhanden.“ Es lägen keine Informationen dazu vor, wie und wie lange CBD im Pferdekörper wirkt und welche Nebenwirkungen es hervorrufen kann. Auch wisse man wenig über die CBD-Gewinnung und die mögliche Kontamination durch Spuren von Tetrahydrocannabinol (THC) in CBD-Produkten, da dies bei der Herstellung nicht komplett ausgeschlossen werden könne. Eine Karenzzeit, also eine Zeitdauer, wie lange vor einem Wettkampf eine Substanz nicht mehr verabreicht werden darf, gebe es für CBD-Öl daher nicht.

Anbau von Nutzhanf ist streng kontrolliert

Der Nutzhanfanbau ist recht unkompliziert: Die schnell wachsenden Pflanzen sind anspruchslos und sehr widerstandsfähig, Pflanzenschutzmittel in der Regel unnötig. Der Anbau unterliegt in Deutschland aber strengen Kriterien. Er ist nur Unternehmen der Landwirtschaft im Sinne des § 1 Abs. 4 des Gesetzes über die Alterssicherung der Landwirte (ALG) erlaubt. Jeder Hanfanbau ist bis zum 1. Juli des Anbaujahres der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) anzuzeigen. Ausgesät werden darf nur zertifiziertes Saatgut, die Etiketten der verwendeten Sorten sind den zuständigen Behörden vorzulegen. Zuwiderhandlungen können eine Geldbuße nach sich ziehen.
Mehr Informationen zum Nutzhanfanbau bei der BLE: HIER

Mit Bedacht verwenden

Hanfprodukte sind auf dem Vormarsch. Samen, Öl und Co. können durchaus zur Bereicherung des Speiseplanes der Vierbeiner beitragen. Inwieweit Hanfprodukte bei Pferden gesundheitsfördernde Wirkungen entfalten, ist (noch) nicht belegt.

Für Turnierpferde gilt: Hanfpflanze sowie Hanfkuchen gelten als verbotene Substanz gemäß ADMR-Liste Anhang I (Liste der Dopingsubstanzen und verbotenen Methoden; im Wettkampf verboten). Doch auch angeblich cannabinoidfreie Produkte könnten Spuren von Cannabinoiden enthalten, daher die Warnung der FN: „Der Einsatz beim Sportpferd bleibt somit risikobehaftet!“ Bei CBD-Öl ist Vorsicht geboten, hier scheinen die THC-Werte mitunter höher als deklariert. „Wir raten dringend davon ab, CBD-Produkte beim Sportpferd einzusetzen!“, lautet daher der Appell von Dr. Lagershausen.



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