Silage-App: Heute oder morgen silieren?

Eine Silage-App auf dem Smartphone zeigt, wann der optimale Zeitpunkt fürs Mähen, Schwaden und Häckseln ist. Das ist keine Wunschvorstellung, sondern das Ergebnis eines Forschungsprojektes.

Von Jörg Möbius

Für die Herstellung einer qualitativ hochwertigen Grassilage zur Fütterung muss dann gemäht werden, wenn das Gras einen geeigneten Trockenmassegehalt hat. Dieser lässt sich prognostizieren, wenn Daten zur Witterung und zu Ernte- und Silierbedingungen miteinander verschnitten werden. Im EIP-Projekt Q2Gras wurde eine App entwickelt, die diese Verschneidung übernimmt. Die App wird bereits im praktischen Einsatz getestet und optimiert.

Dr. Jürgen Pickert (Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung) und Uwe Mertin (Agrar GmbH Trebbin) testen die Silage-App.
Test der App: Dr. Jürgen Pickert, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung Müncheberg (li.) und Uwe Mertin, Agrar GmbH Trebbin. © Agrathaer

Ein interdisziplinäres Team in Brandenburg aus sechs landwirtschaftlichen Betrieben, dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung und unter Leitung der agrathaer GmbH in Müncheberg, entwickelte in dreijähriger Zusammenarbeit zwei Silage-Prognoseanwendungen von Kalkulationshilfen zu praxistauglichen App-Anwendungen weiter. Das Projekt wird im Rahmen der Europäischen Innova­tionspartner schaften aus Mitteln des Eler-Fonds gefördert. Unterstützt wurde die Gruppe von Mitgliedern des Paulinenauer Arbeitskreises Grünland und Futterwirtschaft.

Genauere Einsatzplanung per Silage-App

Entwickler Martin Hecker erklärt das technische Prozedere: „Die App arbeitet mit Daten zur Witterung und zu den Erntebedingungen. Am Ende kann man an einer Grafik ablesen, wann der optimale Zeitpunkt fürs Mähen, Schwaden und Häckseln ist“, sagt er. Mindestens mit einem Tag Vorsprung kann der Landwirt dann seine Arbeit genau planen. Die Wetterdaten holt sich die App stündlich von einer vorher vom Nutzer ausgewählten Wettersta­tion. Angaben zum Niederschlag können schlagspezifisch vom Nutzer überschrieben werden. „Man wird es nie hundertprozentig hinkriegen. Aber man muss Extreme vermeiden und bei 35 °C kann eine halbe Stunde schon Kopf und Kragen kosten“, sagte Uwe Mertin, Vorstand des beteiligten Agrarbetriebes agt Agrar GmbH Trebbin.

Mit der App lässt sich der beste Zeitpunkt für die Silierung vorhersagen

Die App nutzt auch Erkenntnisse der Paulinenauer Futterforschung aus den 80er-Jahren. Momentan bilde sie die Verhältnisse im nordostdeutschen Tiefraum ab, passe aber auch in Vorpommern und Holstein, so Dr. Jürgen Pickert vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung Müncheberg. Der Speicherbedarf ist gering, die App funktioniert auch offline, dann mit den zuletzt gespeicherten Wetterdaten. Die Nutzer in den sechs Testbetrieben möchten die Unterstützung per App nicht mehr missen. Nicht alle nutzen sie auf dem Smartphone, wer eine größere Darstellung bevorzugt, kann auch ein Tablet oder den PC im Büro nehmen.

Mit der WiltExpert-App können Landwirte so ihr Grünlandmanagement zur Grassilageerzeugung verbessern. Anhand weniger schlagbezogener Daten prognostiziert die App den Welkeverlauf des angegebenen Grünlands. Die Angabe eines idealen Trockenmassebereichs gibt ihnen die Möglichkeit, den Einsatz der Erntetechnik entsprechend zu planen.

Futterqualität im Silo vorhersagen

Ebenfalls im Rahmen des Projektes wurde eine App zur Abschätzung der Silagequalität entwickelt. Mit der SiloExpert-App können Landwirte ihre Grassilage und den Silierprozess verbessern. Die App unterstützt sie bei der Organisation ihres Schlags, indem sie die Qualität der Silage vorhersagt. Mithilfe weniger Angaben können so relevante Aspekte zur Verbesserung der Grassilage abgeschätzt werden. Positiv auf die Vorhersage dieser App wirkt sich die Übernahme der Trockenmassedaten vom NIR-Sensor des Häckslers aus. Auch kann mithilfe der Silo-App beim mehrjährigen Vergleich geschlussfolgert werden, ob eine Nachsaat erforderlich ist.

Diese Apps wurden in einer Demonstrationsveranstaltung Mitte Februar in Nauen Landwirten, Beratern und Interessenten vorgestellt. Die Teilnehmer hatten dabei die Möglichkeit, die Apps vorab zu testen und zu diskutieren. Das Projekt läuft seit April 2017 und endet im März 2020. Es umfasst ein Fördervolumen von einer halben Million Euro. Sie kommen aus dem Agrarfonds Eler.

Hier werden von der Europäischen Kommission beachtliche Fördermittel zur Verfügung gestellt, um Forschung und Wertschöpfung in der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu unterstützen. Dafür stehen in Brandenburg insgesamt 25,6 Mio. € bis einschließlich 2020 zur Verfügung. Die EIP-Projekte werden von Praktikern, Wissenschaftlern, Beratern, Unternehmen sowie Verbänden und Vereinen in Netzwerken umgesetzt.

DAS PROJEKT

Webseite: www.agrathaer.de/projekte

Beteiligte Unternehmen:
Agrargenossenschaft Münchehofe eG
agrathaer GmbH (Leadpartner)
agt Agrar GmbH Trebbin
JAG- Jüterboger Agrargenossenschaft eG
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF)
Landwirtschaftlicher Lehrbetrieb Siegfried & Eckhard Leinitz GbR

Entwickler Martin Hecker erklärt der Brandenburger Agrarstaatssekretärin Carolin Schilde die Funktion der Silage-App.
Entwickler Martin Hecker erklärt der Brandenburger Agrarstaatssekretärin Carolin Schilde die Funktion der Silage-App. © agrathaer

Silage-App: Weitere Nutzung momentan unklar

Im März läuft das Projekt Q2Gras aus. Die Beteiligten sind guter Hoffnung, dass es eine dreimonatige Verlängerung zur Überführung in die Praxis gibt. Denn noch ist unklar, wer zukünftig die Apps pflegt, vermarktet und weiterentwickelt. Das kann beispielsweise ein Landmaschinenhersteller sein, eine landwirtschaftliche Hauptgenossenschaft oder ein Anbieter landwirtschaftlicher Managementsoftware. Ebenfalls unklar ist, ob die Förderbedingungen einen Verkauf (jährliche Gebühr) an Nutzer ausschließen oder nicht.

Schade, dass eine praktische Entwicklung, die mit viel Steuergeld gefördert wurde, in der Zielgeraden über die Bürokratie stolpert. Denn momentan ist ungewiss, wie es weitergeht. Könnten für die diesjährige Ernte befristete Testzugänge vergeben werden? Damit bliebe Zeit, die Vermarktung ab Vorbereitung der Ernte 2021 in Ruhe zu klären.

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