Neben der Unkrautregulierung übernimmt der Oz von Naio inzwischen auch die Saat, dank Technik von Ebra: Die Einzelkornmaschine wurde bisher händisch wie eine Schubkarre geführt. (c) Werkbilder

Agrarroboter: Spezialisten für Gemüse und Unkraut

Agrarroboter werden immer vielseitiger. Paradedisziplin bei ihrem Einsatz ist die mechanische Unkrautbekämpfung. Zweiter Teil unseres Überblicks.

Von Tobias Meyer

Der erste Teil des Überblicks enthielt nach der Einführung die Vorstellung der Agrarroboter der Firmen Agrointelli, Raven Industries, AgXeed, Fendt und Farmdroid. Wie stellen im zweiten Teil des Überblicks Roboter weiterer Firmen vor.

Naio Technologies: Jätroboter Oz und Dino

Mit dem Problem des externen Ladens beschäftigt ist auch Naio Technologies, bekannt etwa durch die Jätroboter Oz und Dino. Der französische Hersteller möchte nun die Einsatzzeit seiner elektrischen Roboter verlängern. Auf weit vom Hof entfernten Feldern gibt es jedoch selten eine Steckdose. Der leere Roboter muss also per Anhänger zur Ladestation. Abhilfe will Naio nun zusammen mit Varta schaffen: Ein mobiler Akku samt Ladeeinheit kann ans Feld gestellt werden, er wird von Solarzellen geladen und kann bei Bedarf von den arbeitenden Robotern angezapft werden. So sollen diese 24 Stunden durcharbeiten können. Die kleinen Oz-Modelle arbeiten bereits auf über 120 Betrieben, zusammen mit den Einzelkornspezialisten von Ebra konnten diese Roboter auch schon zum Säen genutzt werden.

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(c) Matthias Lech

Die BayWa hat hierzulande bereits den Vertrieb in ihrem Gebiet übernommen und zudem zusammen mit der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen, in dem auch der größere Naio-Roboter Dino zeigen soll, wie er das Beikraut in Salat und Bohnen sauber regulieren kann. Die ersten Ver suche sahen vielversprechend aus.

Jätleistung: halber Hektar pro Stunde

Aufgrund der aktuellen Gesetzeslage sei laut LWG jedoch der führerlose Einsatz von Landmaschinen derzeit nicht bzw. nur mit Sicherheitsvorkehrungen möglich. Daher ist auch auf dem Versuchsgelände mindestens eine Person als Prozessüberwacher vor Ort, die jederzeit eingreifen kann.

Ein weiterer deutscher Partner ist der Saatgut-Spezialist Strube D&S GmbH. Dort läuft seit Kurzem der zweite Naio-Prototyp des BlueBob. Der Agrarroboter hat es auf Unkraut zwischen Zuckerrüben abgesehen. „Die Jätleistung von einem halben Hektar pro Stunde ist beeindruckend, die Batterien erlauben eine durchgehende Schicht von acht Stunden“, so Bruno De Wulf, Projektmanager BlueBob bei Strube.

Derzeit müssen die Roboter noch per Anhänger aufs Feld gebracht  werden (o.), alleine dürfen sie sich – noch – nicht auf öffentlichen Straßen  bewegen. Auch wenn sie den Weg zum Acker eigentlich alleine fi nden  würden, Sicherheit geht vor.
Derzeit müssen die Roboter noch per Anhänger aufs Feld gebracht werden , alleine dürfen sie sich – noch – nicht auf öffentlichen Straßen bewegen. Auch wenn sie den Weg zum Acker eigentlich alleine finden würden, Sicherheit geht vor. (c) Werkbilder

in mikrodosen Nur auf unerwünschte Pflanzen sprühen

Auch der Schweizer Hersteller Ecorobotix kämpft mit seinem Agrarroboter Avo bereits auf den Feldern gegen Unkraut. Hier setzt man weiter auf Herbizid, das jedoch in Mikrodosen genau auf die per Kamera erkannten, unerwünschten Pflanzen gesprüht wird. Das solarbetriebene Fahrzeug schafft laut Hersteller stündlich etwa 0,6 ha, durch die austauschbaren Akkus sind auch nächtliche Einsätze möglich, insgesamt seien bis zu zehn Einsatzstunden am Stück drin.

Aktuell ist der Agrarroboter Avo im Einsatz gegen Unkraut in Zuckerrüben, Bohnen, Raps sowie auf Wiesen, z. B. gegen Ampfer, getrimmt. Software-Updates für weitere Kulturen sind bereits in Planung, etwa Salat, Spinat und Zwiebeln. Voll beladen wiegt der Roboter 750 kg. Er ist bis maximal 10 % Steigung (etwa 5°) einsetzbar.

Raupenroboter für Weinberge und Obstplantagen

Auf steiles Gelände in Weinbergen und Obstplantagen setzt dagegen das slowenische Start-up Pek-Automotive mit seinem Slopehelper. Der Raupenroboter soll bis zu 45° meistern und dabei 2 t Nutzlast tragen können. Neben Arbeitsgeräten seien auch eine Palette oder ein IPC-Container kein Problem. Die Tüftler wollen dabei den typischen Schmalspurschlepper im Wein- und Obstbau vollständig ersetzen.

Die Maschine soll mulchen, sprühen, düngen und während der Ernte als Transportfahrzeug fungieren. Die Plattform auf der Oberseite kann dafür der Hanglage entsprechend geneigt werden. So kann der Arbeiter geerntete Früchte immer in waagerecht stehende Behälter legen.

Spargelstangen unter der Erde finden

Die Firma Cerescon widmet sich ebenfalls einem Spezialgebiet, die Niederländer ernten Spargel vollautomatisch. Das bisherige Problem, diese Arbeit zu mechanisieren, bestand darin, dass das unter der Erde wachsende Gemüse schwer genau zu lokalisieren und unbeschadet zu bergen war.

Bereits verfügbare Erntemaschinen suchen nach aus dem Damm ragenden Spitzen, die sich schnell verfärben und daher geerntet werden müssen oder sie ernten einfach alles, was entweder ineffizient ist oder Qualitätseinbußen nach sich zieht.

Cerescon erntet mit seinem Sparter jedoch bereits, bevor der Spargel an die Oberfläche kommt, was eine hohe Qualität garantieren soll. Dabei wird jede Stange geschnitten, die lang genug ist. Dafür tasten Fühlstangen mit Sensoren durch die Dämme: „Der Landwirt entscheidet, wie tief unter der Oberfläche gesucht wird, z. B. 7 cm. Der Schnitt erfolgt dann 25 cm tiefer, wodurch alle Stangen mindestens diese Länge haben“, erklärt Thérèse van Vinken von Cerescon. Je tiefer man sucht, desto mehr erwischt man sofort. Natürlich muss dabei immer genug Boden über den Wurzeln liegen, sonst riskiert man Schäden.

Agrarroboter: erst mieten und bei Erfolg kaufen

Der Roboter verschließt zudem die Löcher im Damm direkt nach dem Schnitt wieder. „Wird tief genug detektiert und geerntet, muss man erst nach zwei bis drei Tagen zurückkommen, bevor der Spargel wieder aus dem Damm kommt. In dieser Zeit können andere Felder beerntet und so die Kapazität der Maschine erhöht werden“, so van Vinken. Je nach Bestand schneidet der Sparter etwa alle zwei Sekunden eine Stange, im Schnitt landen so ca. 1.200 bis 1.600 Stück pro Stunde in den Kisten.

2021 haben die Erfinder – selbst im Spargelbau erfahren – sechs Maschinen gebaut und in den Markt gebracht, insgesamt habe man diese Saison 2.000 Stunden geerntet, verschiedene Sorten und auf leichten wie schweren Böden.

Landwirte können zum Testen eine Saison auch erst einmal mieten und bei Erfolg kaufen – die ersten haben bereits zugeschlagen. Denn die Arbeitskräfte sind auch hier immer schwieriger zu finden und werden teurer. Mit dem Feedback aus dem Feld will Cerescon weitere Verbesserungen vornehmen: „Die Erntequalität stimmt bereits, wir wollen aber den Durchsatz noch weiter erhöhen.“

Hersteller als Dienstleister

Eventuell müssen sich aber gar nicht alle Landwirte komplett auf Roboter einstellen und entsprechende Technik anschaffen. Neben Lohnunternehmen bieten auch einige Firmen ihre Roboter selbst als Service an. Man bezahlt dann einfach für jeden durch den Roboter bewirtschafteten Quadratmeter.

Die Small Robot Company aus England etwa will dafür komplett umdenken. Aktuelle Maschinen setzten ihrer Ansicht nach vor allem auf Schnelligkeit, dabei könnte durch Präzision das Gleiche mit 90 % weniger Energieaufwand erreicht werden. 40 % mehr Ertrag und 60 % weniger Kosten sollen durch die kleinen Roboter drin sein.

Dafür setzt man für die Regulierung des Unkrauts auf drei Agrarroboter. Die erste – Tom genannt – erfasst nur die nötigen Daten durch das Scannen des Feldes, ein Algorithmus erstellt daraus eine Karte und die nötigen Anweisungen. Ausgeführt wird das dann von Agrarroboter Dick, der das Unkraut per Stromschlag zerstört. Die Technik dafür kommt vom ebenfalls aus England stammenden Unternehmen Root-Wave.

Für das nächste Jahr steht dann der Roboter Harry auf dem Plan, er soll das Säen übernehmen. Der Landwirt hat hier dann zwar kaum mehr Arbeit auf dem Feld und kann sich um Vermarktung und die künftige Anbaustrategie kümmern, gleichzeitig delegiert er aber auch viel Verantwortung an eine einzelne Firma.

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Auf der MeLa trafen wir die Gründer des Start-ups Rehmus GmbH, das batteriebetriebene Landwirtschaftsmaschinen entwickeln. Wir sprachen mit ihnen darüber, wie nachhaltige Maschinentechnologie eine Lösung für den Arbeitskräftemangel bietet, Landwirte ihre Profitabilität mittels emissionsfreier batterie-elektrischer Agrarmaschinen sicherstellen und gleichzeitig das Wohl und die Gesundheit ihrer Tiere steigern können. (c) Matthias Lech

Agrarroboter: Ein Blick in die Zukunft

Eine absolut unbelegte Einschätzung zum Schluss: Wenn einzelne Landwirte trotz sämtlicher technischer Fakten und Möglichkeiten nicht vom Roboter zu überzeugen sind, werden diese schlussendlich von ihren Frauen gefragt werden, warum sie als einziger im Dorf noch für viele Stunden auf den Traktor steigen, statt Zeit mit ihnen und der Familie zu verbringen. Denn Freizeit – oder gar Urlaub – gilt bis heute als sehr rares Gut in der Landwirtschaft. Der Roboter könnte hier künftig für mehr Entspannung sorgen.

Ein paar Stunden Arbeit auf dem Traktor werden sicherlich künftig trotzdem auf jedem Hof zu erledigen sein, findet auch Kristian Warming von Farmdroid. „Prinzipiell ist der Traktor ein tolles, vielseitiges Werkzeug, auch um etwa einen Roboter zum Feld zu transportieren.“


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