Chance für Agrarholz

28.01.2015

© Karsten Bär

In Sachsen noch ein vergleichsweise seltenes Bild: Die Ernte von Energieholz auf Kurzumtriebsplantagen, hier auf der 10 ha großen KUP des LVG Köllitsch.

Kurzumtriebsplantagen (KUP) haben in Sachsen noch immer Exoten-Status. Zwar sind als Energieholzplantagen genutzte Flächen über den ganzen Freistaat verteilt, doch waren es zuletzt (2013) nur 37 an der Zahl, die insgesamt 271 ha umfassten –  das sind 0,03 % der Ackerfläche Sachsens. Auch die Tatsache, dass allein die vier größten KUP im Lande fast die Hälfte der Gesamtfläche stellen, spricht für sich. „Es ist noch Ausbaupotenzial gegeben“, sagte Dr. Walter Schmidt, Referatsleiter Pflanzenbau im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) beim Anwenderseminar „Ernte und Verwertung von Holz aus Kurzumtriebsplantagen“ in Köllitsch. „Das Greening könnte Anlass dafür sein.“

Als Vorrangfläche anerkannt

KUP seien generell unter bestimmten Maßgaben (maximaler Erntezyklus: 20 Jahre, Mindestgröße: 1 ha, Verwendung von Arten laut Direktzahlungsverordnung) direktzahlungsfähig. Im Rahmen des Greenings würden sie auch als ökologische Vorrangflächen mit dem Faktor 0,3 anerkannt, wobei auch hier Vorgaben über zulässige Arten zu beachten seien und der Einsatz von mineralischen Düngern oder von Pflanzschutzmitteln nicht erlaubt ist. „Damit haben wir auf dieser Strecke politischen Rückhalt bekommen“, urteilte auch Dr. Eberhard Bröhl, Leiter der Abteilung Landwirtschaft im LfULG. Gleichwohl kann für die Anlage von KUP künftig in Sachsen keine Investitionsförderung mehr beantragt werden. Schmidt wies jedoch darauf hin, dass entsprechende Vorhaben unter Umständen im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP-AGRI) oder aber über ILE gefördert werden könnten. „Voraussetzung dafür ist jedoch die jeweilige regionale Schwerpunktsetzung und das Votum der lokalen Akteure“, so Schmidt.

Doch nicht nur wegen ihrer Anerkennung als ökologische Vorrangfläche sind KUP aus Sicht der Experten vom LfULG für Landwirte interessant. Mit den Plantagen könne man die Betriebsstruktur diversifizieren, ertragsschwache oder belastete Fläche nutzen, das Landschaftsbild aufwerten, Boden- und Winderosion vorbeugen, Gewässer schützen und für den Betrieb eine eigene regenerative Energiequelle erschließen oder regionale Wertschöpfungsketten aufbauen, zählte Schmidt eine Auswahl an Vorteilen auf. Doch ungeachtet dessen gibt es auch plausible Gründe, warum das Interesse am Energieholzanbau bislang schwach blieb. „Wir haben einerseits in Sachsen überwiegend gute Ackerbaustandorte, anderseits bedeutet die Anlage von KUP eine langfristige Festlegung, die auch im Einvernehmen mit dem Flächeneigentümer erfolgen muss“, antwortete Schmidt auf eine entsprechende Frage aus dem Publikum. Zudem müssten die betriebliche Nutzung der Hackschnitzel gegeben oder Abnehmer vorhanden sein.

In der Regel gute Brennstoffeigenschaften

Als alternative Energiequelle hat „Agrarholz“ zumindest gute Potenziale. Das verdeutlichte Dr. Ronny Wirkner vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) in Leipzig. Die Brennstoffeigenschaften von KUP-Holz seien vergleichsweise gut, trotz möglicher höherer Asche- oder gegebenenfalls Schwermetallgehalte. Zu beachten sei der Wassergehalt von KUP-Holzhackschnitzeln, der unter Umständen eine gezielte Trocknung erfordere. Alles in allem würden die Eigenschaften jedoch teilweise auch einen Einsatz in privaten Hackschnitzelfeuerungen ermöglichen. Vornehmlich sei KUP-Holz jedoch für Anlagen mittlerer und höherer Leistungsbereiche, wie beispielsweise kleine gewerbliche oder kommunale Anlagen, geeignet.

Überwiegend gute Erfahrungen mit KUP-Hackschnitzeln bestätigte auch Christian Zimmermann von der Viessmann Industrie Deutschland GmbH, einem Hersteller von Heiztechnik. Allerdings weise Agrarholz häufig schwankende Wassergehalte und eine inhomogene Zusammensetzung auf, womit es eher für Rostfeuerungsanlagen geeignet sei. Ein möglicher Ansatz, Störungen auszuschließen, sei es, KUP- mit herkömmlichen Holzbrennstoffen zu mischen. Wünschenswert sei es, erzeugerseitig auf gleichbleibende Qualitäten hinzuarbeiten.

Zum großen Teil wird die Qualität durch Lagerung und Trocknung bestimmt. Über teilweise in Zusammenarbeit mit dem LfULG im LVG Köllitsch erfolgte Versuche, hierfür optimierte Verfahren zu finden, informierte Dr.-Ing. Ralf Pecenka vom Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim (ATB). Untersucht wurden die Lagereigenschaften verschiedener Formate – feine und grobe Hackschnitzel sowie Ganzbäume – sowie die Eignung verschiedener Mietenformen unter natürlicher Trocknung im Lagerhaufen. Die geringsten Masseverluste traten bei der Lagerung ganzer Bäume auf, jedoch war hierbei der Wassergehalt nach sechsmonatiger Lagerung noch am höchsten. Auf Werte unter 30 % waren hingegen die Wassergehalte in abgedeckten Mieten im Fahrsilo gesunken, wobei hier Grobhackschnitzel im Vergleich zu Feinhackschnitzeln leicht verbesserte Lagereigenschaften aufwiesen. Eine vergleichbar gute Trocknung erfolgt auch in Mieten, die mit Zu- und Abluftrohren ausgestattet sind (Domlüftungsverfahren). Bei der Lagerung in unbelüfteten Haufen treten unweigerlich hohe Trockenmasseverluste und Schimmelpilzbefall auf.

Regionale Lösungen sind machbar

Über die Etablierung einer KUP-Holz-basierten Wärmeversorgung im niedersächsischen Dorf Beuchte berichtete Hans-Georg von Engelbrecht vom auf Energieholzanbau spezialisierten Unternehmen agraligna. Bei einem durchschnittlichen Ertrag von 15 t Trockenmasse je Hektar liefern in Beuchte 20 ha KUP den nötigen Rohstoffinput für die vertraglich vereinbarte Versorgung von 65 Haushalten – zu einem Preis, der trotz hoher Investitionen und bei Verwendung eines nachhaltigen Energieträgers günstiger als von Gas oder Öl sei. Mit einem Deckungsbeitrag von 350 €/ha und einem Veredlungsgewinn von 1 100 €/ha, überwiegend auf zum Teil schwer zu bewirtschaftenden Restflächen generiert, sei dies auch für den Landwirt ökonomisch interessant.

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