Ein Zeichen gesetzt

13.07.2015

© Karsten Bär

Beim Erntefrühstück über Landwirtschaft zu diskutieren – dazu hatten Marco Hartmann, Michael Jänsch und Hans-Georg Löwe von der Agrargenossenschaft Gräfendorf eingeladen.

Der Start der Ernte verzögerte sich am Ende doch noch um ein  paar Tage. „Gewöhnlich dreschen wir um die Zeit, aber das Getreide ist zu ungleichmäßig abgereift“, erklärte Michael Jänsch, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Gräfendorf, warum man mit dem Drusch später als zunächst geplant beginnen wollte. Das „Erntefrühstück“, zu dem der Betrieb in der Nähe von Herzberg/Elster Ende Juni eingeladen hatte,  fand allerdings dennoch zum vorgesehenen Termin statt, schließlich sollte es dabei nicht nur um die Ernte gehen, sondern auch darum, „die Diskussion in Gang zu bringen und mit den Leuten über die Situation der Landwirtschaft ins Gespräch zu kommen“, wie Michael Jänsch sagt. Und zwar mit allen – nicht nur Kollegen sowie Vertretern des vor- und nachgelagerten Bereichs, der Kommunen, der Wirtschaft und der Banken, sondern auch mit Kirchen, Naturschutzgruppen und Schulen, die der Betriebsleiter zu diesem Zweck eingeladen hatte.

Immer in Bewegung

Für einen solchen breiten Dialog ist es aus Sicht des Gräfendorfer Landwirtes höchste Zeit. „Als Landwirte werden wir doch ständig bewegt und mit neuen Forderungen konfrontiert“, machte er deutlich. Viele Wirtschaftsunternehmen hätten es zwar ebenfalls nicht leicht. „Aber denen gackert, im Gegensatz zu uns Landwirten, niemand rein und sagt, wie sie zu arbeiten haben“, ärgerte sich Jänsch. Erst im vergangenen Jahr habe die Agrargenossenschaft Gräfendorf 2,5 Mio. Euro in die Erneuerung des Schweinestalls investiert – in diesem Jahr war schon wieder eine Investition nötig, weil sich das Unternehmen an der Initiative Tierwohl beteiligen wollte und dafür die Voraussetzungen schaffen musste. „Zum Glück war die Auditierung erfolgreich und die Investition nicht umsonst“, so der Vorstandsvorsitzende. Doch während sich die Landwirte mit solchen Fragen beschäftigten, würde anderswo pauschal gegen die Tierhaltung gewettert, wie er im Hinblick auf das in Brandenburg angestrebte Volksbegehren der Initiative „Stoppt Massentierhaltung!“ kritisierte.

Impulse in die Region

Der derzeitige gesellschaftliche Stellenwert der Landwirtschaft besorgt auch Kurt Tanze, der dem  Kreisbauernverband Elbe-Elster vorsteht und noch am Vortag des Gräfendorfer Erntefrühstücks am Deutschen Bauerntag in Erfurt teilgenommen hatte. „Die politische Diskussion über die Landwirtschaft ist erschreckend“, sagte er. „Und als Folge daraus resultieren Verordnungen und Gesetze, die uns das Leben schwer machen.“ Er sei sich dennoch sicher, dass die Bauern in Brandenburg wie in Deutschland insgesamt gut aufgestellt seien. „Wir sorgen schließlich täglich für einen reich gedeckten Tisch beim Verbraucher.“
Interesse zeigten viele, die der Landwirtschaft aufgeschlossen gegenüberstehen. Ein Dialog mit Kritikern kam jedoch nicht zustande.
Und nicht nur das, wie Michael Jänsch ergänzte. Denn Landwirtschaftsbetriebe seien im ländlichen Raum auch ein Wirtschaftsfaktor, der Impulse in andere Branchen aussende. Seit 2011 habe die Agrargenossenschaft eine größere Summe investiert, als allein schon an Löhnen für die 45 Arbeitskräfte gezahlt wurde. Vieles davon sei in Aufträge an regionale Firmen geflossen. Diese und andere Leistungen und Anstrengungen gelte es öffentlich zu machen, statt „wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren und abzuwarten, was als nächstes kommt“, so Jänsch. Die Landwirte bräuchten dazu Hilfe: „Wir müssen darauf setzen, dass die, die auf unserer Seite sind, das nach außen tragen, zu ihren Kollegen, Familien, in ihren Kegelverein.“

Einblick für Großstädter

Aufseiten der Landwirte stehend zeigte sich beim Erntefrühstück unter anderem Dietmar Hecht vom Schlachthof Färber im nicht weit von Gräfendorf entfernten sächsischen Belgern. Er brachte zum Ausdruck, dass kleine regionale Verarbeitungsstrukturen, zu denen er den Schlachthof in Belgern zählt, auch im Interesse der Landwirte lägen. Jedoch litten sie unter der Marktmacht der Konzerne, die die Rahmenbedingungen bestimmten.

Unterstützung in Imagefragen versprach Eberhard Stroisch, Kreisentwicklungsdezernent im Landkreis Elbe-Elster, den Landwirten. Er verwies auf die Aktion „48 Stunden Elbe-Elster“, bei der die Region Menschen aus den Ballungszentren touristisch vorgestellt wird. Beim nächsten Mal könne bei dieser Aktion auch der Besuch eines Rinderstalls vorgesehen werden, um Verbrauchern aus der Großstadt konkret zu zeigen, wie in der modernen Landwirtschaft produziert wird, so Stroisch.

Kritiker fehlten

Gelegenheit, mit Kritikern der Landwirtschaft über strittige Fragen zu diskutieren, bot das Gräfendorfer Erntefrühstück hingegen nicht. Denn der Einladung gefolgt waren nur jene, die der Landwirtschaft aufgeschlossen gegenüberstehen. „Aber auch wenn es uns nicht gelungen ist, die Leute herzulocken, mit denen wir den Dialog suchen, haben wir doch trotzdem ein Zeichen gesetzt“, ist Michael Jänsch sicher. Eine Wiederholung sei sehr wahrscheinlich.

Und die Ernte? Die werde wohl ein Minus von 30 % gegenüber den – freilich überdurchschnittlichen – Vorjahreserträgen bringen, prognostiziert der Vorstandsvorsitzende. „Es war einfach zu trocken“, sagt er. „So trocken, wie ich es noch nie erlebt habe.“ Der Regen, den es Ende Juni gab,  kam für das Getreide jedenfalls zu spät. „Aber zumindest hat er uns davor bewahrt, dass uns der Mais auch noch umfällt.“

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