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Zukunftskonferenz in Brüssel

29.7.2010 13:36:18

Von Hüh bis Hott

Brüssel. Die Meinungen über die Perspektive der EU-Agrarpolitik gehen immer weiter auseinander. Eine großangelegte Zukunftskonferenz der Kommission am 20. Juli zeigte einmal mehr, wie schwer eine Einigung am Ende sein wird. So schockte der Präsident der EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA), Padraig Walshe, die 600 Delegierten mit der Aussage, die landwirtschaftlichen Familienbetriebe könnten den immer stärkeren Preisschwankungen auf den Agrarmärkten nicht standhalten. Wenn diese Form der Landbewirtschaftung erhalten werden solle, dann bräuchte sie zwingend  finanzielle Unterstützung. Der Präsident der EU-Ausschüsse der ländlichen Genossenschaften (COGECA), Paolo Bruni, ergänzte, die 28 Millionen Arbeitsplätze in der Agrarwirtschaft dürften nicht gefährdet werden, sonst seien enorme Investitionen bedroht.
Den Europäischen Dachverband der Ernährungswirtschaft (CIAA) vertrat Susanne Langguth. Die Leiterin der Zentralabteilung Lebensmittelqualität der Südzucker forderte sie eine „wettbewerbsfähige Preispolitik“. Wenn verlangt werde, dass die verarbeitende Industrie den Landwirten mehr zahle, dann müsse man auch daran denken, dass deren Unternehmen selbst unter Preisdruck stehen.
Die Generalsekretärin des Europäischen Dachverbands der Verbraucherorganisationen (BEUC), Monique Goyens, rief dazu auf, den Standpunkt der Konsumenten von anderen Anliegen wie dem Umweltschutz klar zu trennen. Forderungen nach einer nachhaltigen Produktion seien legitim, aber den Verbraucher interessiere es zunächst, ob eine Ware vorhanden, bezahlbar und unbedenklich verzehrt werden könne. Ebenfalls für einen Paradigmenwechsel in der EU-Agrarpolitik plädiert die Agricultural and Rural Convention 2020 (ARC), ein Zusammenschluss zahlreicher Nichtregierungsorganisationen und Verbände. ARC-Sprecher Prof. Michael Dower  zeichnete das Bild einer „ländlichen Renaissance“, um umweltpolitische und soziale Herausforderungen zu meistern und dabei nachhaltig zu produzieren. Der Entwicklungsexperte Prof. Christopher Gilbert von der Universität Trient ordnete die Politikreform in globale Zusammenhänge ein und forderte eine stärkere Außenwirkung der GAP. Vor allem seien Aspekte der Welternährung zu beachten. Prof. Giovanni Anania von der Universität Kalabrien ging mehr auf die Strukturpolitik ein. Seiner Ansicht nach könne es bei der Reform der Agrarpolitik nicht darum gehen, ausnahmslos alle heute wirtschaftenden Bauern auf den Höfen zu halten. Im Gegenteil, ein Anstieg der durchschnittlichen Betriebsgröße wirke sich wahrscheinlich positiv auf die Effizienz aus.   Eine Art vorläufige Zusammenfassung der Konferenz gab der irische Agrarökonom Prof. Alan Matthews vom Trinity College Dublin. Ein allgemein anerkanntes Problem sei, dass die Landwirtschaft ohne staatliche Unterstützung nicht überleben könne. Chancen böte das erwartete Wachstum der Weltnachfrage nach Nahrungsmitteln. Als Konsens für eine künftige Politikausrichtung wertete er die Förderung benachteiligter Gebiete. Die ländliche Entwicklung solle nach Ansicht zahlreicher Konferenzteilnehmer innerhalb der Agrarpolitik verbleiben. Auch die Zwei-Säulen-Struktur solle fortbestehen; Klärungsbedarf bestehe allerdings hinsichtlich Direktzahlungen. Von mehreren Seiten sei gefordert worden, ihre Gewährung an Kriterien wie Arbeitskräftezahl, Grünlandwirtschaft und der Bereitstellung öffentlicher Güter festzumachen und nur aktiven Landwirten zuzugestehen. AgE/BZ
Foto: Archiv

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